Meine Alben 2015 – Pt.2 (20-11)

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Ich muss gar nicht viel weiter erklären, oder? Ich mache weiter mit der Aufstellung meiner persönlichen Lieblingsalben des Jahres 2015. Teil 2 behandelt Platz 20 – 11.

Ach ja: Die Spotify-Playlist dazu habe ich entsprechend erweitert.

The Big Sleep20. Deportees – „The Big Sleep“

Daheim in Schweden sind sie absolute Kritikerlieblinge, zu Recht. Zum fünften Album der Band aus Vindeln bei Umeå schrieb ich im Oktober: „Auch ‚The Big Sleep‘ wird nicht die Platte, die Deportees endlich international etabliert. Denn um international was zu reissen, braucht man einen Hit. Aber Hits, das ist nicht die Währung, in der die Deportees bezahlen.“

Denn das, was diese Band macht, ist „feinsinniger Gitarrenpop auf enorm hohem Niveau.“ Anders gesagt: „Die Qualität des Quartetts ist ihre Sorgfalt. Hier sitzt jeder Ton.“

swervedriver cover19. Swervedriver – „I Wasn’t Born To Lose You“

Eine Lieblingsband der 90er kehrte zurück! Die Shoegaze-Wüstenrocker aus Oxford ließen dabei alle Indie-Trends der letzten Jahre links liegen und widmeten sich kompromisslos ihrem alten Sound. „Diese Songs sind diffus, unscharf – und dadurch rätselhaft“ freute ich mich im März. „Man kann sich von den Gitarren ummanteln und auf dem fliegenden Teppich in die Sonne mitnehmen lassen, mit dem einsetzendem Raketenschub der Sandstrahlergitarren. Mann, was habe ich dieses Feeling, das einem in der Tat nur Swervedriver geben, geliebt. Ich gebe zu, in den Jahren ist mir nicht wirklich aufgefallen, dass es fehlte. Aber jetzt steige ich sehr gern wieder ein.“

The-Preatures_Blue-Planet-Eyes18. The Preatures – „Blue Planet Eyes“

„Klar, dies ist Pop.“ jubelte ich im Februar über das Debüt von Isabella Manfredi und ihren Boys aus Sydney. „So, wie Phoenix und Haim Pop sind. So wie The Pretenders, manchmal Blondie, so wie sogar Clout und Suzi Quatro Pop waren. Es sind schnittige, kurze Songs voller Hooklines und ohne ein Gramm Fett.“

Klar gibt es Alben mit mehr Substanz, aber ich erlebte diese Platte „als prickelndes Mattglanz-Pop-Werk nahezu perfekt. Dies sind zehn Brausebonbons aus Pop in glitzerndem Knisterpapier, und jedes schmeckt.“ 

The Spin We're In17. Astropol – „The Spin We’re In“

Ein Spätkommer in der Liste. Erst im Dezember veröffentlichten Björn Yttling (von Peter Björn & John), Bebban Stenborg (Shout Out Louds) und ihr mysteriöser Partner namens „Smash“ ihr gemeinsames Album. Ich charakterisierte diese so flaumige wie anmutige Platte folgendermaßen: „Traurige Lieder über Liebeskummer und Verlust, verspielt instrumentiert und so aufgenommen, dass man glaubt, nah dran zu sein. […] Die beste Beschreibung für diese Musik liefern Astropol selbst, mit einem Songtitel: „The Sound of A Heart That Breaks’.“

In A Restless House16. City Calm Down – „In A Restless House“

Über sechs Jahre haben die Melbourner City Calm Down an ihrem Debütalbum gearbeitet, aber letztlich hat die Warterei bis Ende Oktober 2015 sich gelohnt. Ich fand: „Nach elf Songs darf man sagen: Starke Platte. City Calm Down beackern hier ein Feld zwischen The National, The Killers und The Church. Okay, manchmal tauchen sie ihren Pinsel vielleicht zu tief ins Teerschwarz, so dass sie sich auf der Gratwanderung zwischen Schwermut und Pathos auch ab und zu auf der falschen Seite wiederfinden können – ihnen dafür aber auf ihrem Debütalbum gleich Strafpunkte abzuziehen, wäre Erbsenzählerei. So muss ’In A Restless House’ dieses Jahr als Soundtrack für den Herbst erst mal getoppt werden.“

mercury-rev-the-light-in-you2215. Mercury Rev – „The Light In You“

„Wieder waren Mercury Rev in einen Winterschlaf gefallen, wieder war ihre Zukunft ungewiss, wieder wurden sie zwischen den Alben vor existentielle Fragen des Lebens gestellt“ , das war die Vorgeschichte zur Rückkehr der amerikanischen Psychedelia-Veteranen, die sich Anfang Oktober nach sieben Jahren Abwesenheit zurück meldeten. Was schrieb ich dazu? “Mercury Rev, das ist orchestrale Klangmalerei zwischen spinnenwebfeiner Grazilität und Urknall- Wucht, mit Pauken, Glockenspiel, Flöten und Klarinetten. All das gibt’s auf einmal, schon im ersten Song, ‚The Queen Of Swans‘. […] Mercury Rev klingen wieder so vieldimensional, so ehrfürchtig erstaunt vor der Gewalt des Kosmos, wie sie es seit „Deserter’s Songs“ nicht mehr getan haben.“

Pokey-LaFarge-Cover14. Pokey LaFarge – „Something In The Water“

Retro-Charme, dein Name ist Pokey LaFarge. „Was machen LaFarge und seine famose Begleitband? Sie spielen Ragtime, Western Swing, Country Blues – Musik der USA der 1940er. Und zwar so urig, so authentisch, dass man glauben muss, man höre originale Schellack-Platten. Einzig das Fehlen von Kratzern und Knistern entlarvt dies als Musik, die 2014 aufgenommen wurde.“ So beschrieb ich’s im April. „Pokey hat es einfach echt unglaublich drauf. Er mag einen uralten Stil pflegen, aber dies tut er mit federleichter Mühelosigkeit, mit liebevollem Grinsen und breit gefächertem Variantenreichtum.“ Pokeys neuer Trumpf dabei: Seine auf fünf Musiker angewachsene Begleitband. “Die jetzige Truppe ist ein Dreamteam, das nicht nur aus echten Virtuosen besteht, sondern das sich auch von Pokeys Spielspaß hörbar anstecken ließ.“ 

The Future Sugar13. Rey Pila – „The Future Sugar“

Mei, ich bin nun mal anfällig für Indiepop. Ich weiss selbst, dass das mexikanische Quartett auf seinem zweiten Album das Rad nicht neu erfindet. „Wenn Rey Pila an eine Band erinnern, dann sind das die Strokes. Genauer: An die Strokes der ’12:51’-Ära, als sie ein Video im ‚Tron‘-Look drehten und Synthies der 80er ins Spiel brachten“ äusserte ich mich Ende September zur VÖ. „Wichtig ist aber nicht, an wen Rey Pila hier und da erinnern – wichtig ist, was für einen unglaublichen Spaß sie machen. „The Future Sugar“ bringt einfach genau die Musik auf den Punkt, die ich liebe. Es ist knackiger, hittiger Indierock. Die Riffs sitzen, die Refrains bleiben im Ohr. […] Die Songs sind hauteng maßgeschneidert für die perfekten Moves auf dem Indie-Dancefloor.“  

Bussi - CMS Source12. Wanda – „Bussi“

Das hat mich selbst überrascht. Die erste Platte der Wiener fand ich ja krass überbewertet und der Hype um die Herren ging mir total auf die Eier. „Aber wenn man wenig erwartet, kann man nur positiv überrascht werden. Das ist passiert. Mir zieht ‚Bussi‘ ziemlich die Schuhe aus“ stellte ich in meiner Rezi dazu erstaunt fest. Ich verstieg mich sogar in die Behauptung: „Immer wieder erinnert mich Michael Marco Wanda an Morrissey. Echt jetzt. Zum Beispiel, weil er mit den Worten ‚Du gehst aus, gehst ein‘ mal eben die gesamte Handlung von ‚How Soon Is Now‘ auf den Punkt bringt (‚Lieber Dann Als Wann‘). Oder weil er in ‚Alarm!‘ einen Kriminellen besingt, der von seiner eigenen Unschuld überzeugt ist (‚Sweet and Tender Hooligan’, anyone?)“

SPECTOR Moth Boys11. Spector – „Moth Boys“

Es gibt Bands, da wundert man sich, warum sie nicht längst Megastars sind. Londons Spector sind für mich so ein Fall. Als die Platte erschien, jubelte ich: „Wenn eine Platte den Britpop zurück holen kann, dann ist es diese. Denn Spectors zweites Album ‚Moth Boys‘ ist eine wirklich clevere Platte, die etwas übers Leben im Jahr 2015 zu sagen hat. Aber sie ist auch zugänglich, verständlich, so sehr, dass man ihr fast Populismus unterstellen darf. Das Ergebnis ist: Leute, die Pulp, Suede und Blur ca ‚The Great Escape‘ mochten, können hier einiges wieder finden. Aber auch die Killers-Fans von heute werden hier abgeholt.“  Bis jetzt ist „Moth Boys“ aber meilenweit vom Millionenseller. Ich sage „bis jetzt“, weil ich immer noch glaube: „Die Platte ist hinterfotzig schlau im Text und smart und versiert in ihrer musikalischen Umsetzung. Sie ist gewitzt genug für den Underground und drall genug für die Massen.“

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