Review: Lydmor & Bon Homme

lydmor bon hommeLydmor & Bon Homme – „Seven Dreams Of Fire“

Hierzu wollte ich noch was schreiben. Das dänische Duo Lydmor & Bon Homme hat in den letzten Wochen schließlich zwei der absoluten Superhits des Herbstes hingelegt: „Things We Do For Love“ sowie „Dream Of Fire“. Was für zwei Knaller! Elektronikpop, stylisch und cool, aber bei aller Zugänglichkeit originell, nicht offensichtlich, alles andere als platt. Da stellt sich natürlich die Frage: Können die das ein Album lang durchziehen? Wenn ja, käme dieses Album zweifellos in die Top Ten des Jahres.

Zuerst mal kurz Fakten: Wer sind Lydmor & Bon Homme? Beide sind keine Unbekannten, zumindest nicht in Dänemark. Die männliche Hälfte des Duos, Bon Homme also, das ist Tomas Høffding, bekannt als Bassist und Sänger von Whomadewho. Alles andere als ein unbeschriebenes Blatt also, zumal: Zwei Soloalben als Bon Homme hat er bereits veröffentlicht. Es  sind zwei Alben, die klar machen, was er zu Whomadewho beiträgt: Erstens einen gewissen smarten Zynismus, zweitens einen warm-wummernden, unaufgeregten, aber kribbelnden Sound, drittens einen schicken Style nicht ohne Augenzwinkern.

Lydmor wiederum war bis jetzt in Dänemark als Solokünstlerin aktiv, ebenfalls elektronisch, aber sie ging mehr so in Richtung coole Zicke. Ich habe sie mal, als ich sie das erste Mal live gesehen habe, mit Gundel Gaukeley verglichen – das mache ich hiermit noch mal, weil er mir gefällt, der Vergleich. Gundel Gaukeley ist lässig. Schwarzer Pony, schwarze Klamotten – eine Femme Fatale, die auch noch hext! Lydmor ist also: Synthies, Siouxsie, sexy.

Die zwei kommen also nicht von zwei vollkommen verschiedenen Welten zu diesem gemeinsamen Projekt, beide sind bereits Elektroniker. Aber beide strahlen Verschiedenes aus, was die Persönlichkeit angeht. Das ist, was hier die Chemie erzeugt. Bon Homme der sophisticated Dandy, Lydmor die latent Labile. Wie gut sich das ergänzt, haben wir auf den beiden oben genannten (und unten platzierten) Singles gehört.

Leider wäre es gelogen, zu behaupten, dass das komplette Album mit den Singles mithalten kann. Der Grund ist nicht, dass die anderen Songs nicht genauso sorgfältig produziert worden wären. Trotzdem kommen die anderen Songs einfach nicht so in die Gänge wie die zwei Singles.

lydmor bon homme 1Dabei ist es nicht mal so, dass Balladen eine Schwäche der beiden wären. „Flash“ zum Beispiel jagt einem fast Schauer über den Rücken mit seinem eiskalten, trostfreien Refrain „Your love Is not enough“. So klingt es, wenn zwei Menschen klar wird, dass sie sich trennen werden. Das ist ganz starke Popmusik bei 103 bpm. Auch „Vanity“ gefällt mir, das spielt mit verzerrten Stimmen als Hookline, ein interessanter Effekt. „Rain“ aber steht da wie ein Bach in einer sumpfigen Wiese, der nicht abfließt.

Lieber mag ich die zwei einfach, wenn sie das Tempo anziehen. Zur knorrigen Bassline von „Trampoline“ möchte man durch die Küche tanzen, „Missed Out On Disco“ bewegt sich gewitzt in Phoenix-Gefilde in dem Sinne, dass die zwei ganz knapp auf dem Grat wandern, der cheesy von cool trennt.

Keine Frage, letztlich ist das alles sehr stylisch und cool – und musikalisch hochwertig, nicht zu vergessen. In Sachen Synthsounds macht den Beiden so schnell niemand was vor. Aber es ist trotzdem so: Mit ihren zwei perfekten Vorab-Singles haben die beiden Kopenhagener die Latte so hoch gelegt, dass sie Maßstab verzerrt haben. Von Song zu Song hofft man einfach, die nächste Nummer könnte noch mal so brillant sein – und ist enttäuscht, wenn der Song nur „echt gut“ ist. Aber kann man den beiden ernsthaft zum Vorwurf machen „Ihr habt zwei viel zu gute Singles rausgebracht und jetzt sind wir verwöhnt?!“

Also dann. Was ziehe ich jetzt für ein Fazit? Ich sage: „Seven Dreams Of Fire“ ist ein wirklich gutes Album. Variantenreich und elegant in seinen Klängen, konsequent und stimmig in seinem Gesamtgefühl. Obendrein sind zwei Popknüller-Highlights des Jahres 2015 drauf sind, die turmhoch heraus ragen – was dazu einlädt, vom Rest des Albums erst mal enttäuscht zu sein. Fairer aber ist, den anderen Songs ihre Zeit zu geben, dann entfalten die schon auch noch ihre Stärken.

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