Review: Kate Boy

Kate-Boy-ONE-2015-1400x1400Kate Boy – „One“

… und noch jemand, der sich Zeit gelassen hat für sein Debütalbum. Ziemlich genau drei Jahre ist es schließlich her, dass das schwedisch/australische Trio Kate Boy mit seiner Single „Northern Lights“ durch die Blogosphäre schoss – und das war kein Wunder. Denn wenn jemand scheinbar aus dem Nichts gleich mit einer so perfekt durchgeformten Debütsingle in der Szene aufschlägt, dann scheint das Potential unendlich.

Nicht, dass der Sound von „Northern Lights“ revolutionär gewesen wäre. Gar nicht – damals erschein sogar quasi wöchentlich eine neue Skandi-Band mit Frauenstimme und kühl schneidenden Synthies, und sie alle schienen die gleiche Idee zu haben – und zwar: „Mein Lieblingslied ist ‚Heartbeat‘ von The Knife – aber im Großen und Ganzen sind die zu arty. Das kann man doch sicher etwas massentauglicher in Richtung Synthiepop kitzeln!“

Von all den Bands, die so arbeiteten (zum Beispiel Dänemarks Alleykat, Islands Bloodgroup und Schwedens Niki & The Dove) kriegten Kate Boy es auf Anhieb am knackigsten hin. Im Nachhinein zeigte sich, dass das kein Wunder war. Kate Ackhurst war eine etablierte Songwriterin, die in LA schon Lieder für Popstars geschrieben hatte, die Schweden an ihrer Seite arbeiteten schon länger als professionelles Producer-Team namens Rocket Boy.

Was nicht heissen soll, dass Kate Boy ein kalkuliertes Industrieprodukt sind – offenbar ist es tatsächlich so, dass die zwei Schweden und die Australierin sich gefunden haben und an das Projekt mit mehr Hingabe und Identifikation heran gehen als an all ihre vorherigen Projekte. Es heisst, sie hätten sich auf Anhieb so prächtig verstanden, dass sie noch nach dem ersten Essen gemeinsam ins Studio gingen und „Northern Lights“ gleich das Ergebnis dieser Nacht war.

kate boy kleinSeitdem kamen Kate Boy alle paar Monate sporadisch mit einem neuen Song um die Ecke und gaben sich dabei alle Mühe, für mehr als nur Musik zu stehen. Dass alle immer Mitglieder die gleichen Klamotten tragen, soll zum Beispiel ein Statement über Genderrollen sein. Am Anfang zeigten sie nicht mal ihre Gesichter, aus dem gleichen Grund. Die Texte ihrer Lieder behandeln immer „Dinge, die uns gerade sehr beschäftigen“ – der Song „Temporary Gold“ beispielsweise (er ist allerdings nicht auf dem Album) thematisiert die Umweltverschmutzung im Great Barrier Reef.

All diese Singles, die Kate Boy seit ihrem rasanten Beginn folgen ließen, waren sehr ordentlich. Sie waren sich allerdings auch sehr ähnlich. Jede neue Nummer war kantiger, schnittiger, auf die Tanzfläche ziehender Synthpop, der sich zwischen The Knife und CHVRCHES bewegte. Was immer okay war, aber von Song zu Song halt immer weniger überraschend. Und nun, da „One“ endlich da ist, sind sechs der elf Tracks bereits bekannt, zum Teil seit über zwei Jahren. Die fünf neuen Songs wiederum schlagen in keine Kerbe, in die die bekannten Kate Boy-Tracks nicht schon geschlagen hätten. Und was 2012 superhip war, hat 2015 nicht unbedingt mehr seinen Finger auf dem Puls der Zeit.

So haben wir vor uns den kuriosen Fall eines Albums, das aus lauter wirklich guten Songs besteht, aber in seiner Gesamtheit weniger ist als die Summe seiner Einzelteile. Weil die Band sich halt leider wiederholt. Vielleicht sind wir ein bisschen mitschuldig, wenn wir jetzt etwas enttäuscht sind, haben wir uns doch alle zu viel ausgemalt von Kate Boy, nachdem ihr Debüt „Northern Lights“ gleich so ein Highlight war. Vielleicht haben Kate Boy es sich aber auch ein bisschen zu leicht gemacht. Sie scheinen ihr Album einfach nur als Songsammlung ihrer bisherigen Tracks begriffen zu haben – aber gute Alben haben nun mal Spannungsbögen und Variation.

Wäre ich ein Producer oder Plattenfirmen-Heini, ich hätte dem Trio folgendes geraten: „Jungs/Mädels, ihr seid gut. Aber ihr braucht mehr Abwechslung. Stellt euch ein paar Aufgaben! Schreibt zwei Songs mit 150 bpm, die Tempo aufs Album bringen! Schreibt zwei Schleicher, einen schönen und einen gruseligen!“ Solche Vorschläge hätte ich Kate Boy gemacht – und sie hätten mich sicher als blöden Besserwisser beschimpft. Aber ihr Album wäre interessanter geworden.

ranking Kate Boy

KATE BOY – NORTHERN LIGHTS from KATE BOY on Vimeo.

Kate Boy – The Way We Are from Milk on Vimeo.

Kate Boy ‚Higher‘ from Ben Strebel on Vimeo.

Kate Boy – Midnight Sun from Emil Klang on Vimeo.

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