Earth Is The Longlist Planet – Pt 1

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Es ist noch nicht Dezember, aber die Zeit der Jahresrückblicke beginnt bereits. Vor allem stehen die Ausblicke auf 2016 an. Die Newcomer-Liste, der weltweit die größte Aufmerksamkeit geschenkt wird, ist die BBC Longlist. Letztes Jahr habe ich mich erstens über ihre Kandidaten ausgelassen und zweitens meine eigene Top 15 Best Ditches Longlist aufgestellt. Beides will ich dieses Jahr wieder tun. Anfangen aber will ich diese kurze Artikelserie damit, dass ich mal abgleiche: Wie korrekt lag denn die BBC mit ihren Prognosen? Und wie daneben oder gar nicht mal so falsch lag ich?

Los geht’s mit Teil 1: Was wurde aus Namen wie George The Poet, James Bay, Kwabs und den anderen der insgesamt 15 Kandidaten der BBC?

Ach ja: Ich werde der BBC Punkte geben, je nachdem, wie hoch das Album des/der Kandidaten in einem wichtigen Markt einstieg.

Platz 1 = 10 Punkte
Platz 2-5 = 9 Punkte
Platz 6-10 = 8 Punkte
Platz 11-20 = 7 Punkte
Platz 21-40 = 6 Punkte
Platz 41-70 = 5 Punkte
Platz 71-100 = 4 Punkte
Debütalbum, aber keine Charts = 3 Punkte
Kein Debütalbum, aber gute Singlechartsplatzierung: 2 Punkte
Kein Album, mäßige Singlecharts: 1 Punkt
Kein Album, keine Singlecharts oder gar kein Release 0 Punkte

Die BBC vergab Plätze von 1-5 und letztendliche Gewinner dieser Liste waren Years & Years. Hier haben sie Recht behalten. Das Londoner Trio um Jungschauspieler Olly Alexander hatte ein UK-Nummer Eins-Album und mit „King“ auch einen richtigen Hit. Ihr Techpop ist nicht unbedingt mein Ding, aber es gibt sicher Schlimmeres und Bandmitglied Emre war in meinem Interview wirklich sympathisch. 10 Punkte.

Auf Rang 2 in ihrer Longlist setzte die BBC den Singer/Songwriter James Bay. Ich finde den Typen zwar so kackbanal und todlangweilig, dass ich schreien möchte – aber die BBC behielt auch hier Recht. Sein Debütalbum „Chaos And The Calm“ ist ein Welthit, die ersten Hallen seiner Deutschlandtour im März schon ausverkauft. Die Welt hat einen beschissenen Geschmack. Deshalb: 10 Punkte.

Rang 3: Stormzy. Ein Grime-Rapper. Kein Genre, in dem ich mich auskenne. Zum weltbekannten Namen ist Stormzy nicht geworden, er hat letztes Jahr nur zwei Singles veröffentlicht, eine davon aber ging in die UK-Top20. Diese Single, „WickedSkengMan 4“, darf von sich behaupten, der erste Freestyle in den UK-Top40 ever gewesen zu sein. 2 Punkte.

Stormzy – Shut Up from Ashley on Vimeo.

Rang 4 der BBC: Raury, mein persönlicher Favorit aus dieser Liste. Der Junge aus Georgia mixt Folk, Soul und HipHop so, dass man ihn bei itunes als „Alternative“ einordnet. Das ist wirklich smarte Musik. Raurys Album „All We Need“ erschien Mitte Oktober und stieg in den USA auf Platz 78 der Charts ein, in Australien auf der 46. Darauf kann man aufbauen. 5 Punkte.

Rang 5: George The Poet, ein Spoken Word Artist und Rapper. Auch dieser Kollege hat noch 2015 noch kein Album veröffentlich, an dem man die Korrektheit der BBC-Prognose festmachen könnte. Drei Singles erschienen, die jedoch offenbar die Charts verfehlten. 0 Punkt3.

Ab jetzt alphabetisch:

Kwabs: Moderner Pop aus London – die Single „Walk“ war vor einem Jahr in Deutschland sogar ne Nummer Eins. Es dauerte allerdings zu lange, bis das Album „Love & War“ endlich erschien – es kam erst diesen September. Der Schwung war verloren, sowohl in UK als auch in D reichte es nur für Platz 26 in den Charts. 6 Punkte.

Låpsley: Minimalistische Elektronika. Sowas HASSE ich ja inzwischen mit Inbrunst. Das Debüt der Langweilerin kommt erst 2016. Dieses Jahr gab’s als beste Chartposition Rang 170 für den Song „Hurt Me“. 1 Punkt (for now).

Novelist: The „new face of Grime“. Trotzdem kein Album und keiner seiner Songs in den Singlecharts. Klar, kann alles noch kommen. Aber vorerst: 0 Punkte.

Rae Morris: Todlangweilige Piano-Balladeuse. Platz 8 in den UK-Charts für ihr Album „Unguarded“ (Januar). Insgesamt keine großen Wellen, aber meinen Regeln nach: 8 Punkte.

Shamir: Ich weiss noch, dieser Typ war einer meiner drei Favoriten aus der Liste. Er macht gewitztes Elektronica-Songwriting. Sein Album „Ratchet“ scheint allerdings nur in Frankreich und Belgien in die Charts gegangen zu sein, und auch dort nicht mal in die Top 100. 3 Punkte.

Shura: Belangloser Pop. Bis jetzt kein Album, die Singles „2Shy“ und „White Light“ floppten. 0 Punkte, demnach.

Slaves: Die Band, die gerne gleichzeitig die Sleaford Mods und Royal Blood wären, die aber niemand mag. Außer den Leuten, die ihr Debütalbum im Mai auf Platz 8 der UK-Charts kauften. Es gibt inzwischen eine „Deluxe Version“ der Platte, was uns alles über die Punk Credentials der Band sagt. Anyway. 8 Punkte

SOAK: Eine Teenager-Irin mit Gitarre, supernachdenklich für ihr Alter, vor allem aber für ihr Alter stinklangweilig. „Before We Forget How To Dream“ war in den UK-Top 40. Das heisst 6 Punkte. Ich muss mein Punktesystem überdenken.

Sunset Sons: Die Alibi-Gitarrenband in der Liste. Aber wenn das ist, wie Gitarrenbands klingen, dann schneidet mir bitte die Ohren ab. Laaangweiliger Banal-Poprock, dem man nicht mal nen cheesy Guilty-Pleasure-Faktor unterstellen kann. Kein Album, gefloppte Singles. 0 Punkte, und das hochverdient.

Wolf Alice: Ah ja. Die Band, bei der ich glaubte, mich entschuldigen zu müssen. Ihr Album „My Love Is Cool“ ist nämlich in der Tat extrem gut, wahrscheinlich landet’s in meinen persönlichen Top Ten 2015. Im UK bis auf Platz 2 der Charts geklettert. 9 Punkte.

Tja. Gar keine so schlechte Quote, Herr BBC. Trotzdem war viel Mist in der Liste. Mistigkeit und Erfolg schließen sich aber ja auch bekanntlich nie aus.

Eine andere Frage: Wer war denn noch als Debütant 2015 so richtig erfolgreich, aber nicht in der BBC-Liste? Checken wir doch mal, wer auf der Insel oder den USA mit seinem ersten Album noch so Platz 1 der Album Charts erreichte. Da haben wir Popsternchen Meghan Trainor (UK & US), Popsternchen Jess Glynne (UK), Rap-Einauge Fetty Wap (US) und den sogar ziemlich guten Country-Traditionalisten Chris Stapleton (US). Alle von der BBC übersehen. Aber außer diesen gab’s nur zwei Debütanten auf der Nummer Eins, und diese hat die BBC auf Rang 1 und 2 gesetzt.  Ahnung haben sie also ganz offenbar.

Da wird es bei der Nachbetrachtung meiner eigenen Liste sehr viel erfolgloser zugehen. Aber egal, mein Maßstab war ein anderer.

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