Review: Astropol

The Spin We're InAstropol – The Spin We’re In

Astropol sind ein Trio aus Stockholm. Mitglied 1, Björn Yttling, ist nicht nur der Björn von Peter, Björn and John. Der gute Mann ist überhaupt sehr gut vernetzt in der schwedischen Musikwelt. Er spielte zwischenzeitlich zum Beispiel die Keyboards der Caesars und hat vor allem als Producer einen großen Namen. Moneybrother, Lykke Li, Anna Ternheim, die Caesars, die Shout Out Louds, alle hat Björn schon produziert. Sein Ruf ist längst international: Mit Primal Scream, Franz Ferdinand, Chrissie Hynde und zuletzt Coeur de Pirate hat er Alben erarbeitet.

Astropols zweites Mitglied ist ein gewisser „Smash“. Seinen Namen nennt er nicht. „Ich glaube, er und Björn waren vor Ewigkeiten mal in einer gemeinsamen Band“ sagt Mitglied 3 (zu ihr gleich). Smash hatte Songs geschrieben und Kontakt zu Björn aufgenommen, der Lust auf ein neues Projekt hatte. Schnell war den beiden klar: Sie wollten noch jemand mit an Bord holen, eine Sängerin.

Womit wir bei Mitglied 3 sind. Es ist Bebban Stenborg. Wir kennen sie als die Keyborderin der Shout Out Louds. Björn kannte sie schon von seinen Aufnahmen ihrer ersten beiden Alben. Er wusste daher auch, dass er sich mit Bebban kein Püppchen angelte, das nur sein hübsches Gesicht in die Kamera halten und ansonsten gehorchen würde. Bebban ist eine nachdenkliche, kluge Frau. Mit den Texten, die Smash ihr vorlegte, ging sie daher teilweise hart ins Gericht. So manche Zeilen fand sie sogar „banal“. Smash akzeptierte das, Bebban brachte sich in den Schreibeprozess mit ein. Vier Jahre nach dem ersten Treffen – da Bebban und Björn ja auch in anderen Bands aktiv sind, ging’s nicht schneller – liegt nun Astropols Debüt vor. Es ist eine ziemlich wundervolle Platte.

Beginnen wir mit Björns Produktion. Sein inzwischen typischer Stil ist… ich nenne es mal… spielerisch und warm, innig. Ich weiss nicht, ob er irgendwas besonderes macht, um die Mikrophone zu platzieren oder er sonst einen Trick auf Lager hat, jedenfalls klingt alles, was er macht, sehr innig, aber auch weich. Als stünde die Band direkt neben einem, nur durch eine Wolldecke getrennt. Trommelschläge klingen gerne mal, als haue jemand auf Pappe oder mit dem Klopfer gegen einen Teppich. Erkennbar ist dabei trotzdem, dass viele Musik aus dem Rechner kommt. Wenn selbst synthetische Sounds so organisch klingen, dann ist das eine ziemliche Leistung. Auf Lykke Lis Alben setzte Yttling diese Technik schon sehr effektiv ein, und Lykke Lis Alben sind vielleicht der nächstliegende Bezugspunkt zu Astropol. Song 4, „The Shelter Of My Love“, ist vielleicht der Hit, der auf Lykkes drittem Album gefehlt hat.

astropolZu den Songs. Nein, banal finde ich die Texte nicht, aber ich glaube, ich kann nachvollziehen, warum Bebban das manchmal so empfunden haben mag. Auch wenn die Shout Out Louds-Lady wohl viel entschärft hat, viele Zeilen haben eine charmante Simplizität. Oft haben sie eine Struktur wie Sixties-Songs. Man schreibt heute normalerweise solche Lieder nicht mehr. „I can find my way home, following my pigeon’s eye. I can tell the weather, looking to the sky“ beginnt eine Strophe, wie ein Abzählreim. Diese Einfachheit wird aber ausgehebelt: „But I couldn’t tell what you were thinking of – just before our love got lost“. 

Die verlorene Liebe, sie ist ein häufiges Thema auf „The Spin We’re In.“ Weil die Texte schlicht gehalten sind, bringen sie einfache Wahrheiten auf den Punkt. „You can make love leave, but you can’t make love stay“ singt Bebban, oder „You can love a lie, but you can’t lie to love.“ 

Wir haben also: Traurige Lieder über Liebeskummer und Verlust (den Text von „Always You And Me“ änderte Bebban ab, nachdem der Mann einer Freundin plötzlich starb – die in diesem Song geschworene ewige Liebe gilt jemandem, der nicht mehr da ist), verspielt instrumentiert und so aufgenommen, dass man glaubt, nah dran zu sein. Ich finde, dass das eine sehr schöne Kombi ist.

Die beste Beschreibung für diese Musik liefern Astropol selbst, mit einem Songtitel: „The Sound of A Heart That Breaks“.

Ranking Astropol

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