Review: Blossoms

Charlemagne - EPBlossoms – „Charlemagne EP“

Letzte Woche habe ich hier ziemlich begeistert über die EP von The Vryll Society geschrieben. Wie es sich so trifft: The Vryll Society gehen in den kommenden Wochen auf UK-Tour, und zwar im Vorprogramm der Blossoms. Das scheint eine perfekte Paarung zu sein. Denn auch die Blossoms aus Stockport bei Manchester haben in den letzten Monaten mit zwei Singles („Blow“ bzw. „Cut Me And I’ll Bleed“) und einer EP („Blown Rose“) gezeigt, dass sie großes Gitarren-Psychedelic-Pop-Potential haben.

Eine Woche nach The Vryll Society legen Blossoms nun ihrerseits eine neue EP vor. Eine EP, die durchaus überrascht.  Denn das Quintett klang bisher so, als würde es in den Fußstapfen der Temples und The Coral folgen (sie veröffentlichen ihre Singles auch auf „Skeleton Key“, dem Label von The Corals James Skelly) und sehr auf ein Update der Sixties setzen. Diesen Aspekt, der die Band bisher auszeichnete, hört man hier jedoch weniger.

Der herausragende Track der neuen EP ist natürlich der Titelsong „Charlemagne“ – und das ist eine Britpop-Nummer. Britpop in so reiner Form, dass man sich schon kneifen muss, wenn man den Song hört. Dies ist ein Titel, der an Kula Shaker erinnert und an Starsailor! Echt jetzt! Und das, wo doch Britpop so lange ein verpöntes Wort war auf der Insel! Das Keyboard-Intro, das später als Melodie des Refrains aufgegriffen wird – es ist nicht einfach nur ein Ohrwurm. Es ist ein Ohrwurm von der Power dieser Sandwürmer aus dem „Wüstenplaneten“. Und der Text: So beknackt, dass es schon wieder geil ist! „And the river always flows, so if you go, I will know, my Charlemagne“???  „Charlemagne“ ist Karl der Große. Was hat DER mit dem Ganzen zu tun??

Es gehört ein gewisser Wagemut dazu, etwas so Plakatives zu machen. Ich bin mir auch nicht ganz sicher, ob der Song mir persönlich nicht zu übertrieben poppig ist. Aber was ich mag, ist dass diese Band sich so weit aus dem Fenster lehnt und auch mal was Kula Shaker-mäßig Albernes macht – weil britische Bands das nicht mehr oft tun.

Blossoms BandDie weiteren Tracks der EP stehen natürlich im Schatten von „Charlemagne“, sind aber in Ordnung. Auch „Across The Moor“ wird von einem Keyboard-Riff dominiert (was natürlich in echten Britpop-Zeiten nicht passiert wäre, weil damals nur Gitarren zählten), doch während „Charlemagne“ noch wuchtig rollte, stakst „Across The Moor“ auf Storchenbeinen. Wahrscheinlich möchte der Song gerne grooviger sein, als er ist – die (ähem) „funky“ Bassline und der trockene Beat deuten darauf hin. Aber auch wenn der Song am Ziel vorbei geht, hat er was.

„Polka Dot Bones“ wiederum geht wieder in die „Charlemagne“-Richtung, bis zum Refrain. Dann sägt eine Powergitarre rein und die Beats bremsen ab, als hätte man ihnen Skischuhe angezogen und der Song wird zu einem Cousin von ‚Do I Wanna Know‘ von den Arctic Monkeys.

Letztes Lied: „For Evelyn“, eine sehr gelungene Klavierballade, die zeigt, dass die Blossoms auch das können. Stimmlich erinnert mich Sänger Tom Ogden hier an Brett Anderson von Suede. Gegen Ende setzen Streicher ein, ohne gleich bombastisch zu werden, das ist schon wirklich gut.

Was ich bemerkenswert finde: Im Juli erst haben Blossoms mit „Blown Rose“ eine 4-Track EP veröffentlicht. Auch hier waren alle vier Tracks richtig gut, aber alle vier waren deutlich mehr in den 60s gefangen. „Charlemagne“ dagegen klingt nach 90s. Blossoms sind offenbar noch in einer Phase, in der sie zu sich finden, und es ist durchaus spannend, diese Entwicklung zu beobachten.

Das Beste ist, dass wie bei The Vryll Society gilt: Ich glaube, wir dürfen uns 2016 auf ein wirklich spannendes Debütalbum freuen.

Blossoms Ranking

Blossoms – Charlemagne from charlie watts on Vimeo.

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