Review: The Ocean Party

Light WeightThe Ocean Party – „Light Weight“

Auf diese strubbeligen Australier stieß ich im Herbst 2012. Ziemlich zur gleichen Zeit, als mir Bands wie Twerps, Dick Diver, Lower Plenty oder Boomgates ins Auge fielen. Denn Melbourne hatte eine neue Szene: Dolewave. Auch genannt „The New Ordinary“. Was es vielleicht besser traf.

„Dolewave“, das war/ist nicht einfach nur Janglepop zwischen Pavement und den Go-Betweens. Was diese Bands auszeichnete, war das Lakonische, das komplett Ungestellte, Ungeschminkte. Alles an ihnen war so… alltäglich. Und das war ihre Waffe: Wenn du im Alltäglichen ganz beifällig die großen Wahrheiten droppst, dann trifft es umso härter. Ohne jegliche Theatralik und Verkünstelung ist es einfach nur WAHR.

Oh je. Keine Ahnung, ob ich mich verständlich mache. Hmm. Courtney Barnett, ebenfalls aus Melbourne, wird nicht zum Dolewave gezählt. Sollte sie aber, denn sie arbeitet genau so.

Eine Beispielzeile aus „Whispering Or Singing“ von den Boomgates: „The sign outside you parents’ house said ‚For Sale‘. Now it’s sold.“ Das KILLT mich. Ich meine: Mal eben so ne Zeile fallen lassen! Was da alles drin steckt! Was das alles andeutet – wenn die Eltern das Haus verkaufen! Es beschreibt mindestens den Verlust einer ewigen Sicherheit, die man hatte. Mussten die Eltern verkaufen, weil das Geld ausgegangen ist? Sind sie am Ende gar gestorben? Der Gedanken, dass das Haus meiner Eltern eines Tages leer stehen wird und ich nicht an Weihnachten dort ankern kann, ist einer, den ich so DERMASSEN verdränge wie keinen anderen! Und die lassen das mal eben nebenbei fallen!

the ocean partySo, jetzt habe ich zwar die Macht des Dolewave erklärt, das aber nicht anhand von The Ocean Party getan. Macht nichts. Was auf viel Dolewave zutrifft, trifft auch auf The Ocean Party zu.

Die fünf machen nach außen den Eindruck, als seien sie totale Slacker. Schlurfis, Trödler, verplant. Das kann aber nicht sein, denn „Light Weight“ ist – echt jetzt – schon ihr fünftes Album innerhalb von nur dreieinhalb Jahren. Ja, haben die etwa einen unbremsbaren Schnellschreiber in ihren Reihen? Nein, viel mehr ist es so, dass alle fünf Mitglieder (Lachlan Denton, Gitarre / Zac Denton, Drums / Liam Halliwell, Gitarre / Jordan Thompson, Keys / Curtis Wakeling, Gitarre) auf „Light Weight“ Songs geschrieben und gesungen haben. Klar, bei gleich fünf Songwritern schreiben sich Albem schneller.

Innerhalb dieser fünf Alben ist eine definitive Entwicklung bei der Band festzustellen, die sich von Platte zu Platte fortsetzt. Während ein früher Song wie „In A Knot“ noch vergleichsweise simpel gestrickt war, fällt heute auf, wie durchdacht die Melbourner ihre Lieder arrangieren. Wobei sie sehr ökonomisch bleiben – andere Bands mit drei Gitarristen würden vermutlich breitbeinig rauschende Walls Of Sound erzeugen, nicht aber The Ocean Party. Hier hat jedes Instrument seine kleine Rolle, tritt kurz auf und wieder ab, und steht nicht zwischendurch auf der Bühne den anderen im Weg. Und war die Band zu Beginn noch sehr Lo-Fi unterwegs, kommen die Lieder jetzt doch sehr klar definiert aus den Speakern.

Alles in allem ergibt macht aus „Light Weight“ eine sehr smarte, konzise Jangle-Pop-Platte. Zwölf verschmitzte, lässige, unaufgeregte Indiepop-Momente, mit hintergründigem Grinsen und nicht zur Schau getragener Tiefe, in 38 Minuten hingelegt.

Kritikpunkte? Naja, man könnte sagen, dass das, was der Band fehlt, ein richtiger Ohrwurm ist. Ein Song, den man auch unter der Dusche pfeift. Darum aber geht’s hier auch nicht. Hier sollen keine Hitparaden gestürmt werden, hier will eine Band nicht mehr als clever vor sich hin janglen. Mission accomplished, kann man dazu nur sagen.

Ranking ocean party

THE OCEAN PARTY: GREEDY from Rex Kane-Hart on Vimeo.

von früheren Alben:

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