Review: Pauw

PAUW-Macrocosm-Microcosm-CDPauw – „Macrocosm Microcosm“

Manchmal muss man ja nur das Plattencover betrachten oder den Albumtitel hören und man weiss, worum es geht. Auf dem Sleeve des Debüts der Holländer Pauw sehen wir ein spaciges Gemälde, Weltraumnebel in allen Farben, übergroße Monde und Planeten. Schemenhaft erkennen wir vier Gestalten, die uns den Rücken zugewandt haben und in die Weiten blicken, von der Macht der Unendlichkeit so beeindruckt wie Caspar David Friedrichs Mönch am Meer. Dieses Bild ist also einerseits ein Stupser in Richtung Romantik, zuerst aber ein Holzhammerschlag in Richtung Psychedelia. Dazu passt der Albumtitel: Makrokosmos, Mikrokosmos. Das große Ganze, das winzige Detail, alles eins, alles: kosmisch.

Und was soll ich sagen? So, wie das Cover aussieht, so wie der Name des Albums andeutet, so klingt „Macrocosm Microcosm“ auch.

Kurzer Break. Ich habe eben ein zwei, drei Absätze geschrieben, in denen ich über psychedelischen Indie der letzten Jahre und seine Ursprünge rum referierte. Ich nannte die frühen Verve, Spiritualized, Kula Shaker, Lilys und Connan Mockasin, Syd Barrett und „Strawberry Fields Forever“. Dann habe ich das alles wieder gelöscht.

Warum? Weil ich mich ziemlich verfranzt hatte, erstens. Zweitens, weil’s im Jahr 2016 letztlich viel realistischer ist, das Album einfach so zu beschreiben: „Mögt ihr Tame Impala? Mögt ihr die Temples? Mögt ihr auch noch Jacco Gardner? Dann ist Pauw eine Band für Euch!“

pauwband-17-1024x1024Denn letztlich kommt es ja nicht drauf an, ob die vier aus Twente sich auf die Sixties-Originale berufen oder auf Kevin Parker. 2016 sind die verständlichen Bezugspunkte die Bands, neben denen Pauw in der Indie-Disco gespielt werden könnten – und das sind eben Tame Impala und die Temples.

Nun gut, vermutlich würde man mit Pauw den Dancefloor ausdünnen. Nicht, weil dies schlechte Songs wären, sondern weil sie nicht darauf abzielen, dass man dazu tanzt. Die Single „Shambhala“ knallt zwar mit einem Killer-Sitar-Riff rein, aber nimmt zur Strophe die Drums raus. Auch „Memories“ oder die Mellotron-Bombe „Visions“ haben famose Melodien, aber folgen nicht dem straighten 4/4-Beat, der auf dem Dancefloor hilft. Nein, das ist Musik, zu der man am besten in die Lavalampe guckt und dann auf seinem Teppich gen Vollmond abhebt. Für so etwas verkörpert der Kaftangaze von „Today Never Ends“ zum Beispiel den geradezu idealen Soundtrack.

Gibt’s auch Kritikpunkte? Okay, ein bisschen plakativ ist das Ganze vielleicht… man beachte zum Beispiel die Fotos: Pauw kleiden und frisieren sich, als gingen sie im Fasching als Woodstock-Band. Zum Vergleich: Tame Impala müssen sich nicht in Vintage Klamotten stecken, die sehen einfach von selbst weird aus. Wenn jemand Pauws Auftreten also affig findet, sehe ich das ein. Ich selbst find’s aber ganz drollig. Für mich ist das ein Zeichen, dass Pauw sich nicht zu schade dafür sind, auch ein bisschen auf Show zu machen und gerade weil Psychedelia ein Genre ist, in dem es gerne mal introvertiert zugeht, ist so ein Fokus aufs Äußere bei mir ganz willkommen. So ergibt dies ein sehr gelungenes Debütalbum mit seinen neun Songs, die fröhlich zwischen trippy Sixties-Psychedelia und Britpop-Ohrwurm pendeln.

Ranking Pauw

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