Meine Alben 2015 – Pt.1 (30-21)

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So. 2015 neigt sich dem Ende entgegen. Auch dieses Jahr habe ich wieder (ich bin nun mal voll der Nerd, can’t help it) meine eigene Hitliste der besten Alben der letzten 365 Tage aufgestellt. „Sollte leichter gehen als sonst“, dachte ich, „dieses Jahr habe ich schließlich lauter Reviews auf den Blog gestellt. Ich muss ja eigentlich nur schauen, wer die meisten Punkte kriegte.“ Aber, tja, die jetzige Liste sieht letztlich doch anders aus.

Es zeigte sich: Manchen Alben habe ich in der ersten Euphorie vielleicht zu viele Punkte gegeben, andere Alben entpuppten sich erst langfristig als „Grower“. Ein paar Alben meiner Top 30 habe ich gar nicht besprochen, meistens, weil ich den/die Künstler sowieso im Interview auf dem Blog hatte.

Anyway, jetzt reicht’s mit dem Palaver, ich beginne mit meinem Countdown. Nur eins noch: Am Ende des Artikels findet ihr eine Spotify-Playlist dazu.

Real Life30. Real Lies – „Real Life“

Das Londoner Trio Real Lies hat mit diesem Debüt eine einerseits urtypische, andererseits auf den neuesten Stand gebrachte Brit-Platte abgeliefert. In meiner Review zur VÖ im Oktober schrieb ich, das Album brächte folgendes auf den Punkt: „Das Britannien, das in seiner klammen Romantik und seinen vergänglichen Momenten der Euphorie und der Hoffnungslosigkeit immer wieder besungen wurde, von New Order, von The Streets, von The Specials, Hard-Fi, ja sogar den Pet Shop Boys. Also von genau den Bands, die Real Lies alle in Erinnerung rufen auf ‚Real Life’.“

ah jr29. Albert Hammond Jr. – „Momentary Masters“

Das dritte Soloalbum des Strokes-Mitglieds war laut meiner Besprechung im Juli „ein Quantensprung für den Gitarristen. Denn diese Platte klingt erstmals so, als habe Albert wirklich was zu erzählen – und als habe er sie mit der gleichen Konzentration, Hingabe und Wertschätzung eingespielt wie ein Strokes-Album.“ Ich sagte auch: „Was Albert nicht tut – und er muss es auch nicht – ist, irgendwie zu verbergen, dass dies die Platte eines Strokes-Gitarristen ist. „Momentary Masters“ klingt nach den Strokes. Extrem.“ 

Josh Pyke28. Josh Pyke – „But For All Those Shrinking Hearts“

„Der Mann ist nicht besonders dies, er ist nicht besonders das. Was das Singer/Songwriting-Dingens angeht, ist Josh Pyke ein Allrounder, der ALLES sehr gut macht – aber nichts extrem.“ schrieb ich Ende Juli über das fünfte Album des Australiers. „Seine Songs scheinen alles immer mit etwas Abstand zu betrachten und zu analysieren – und dann auch noch in seine Bildsprache zu verschlüsseln. Aber diese reservierte Position ist eine, die mir so zusagt, dass sie mir manchmal fast aus der Seele spricht.“

Husky_album_artwork27. Husky – „Rucker’s Hill“

Eine Platte, zu der es hier keine Rezension gab, weil ich Husky Gawenda und Gideon Preiss im umfangreichen Interview auf dem Blog hatte.

Dabei sagte ich zu den beiden Australiern: „Das Album ist unmittelbarer. Euer erstes Album, das wurde zumindest gegen Ende hin sozusagen impressionistisch. Die neue ist im Vergleich dazu fast eine Bleistiftzeichnung. Die Songs scheinen klarer durchkomponiert, während die erste sich auch auf die Atmosphären verließ.“ 

awolnation-run26. Awolnation – „Run“

Ginge es nach den Punkten, die ich Aaron Brunos zweitem Album in der Besprechung im März gab, wäre es nicht in den Top 30 meines Jahres gelandet. Aber „Run“ hatte dann doch eine Handvoll Songs, zu denen ich wieder und wieder zurück kehrte, so dass ich es am Ende doch weiter nach oben setzte. Im Vergleich zum Debüt „Megalithic Symphony“ fand ich im März: „‚Run‘ ist kohärenter und artikulierter. Die Diskrepanzen innerhalb des Albums sind kleiner, kontrollierter und kanalisierter. Aber nicht neutralisiert. Was wichtig ist. Weil diese Brüche letztlich auch das sind, was AWOLNATION ausmacht.“

lydmor bon homme25. Lydmor & Bon Homme – „Seven Dreams Of Fire“

Ein der meiner Meinung nach besten Synthpop-Platten des Jahres.

„Letztlich ist das alles sehr stylisch und cool – und musikalisch hochwertig, nicht zu vergessen. In Sachen Synthsounds macht den Beiden so schnell niemand was vor“  schrieb ich im November über das dänische Duo. „Variantenreich und elegant in seinen Klängen, konsequent und stimmig in seinem Gesamtgefühl. Obendrein sind zwei Popknüller-Highlights des Jahres 2015 drauf.“

jason isbell24. Jason Isbell – „Something More Than Free“

Wenn man ein geradezu ideales Vorgänger-Album abgeliefert hat, kann man oft nur enttäuschen. Der Americana-Songwriter Jason Isbell hat mit seinem letzten Album „Southeastern“ ein Meisterwerk geschaffen, weswegen es ihm hoch anzurechnen ist, dass sein Nachfolger Schritt halten kann. Ich schrieb im Juli: „Hier wird nichts Neues vom Zaun gebrochen. Hier werden Songs von Könnern so gestaltet, wie es sich für eine Produktion in bester, unaufdringlicher und unaufgesetzter Americana-Tradition gehört. Und all das macht ‚Something More Than Free‘ vielleicht nicht zum gleichen Geniestreich wie ‚Southeastern‘, aber doch zum würdigen Nachfolger und unterstreicht Isbells Position als ganz, ganz großer Songwriter.“

alpine yuck23. Alpine – „Yuck“

Insgeheim habe ich mir sogar mehr erhofft vom zweiten Album von Alpine. Denn das 2012er-Debüt der sechsköpfigen Band aus Melbourne mit der weiblichen Doppelspitze gehört auch drei Jahre danach noch zu meinen Lieblingsalben. „Dies sind Lieder aus Rhythmik, Schichten und Spannungen. Hier sind Gesang, Gitarren, Keyboards, Beats und Basslines clever gegeneinander verschobene und ineinander verzahnte Bausteine. Zusammen finden sie mal in luftig-fragilen, mal klumpig geballten Strukturen“ schrieb ich im Juni. Warum ich das Debüt lieber mochte? „Die Indie-Gitarren sind extrem runter reduziert. In den Vordergrund treten dafür Synths, auch mal Bläser, und fettere Beats. Gitarren sind immer noch da, aber sie geben uns keine Indie-Sounds, sondern Easy-Listening-Swing („Foolish“) oder Flamenco-Feel.“ 

22. Lusts – „Illuminations“

Auch ein Album, zu dem ich keine Rezension schrieb, weil ich ein Interview mit Sänger Andy Stone vom Newcomer-Duo aus Leicester hier platzieren konnte. „Ihr Sound ist wunderbar verwaschener, fuzzy Indie Rock im Stile der 80er – da muss ich an Echo & The Bunnymen denken, an The Psychedelic Furs, an The Jesus & Mary Chain“ schrieb ich da, und Andy bestätigte: „New Wave Gitarrensounds, auf die stehen wir! Und auf diesen vorwärts gehenden Drive! Und das sind letztlich die Dinge, die uns dazu antreiben, Musik zu machen.“

Django_Django_Born_Under_Saturn_Album_Cover21. Django Django – „Born Under Saturn“

Bevor ich hier noch mal meine Rezi aus dem Mai zitiere, muss ich erst mal festhalten: Das Konzert der Schotten in der Muffathalle gehört zu meinen absoluten Live-Highlights des Jahres. Zum Album: „Dies ist Django Django 2.0! Etwas satter produziert, ein paar neue Variationen, aber letztlich genau das, wofür wir die Band kennen und mögen“ schrieb ich und fand, das sei genau der richtige Schritt für das Quartett. Denn: „Wir haben in den letzten Jahren so manche Band am zweiten Album scheitern sehen – vielleicht, weil sie sich zu sehr wiederholt haben, weil sie den Level nicht halten konnten, oder weil sie sich zu weit davon entfernten, was sie erfolgreich gemacht hat. All diese Hürden haben Django Django mit „Born Under Saturn“ gemeistert.“

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