Review: City Calm Down

In A Restless HouseCity Calm Down – „In A Restless House“

Na, die haben uns aber lange auf die Folter gespannt.

Fast auf den Tag genau drei Jahre ist es her, als aus Melbourne das Quartett City Calm Down mit einer fast perfekten 6-Track EP namens „Movements“ auftauchte. Es war eine EP, die für Newcomer schon erstaunlich ausgereift war, denn hier war sowohl Persönlichkeit, Abwechslung als auch Tiefe drin. Es gab ein atmosphärisches Instrumental genauso wie einen Cut Copy-esk tanzbaren Track („Sense Of Self“), vor allem aber Melancho-Indierock für Leute, die die frühen Editors gut finden. Es stellte sich dann heraus, dass City Calm Down streng genommen keine totalen Newcomer mehr, sondern daheim in Melbourne schon seit drei, vier Jahren aktiv waren. Was immerhin erklärte, warum diese ersten Songs schon so weit waren.

Seitdem aber haben uns City Calm Down auf ihr erstes Album warten lassen. Was es gab, waren vereinzelte Singles („Speak To No End“, 2013 sowie „Pavement“, 2014), die jeweils eine Facette zum bisherigen Sound der Band hinzufügten und die Ungeduld auf ein Album steigerten.

Dieses Jahr aber wurde es endlich angekündigt, das Album – und voraus geschickt wurden drei Songs, die meine Vorfreude leider ein kleines bisschen dämpften. „Rabbit Run“, „Son“ und „Wandering“ schlugen alle eine ähnliche Richtung ein – von ihrer Rhythmik her und von der Art, wie Sänger Jack Bourke sang, drohte mir das alles zu sehr in Richtung The National zu gehen.

Nichts dabei gegen The National – das ist ne gute Band und Matt Berninger ist ne echte Type. Aber genau deswegen braucht man doch keine jungen Australier, die ihn nachahmen wollen und sich als mürrische Nebelband präsentieren. Erst recht, wenn sie vorher auf dem Weg zu sein schienen, sich als markige Indierocker zu etablieren. Nun waren alle drei Vorab-Tracks für sich absolut in Ordnung, aber sie ähnelten sich sehr und man weiss auch, dass Singles, die man vorausschickt, normalerweise die poppigsten Tracks eines Albums sind. Also liess es befürchten, dass uns City Calm Down drei Jahre lang den Mund auf ein Album wässrig machten, nur um sich in der Zwischenzeit all-arty-on-our-ass zu entwickeln.

City Calm DownSoweit also meine Vorahnung. Das dämmrige „Intro“, das die Platte einläutet, schien sie zu bestätigen. Schummrige Gitarren und ein Sänger, der sich auch ein Loch graben und dort hineinstellen würde, nur damit seine Stimme tiefer klingt. Hmm.

Aber um’s kurz zu machen – City Calm Down haben uns in die Irre geführt. Sie haben den Pop nicht verlernt. Schon der zweite Titel „Border On Control“ nimmt mit einem straighten Krautrock-Beat flotte Fahrt auf – das klingt in etwa, als führen Interpol auf Kraftwerks Autobahn und ist so richtig prima. Die richtige Zuckerbombe dem Album aber ist „Your Fix“ – ein Monsterpop-Song mit Drive und sattem Keyboard-Riff, der auf dem Killers-Debüt „Hot Fuzz“ (also als sie noch gut waren) ein Highlight gewesen wäre.

Prima Nebeneffekt: Nun, da sie peppige Gegengewichte zur Seite gestellt bekommen haben, wirken die drei Vorab-Düsterpop-Singles gleich weniger getragen. Jetzt ist’s ein runder Album-Zusammenhang.

Es geht sehr gut weiter. „Nowhere To Start“ geht zwar vom Gas, mit seinem groovigen quasi-HipHop-Beat und Gastsängerin (ich habe leider keine Info, wer das ist) bringt er eine spannende neue Facette ins Spiel. „If There’s A Light On“ ist dann wieder ein klassischer Indie-Gitarrensong. Dass er mich daran erinnert, dass ja auch die 80s-Alternative-Klassiker The Church Australier waren, hat wahrscheinlich seine Gründe. „Falling“ nimmt uns zurück auf die Autobahn, aber diesmal auf die Überholspur bei 250 km/h. „Until I Get By“ ist die Art kernige Düsterpop-Nummer, die die Editors leider nicht mehr schreiben und „In A Restless House“ schließlich ist ein elektrisierender Slowburner, dem die Ehre des Titelsongs zu Recht angetragen wurde.

Wow. Nach elf Songs darf man sagen: Starke Platte. Ohne mich wiederholen zu wollen (ich tue es aber) – City Calm Down beackern hier ein Feld zwischen The National, The Killers und The Church. Okay, manchmal tauchen sie ihren Pinsel vielleicht zu tief ins Teerschwarz, so dass sie sich auf der Gratwanderung zwischen Schwermut und Pathos auch ab und zu auf der falschen Seite wiederfinden können – ihnen dafür aber auf ihrem Debütalbum gleich Strafpunkte abzuziehen, wäre Erbsenzählerei. So muss „In A Restless House“ dieses Jahr als Soundtrack für den Herbst erst mal getoppt werden.

City Calm Down Ranking

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