Review: Mystery Jets

mystery Jets coverMystery Jets – „Curve Of The Earth“

Schon interessant, welche Entwicklungen Bands manchmal nehmen. Zur Erinnerung: Als die Mystery Jets vor inzwischen zehn Jahren auftauchten, da waren sie die schrägsten Vögel der Szene. Ich meine, das war die Band, die einst vom VATER des Sängers gegründet wurde! Henry Harrison lud Kinder der Umgebung ein, um so seinen Sohn Blaine zu beschäftigen, der seit Kindheit an der Wirbelsäulenkrankheit Spina Bifida leidet. Daraus entstanden die Mystery Jets, wirklich, und das auch noch in einer ehemaligen Hippie-Kommune auf der Themseinsel Eel Pie Island! Entsprechend war ihr Sound zu Beginn ihrer Karriere ein recht ausgefranster Psychedelia-Pop, der noch viel mit der Plattensammlung von Papa Harrison zu tun hatte. Der war auf dem Debütalbum „Making Dens“ (2006) sogar immer noch Bandmitglied!

Backstage nach den Konzerten immer Daddy dabei zu haben, das ging nicht gut, und so wurde Henry vor dem zweiten Album „Twenty One“ (2008) höflich in den Hintergrund befördert. „Twenty One“ war die große Pop-Platte der Mystery Jets, von diesem Album stammen ihre immer noch bekanntesten Songs „Young Love“ (mit Laura Marling) und „Two Doors Down“. Jetzt sah es so aus, als würde die Band sich auf catchy 3-Minuten-Songs spezialisieren.

Album 3 („Serotonin“, 2010) blieb in diesem Bereich, aber die Ohrwürmer glückten nicht noch mal so mühelos. Fürs Album „Radlands“ (2012) wiederum ging die Band zum Aufnehmen nach Nashville und versuchte hörbar, amerikanische Vibes herauf zu beschwören.

Beide Alben hatten definitiv ihre Momente. Aber im Vergleich zur Neuen „Curve Of The Earth“ wirken sie wie die Übergangsalben, die die Mystery Jets aus dem Weg räumen mussten, um hierher gelangen zu können.

mystery-jetsAuf dem fünften Album der Mystery Jets erinnert nichts mehr daran, dass dies die Band vom fluppig-duppigen Popsong „Two Doors Down“ ist. Das Tempo der fünf ist heute fast durchgehend ein getragenes, ihre Lieder bauen sich Schicht um Schicht auf und nehmen sich dafür ihre Zeit – fünf der neun Songs hier überschreiten die 5-Minuten-Marke, nur ein einziges Mal bleiben sie unter vier.

Klingt schleppend, aber es lohnt sich. Denn erstens entpuppen sich die Melodien als bleibend, zweitens baut die Band wirklich malerische, fast Spiritualized-artig transzendente Hinhörer-Atmosphären auf und drittens: Auch ihre Texte zeigen Reife, übertragen aber auch Emotion. Man achte zum Beispiel auf den letzten Song, „The End Up“ – ein Lied, dass über Verliebtheit und Zusammen-Bleiben philosophiert – mal vernünftig, mal hemmungslos romantisch. „The one that you love might not be the one that you were thinking of. How do we end up with who we end up? Is it just a question of love?“ wird gefragt, und gefolgert: „I hope I end up with you.“  Wen das nicht rührt, der ist ein Stein. Diese Nummer ist ein wirklich würdiges Finale einer sehr starken Platte.

Die Mystery Jets haben solche Lieder immer schon drauf gehabt. Auf „Twenty One“ gab es zum Beispiel bereits „Flakes“, die Ballade, die nicht beim ersten Hören auffiel, aber nach dem zehnten Durchlauf der unumstrittenen Lieblingssong der Platten sein musste. Jetzt haben die Jungs von der Eel Pie Island ein Album geschaffen, das aus gleich neun sogar noch sphärischeren Varianten von „Flakes“ besteht. Bemängeln wird manch einer da vielleicht, dass dieses Album insofern nicht viel Variation aufweist. Die ist aber ausnahmsweise nicht notwendig. Denn so ergänzen sich die Songs zu einem opulenten, stimmigen Gesamtbild.

Ranking Mystery Jets

Leider kann ich das Video zu „Telomere“ hier nicht einbinden – daher hier der LINK.

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Hier eine Handvoll älterer Clips:
Von „Radlands“

Von „Twenty One“ (2007):

Von „Serotonin“ (2010):

Vom Debüt „Making Dens“ (2006) inkl. Daddy Harrison

… und schließlich: „Flakes“ von „Twenty One“ (2008)

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