Review: Modern Space

Before SunriseModern Space – „Before Sunrise“

Vielleicht verfolgt’s der eine oder andere von Euch: Auf Spotify führe ich eine „Best Ditches“-Playlist mit 40 aktuellen Indie-Songs, die ich regelmäßig auffrische. Seit etwa einem Monat befindet sich in dieser Liste ein Titel namens „Pen To Paper“. Die Band, die diesen Song spielt, nennt sich Modern Space. Ich weiss bisher praktisch nichts über Modern Space, außer dass die Jungs zu fünft sind und aus Toronto kommen – und ich weiss, dass „Pen To Paper“, ihre Debütsingle, ein Hit ist. Kein Song, der das Rad neu erfindet, aber einer, der den Indiepop der letzten 10, 15 Jahre prägnant auf den Punkt bringt.  2 Minuten und 49 Sekunden Vollgas auf peppigen Strokes-Gitarren, eine Strophe die klingt, als purzele sie eine Wendeltreppe runter und ein Refrain, zu dem man auf dem Dancefloor an die Diskokugel springt.

So weit, so fein. „Pen To Paper“ ist ein Debüt, das Lust auf mehr macht, aber auch eins, das erahnen lässt: Revolutionen dürfen wir von dieser Band erst mal noch nicht erwarten. Sehr wohl aber Momente, die uns zum Mitschnipsen und Tanzbein schwingen anregen. Mit „Before Sunrise“ legen die fünf Kanadier nun nach. Kein Album, sondern eine EP mit sieben Songs mit knapp unter 25 Minuten Spielzeit. Kein verkehrter Schachzug.

Die Frage zu „Before Sunrise“ lautet natürlich: Können die Jungs den Level von „Pen To Paper“ halten? Die Antwort: Die Single bleibt der herausragende Song. Die anderen Stücke aber fallen auch nicht ab und bieten genug Abwechslung und Potential, dass wir die Band im Auge behalten werden.

modern spaceLos geht die EP mit dem Song „Rule Britannia“. Eine Nummer, die in der Strophe erst mal fröhlich vor sich hin stolpert, um in der Bridge vom Gas zu gehen, so dass man sich schon fragen will: „Musste das Abbremsen jetzt sein?“ In dem Moment aber läuten Handclaps einen pfiffigen Refrain mit euphorischen „Woo-hoo-hoos“ ein, und beantworten die Frage mit „Ja, denn so kommt der Chorus umso besser!“ „Rule Britannia“ versprüht die Art gute Laune, die Bands wie Grouplove oder Team Me versprühen und es ist ein prima Auftakt für diese EP.

Es folgt „Pen To Paper“ – dass diese Nummer ein großer Spaß ist, wissen wir schon. Weiter geht’s mit „It’s Only A Dream“: Ein satt stampfender Popsong mit 70s-Rock-Feel, der die Gitarren mit Bläsern und Orgel anschiebt. Das ist die Sorte knalliger Indiepop. wie auch die Schweden von The Royal Concept ihn gerne hinlegen.

Next: „Festival Express“. Aha, die erste Ballade, denkt man noch, da setzt im Refrain ein schiebender Shuffle-Beat ein. Einmal mehr erinnert’s mich an Grouplove, und einmal mehr darf man sagen: Hey, das geht gut ins Ohr!

Lied Nummer Fünf ist von der Band als zweite Single gepickt worden, aber „Let It Out“ ist der erste Song, der ein bisschen an mir vorbei läuft. Der Rhythmus ist Indie-Reggae-esk, der Refrain dagegen geht fast in Richtung Classic Rock, das greift für mich nicht ineinander.

Es folgt „Carpet Diamonds“, ein Song, der praktisch 1:1 den Refrain von „Hard To Explain“ mopst, aber mit behäbig stampfenden Strophen kombiniert. Der Song ist in Ordnung. Zum Abschluss gibt es sie dann doch, die Ballade: „Little Lies“. Sie ist okay. Nicht der Song, den man als sentimentalen Rausschmeißer auflegt, aber die Melodien des Refrains und insbesondere der Bridge gehen fein genug ins Ohr. Abgesehen davon zeigt uns „Little Lies“, dass Modern Space nicht nur den „Indie-Hurra!“-Modus können, sondern auch im getragenen Tempo keine schlechte Figur machen.

So, wie schließen wir diese Rezension ab? Ich sage mal Folgendes: Hey, für ein Debüt sind diese Songs auf jeden Fall vielversprechend. In ihren spritzigen 25 Minuten langweilt „Before Sunrise“ nie, so könnte diese EP durchaus der Grundstein für ein starkes Album werden. Sich zurück lehnen dürfen Modern Space dabei aber nicht. Denn der Friedhof der Post-Strokes-Bands, er ist voll mit Gruppen wie Hockey, Howler oder The Virgins – alles Bands, die mit richtigen Hits und weltweiter Aufmerksamkeit gestartet sind, um dann doch schnell wieder abzusinken. Weil sie zwar den Indie-Sound an sich perfekt trafen, aber letztlich nicht genug Eigenes beitragen konnten, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. In Modern Space steckt sicher ein Debütalbum, dass sich vor, sagen wir, Hockey nicht wird verstecken müssen. Ob auch mehr drinsteckt, das werden sie uns beweisen müssen, wenn es um mehr als 25 Minuten geht.

Ranking Modern Space

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