Review: Børns

borns DopamineBørns – „Dopamine“

In den USA ist diese Platte seit Oktober auf dem Markt und Garrett Borns ist sowas wie ein gefeierter Senkrechtstarter. Auch sein Debütalbum „Dopamine“ wird bejubelt. Der 24-jährige aus Minnesota ist, glaubt man seiner Presse, sowas wie ein Beck des Glamrock. Er vereint fetzige Marc Bolan-Riffs mit moderner Pop-Produktion, überhaupt sprüht sein Debüt nur so vor originellen Style-Kombis und das alles hat er auch noch quasi als Selfmade-Man auf die Beine gestellt. Schließe ich mich der Meinung an? Meh.

Ich will nicht bestreiten, dass Borns vermutlich ein echter Showman ist. Schon als Zehnjähriger war er ausgebildeter (es gibt für sowas eine Ausbildung? Okay…) Bühnenmagier – und wenn das keine perfekte Lehre ist, um später mal eine kostümierte Rampensau geben zu können, das weiss ich nicht weiter.

Magiers lernen auf der Bühne, uns mit Nebel, Spiegeln und cleveren Manövern abzulenken. Wir achten auf die großen Gesten, anstatt auf die kleinen Tricks, mit denen sie uns dann hinters Licht führen. Für mich setzt auch „Dopamine“ zu oft auf den plakativen Knalleffekt. Das Album plustert sich zu mehr auf, als es ist.

fuckyoubornsHört man sich die Lieder konzentriert an, so fällt auf: Das Ohr kriegt alle paar Sekunden Zucker. Hier ein kleiner Streichersatz, dort ein Drum-Effekt, hier ein Chörchen. Keine Frage, die Produktion ist sehr aufwändig und durchdacht. Da haben die Producer Emile Haynie (Lana del Rey) und Jeff Bhasker (Kanye West) ganze Arbeit geleistet. Doch die überfrachtete Produktion erstickt den Charme, den die Lieder vielleicht mal hatten. „Overnight Sensation“ zum Beispiel ginge als liebevolles Beach Boys-Tribut durch, wenn man die ewigen HipHop-Drums und ca 20 Effekt-Spuren weg gelassen hätte.

Ich sehe ein, wenn man sowas mag. Was spricht gegen Blitze, Pauken und Trompeten? Wir SIND im Showbusiness, warum sich also der Show verweigern? Es gab sie ja auch schon, die Bands, die mich mit ihrer paradiesvogelbunten Theatralik zu begeisterten. Die Schweden The Ark zum Beispiel waren zum Beispiel mal absolute Favoriten von mir. The Ark waren aber nie so perfekt – sie sangen Außenseiterhymnen, weil sie Außenseiter WAREN, die man acht Jahre lang von der Bühne gebuht hatte, bevor der Erfolg kam. Eine andere Lieblingsband, die auf Pop im Glitzerpapier setzte, waren Under The Influence Of Giants. Aber die hatten eine fatalistische Unterströmung, was umso klarer wird, da ihr Sänger Aaron Bruno jetzt als Awolnation Pop in manisch-depressiv macht. Ein anderer Name, an den man bei Børns denken kann, ist Mika. Aber Mika, der war wenigstens unverschämt überbordend poppig und stand dazu. Der versuchte erst gar nicht, den coolen Trendsetter zu geben.

Børns aber will (oder soll nach dem Willen seines Labels) mehrgleisig fahren. Will/Soll den glamourösen Sternenstaub-Zauberer markieren, trotzdem das Hipster-Erbe von MGMTs „Oracular Spectacular“ antreten und außerdem noch die Chartplatzierungen von Imagine Dragons und X Ambassadors mitnehmen. Das ist zu viel des Guten für ein Album.

Ranking Borns

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