Interview: Corb Lund

 

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Hierauf habe ich mich gefreut: Corb Lund! Kanadas Nummer Eins in Sachen Alternative Country! Der Mann schreibt urige Songs mit gewitzten Texten und hat sich in seiner Heimat innerhalb von zwei Jahrzehnten von ganz unten nach ganz oben gespielt – da weiß man schon vorher, das Gespräch KANN nur gut werden.  So war’s dann auch!

Lunds aktuelles Album „Things That Can’t Be Undone“ – sein achtes – steht ab morgen auch in Deutschland in den Läden.  Das ist natürlich der Hauptgrund unseres Gesprächs, aber wir reden auch über Pop Country vs Alternative Country, Gentrifikation in Berlin und Fracking in Alberta.

Hello?

Hallo, hier ist Henning aus München. Spreche ich mit Corb?

Das tust du, ja.

Prima, das hat ja auf Anhieb geklappt!

Wie geht’s?

corb-lund-things-cant-be-undone-8221Sauber! Und dir?

Gut, gut. Bei Euch ist Abend?

Stimmt, ja. Halb acht. Bei dir ist es Morgen, korrekt? Wo bist du denn im Moment?

Ich bin in den Rocky Mountains. Hier ist es halb zwölf am Vormittag.

Die Rockies? Wow.

Ja, hier lebe ich.

Ich habe mich gefreut auf dieses Gespräch. Ich kann zwar nicht behaupten, schon ewig dein Fan gewesen zu sein. Aber in letzter Zeit habe ich mich sehr für Country begeistert. Meine Einstiegsdroge war Sturgill Simpson, und jetzt versuche ich, alles aufzuholen. 

Haha. Na, das ist doch schon mal ein guter Ausgangspunkt.

Du hast mit Sturgills Producer Dave Cobb auf deiner neuen Platte gearbeitet. Als ich das las, dachte ich mir: Das ist eine Traumkombi! War es so?

Haha, ja, es war wirklich super, mit Dave zu arbeiten. Das ist jetzt die achte Platte meiner Band, und ich wollte mal wieder was Neues machen. Ich suchte neue Sounds, und Dave ist ein echter Macher. Er hat sich stark um die Arrangements gekümmert – das ist etwas, was ich sonst selbst immer sehr kontrolliert habe. Aber es war mir recht, mir da mal helfen zu lassen. Er war exzellent.

Ach, du suchtest einen neuen Sound? Nach „Cabin Fever“ und „Counterfeit Blues“ habe ich ja eine rockigere Platte erwartet. 

Yeah.

Von dort wolltest du weg kommen?

Ach, ich möchte mich halt immer ein bisschen verändern. Das ist wichtig, um fresh zu bleiben. Mir wird sonst schnell langweilig.

Mir ist aufgefallen: Dein Drummer benutzt auf dieser Platte meistens die Pinsel. Und das gibt quasi die Richtung vor für ein leichtfüßigeres Album.

Stimmt. Er benutzt schon auch immer mal wieder die Sticks, aber dann schlägt er halt nur sehr leicht auf die Felle. Dave nimmt das dann dementsprechend auf. Er hat gerade darauf sehr stark geachtet, und sehr interessante Sounds sind dabei entstanden.

Country ist ja zur Zeit zwiegespalten. Es gibt den glattgeschliffenen Kommerz-Radio-Country auf der einen Seite, und eine traditionalistische, ursprüngliche Gegenbewegung auf der anderen. Ist das eine Sache, die euch auch in Kanada betrifft? Oder ist das eine Nashville-Geschichte, die euch weniger interessiert?

Nein, her ist das sehr ähnlich. Auch wir haben den Corporate Pop Country, und auch hier gibt es das, was ich „Subversive Country“ nenne. Auch wir haben eine Underground Country Szene, die das Ganze von der künstlerischen Seite angeht.

Ja, das, was man „Alternative Country“ nennt, liebe ich schon lange. Aber Sturgill Simpson war es dann, der mir zeigte, dass ich auch die Schwelle zum properen Country übertreten kann.

CorbLund 2Weißt, du, was ich denke, worum es geht? Es geht um die Absichten des Künstlers. Ich seh’s so: Der meiste Kommerz-Country wird dafür produziert, um Geld zu machen. Das andere Zeug, ob es jetzt traditioneller Country ist, Alternative Country, Roots Music oder Americana, da geht es um die Kunst. In diesem Sound geht es um Künstler, die ihre eigene Musik schreiben und sich ausdrücken wollen. Klar ist es auch ein Ziel, Platten zu verkaufen, keine Frage. Aber das Hauptziel von uns ist es, dass wir uns über unsere Musik ausdrücken, während das Hauptziel der anderen ist, Geld zu machen, und auf welche Weise, ist ihnen ziemlich egal.

Wie man unseren Sound wiederum nennen will, tut dabei nichts zur Sache – ich bin lange genug dabei, dass man meinem Sound sechs oder sieben Namen gegeben hat. Ich unterscheide dazwischen, ob der Interpret sich künstlerisch ausdrücken will, oder ob er sich verbiegen würde, um Platten zu verkaufen.

Es fällt jedenfalls auf, dass „Alternative Country“, wenn man’s mal so nennen will, auch einer Alternative-Szene gefällt. Seit ich deine Musik kennengelernt habe, habe ich Songs von dir in einem Alternative-Club gespielt, und die Reaktionen sind immer extrem gut. Wer zum Beispiel Kings Of Leon mag, dem gefällt auch deine Musik.

Ist das so? Ich glaube, man unterschätzt immer, dass viele Leute eigentlich recht breite Geschmäcker haben. Das Musikbusiness schafft gerne Schubladen. Aber alle Leute, die ich kenne und die Musikfans sind, sind nicht auf einen Sound festgefahren, sie wissen verschiedene Styles zu schätzen und es geht mehr um die Integrität des Künstlers.

So sehe ich’s auch. Wobei ich gestehen muss, dass es Sounds gibt, die mich einfach kalt lassen. Ich werde in meinem Leben kein Fan von HipHop mehr oder von House Music. Ich wäre da gerne offener, als ich bin. Aber wenn ich ehrlich bin, muss ich einfach sagen: Ein guter Song packt mich immer ganz anders, nimmt mich ganz anders mit, als es ein Dance-Instrumental könnte.

Da geht es mir ganz ähnlich. Ich kann auch mit Reggae nichts anfangen. Trotzdem, viele Leute mögen mehr als nur einen Style.

Ist ja auch nicht so, dass ich gar keine Elektronik mag. Ich stehe auf Synthies, wenn sie einen Song untermalen, an dem ich mich festhalten kann. Was uns wieder zu dir zurück führt – denn du hast eine Menge solcher Songs, an denen man sich festhalten kann. 

Ich mag es, dass du sehr witzige Songs singen kannst – „Cows Around“ oder „The Truck Got Stuck“ zum Beispiel. Aber du kannst auch bitterernst sein – oder beides kombinieren zu Ironie und Sarkasmus.

Yeah. Naja, ich schätze mal, mein Songwriting ist Ausdruck meiner Persönlichkeit, und der Stimmung, in der ich gerade bin. Was ich wichtig finde: Ich bin immer noch ein Album Guy. Ich finde, 40 Minuten Musik sind ein sehr gutes Format. Das mag altmodisch sein, aber ich bin halt so drauf. Und im Verlauf von 40 Minuten wäre es sehr langweilig, wenn es nur eine einzige Stimmung gäbe. Es sollte ein Auf und Ab sein, finde ich.

Mit dem Irak-Kriegs-Song „Sadr City“ hast du zum Beispiel eine Nummer auf der neuen Platte, die ein echt heavy Thema hat. Ist das eine originale Story, die dir jemand erzählt hat, oder ist es mehr ein Amalgam aus mehreren Geschichten? 

Nein, die Story stammt ziemlich 1:1 von einem Army Captain, den ich auf Tour kennengelernt habe.

Wie reagieren die Zuhörer, wenn du so ein Lied singst? Das Stereotyp wäre ja, dass Country-Fans rechte Rednecks sind, vor denen man die Richtigkeit der Einsätze im Irak nicht anzweifeln sollte. Dein Publikum wiederum ist ja sicher anders drauf.

Naja, dazu gibt es mehr zu sagen. Zum einen gibt es ja immer schon eine politische Folk-Tradition, mit Bob Dylan oder Woodie Guthrie, die schon Anti-Kriegs-Lieder geschrieben haben. Die andere Sache ist: Ich versuche, meine Message nicht mit dem Holzhammer rüber zu bringen. Ich versuche nur einfach, eine ehrliche Story zu erzählen. Eine Menge Leute, ganz egal, was ihre politischen Einstellungen sind, kann sich identifizieren mit der Geschichte aus der Sicht dieser einzelnen Person, sie kann die Probleme und Ungerechtigkeiten in dieser persönlichen Story nachvollziehen. Ich erzähle einfach eine Story, und ich überlasse es dem Hörer, daraus seine Schlüsse zu ziehen. Direkt politisch bin ich nicht.

Ein anderes Lied, das mir als Deutschem natürlich auffiel, ist „Alt Berliner Blues“. Du hattest vorher schon einen Song namens „Mein deutsches Motorrad“. Woher kommt’s, dass Deutsches in deinem Country eine Rolle spielt?

Die halbe Platte habe ich in Berlin geschrieben, ich war letzten Frühling drei Monate in Berlin. Das war eine prima Zeit – ich war vorher schon für Konzerte in Berlin, aber nie länger. Eine Freundin von mir lebt dort seit zehn Jahren. Sie ging immer in diese Kneipe namens Alt Berlin, die war echt cool, es gab sie seit den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts. Aber als ich die Stadt verließ, wurde die Kneipe eingerissen für neue Mietshäuser. Das fand ich traurig. Dieser Ort hat den ersten und den zweiten Weltkrieg und den kalten Krieg überstanden! Jetzt werden Mietwohnungen draus.

CorbLund 4Interessant aber, dass du ein kanadisches Country-Album inmitten von Berlin geschrieben hast. Ist es leicht oder schwer, in so einer Umgebung in eine Country-Stimmung zu kommen? Kannst du deinen Country-Modus per Knopfdruck einschalten?

Na, dieser Modus ist ja eigentlich nie abgeschaltet. So bin ich ja aufgewachsen, als Country-Boy. An einem anderen Ort zu sein, das kann einen Einfluss haben, aber meine fundamentalen musikalischen Instinkte werden sich nicht zu sehr verändern. Zum Schreiben gehe ich gerne in andere Städte, wo ich weniger Leute kenne. Das ist weniger ablenkend. Das habe ich auch schon in New York, Las Vegas und Austin getan.

Gibt es außer dem „Alt Berliner Blues“ noch weitere Dinge, die sich auf deinen Aufenthalt in Deutschland beziehen?

Ich glaube, das war’s auch schon, was direkte Referenzen angeht. Unterbewusst mag es noch mehr Dinge geben, die mir jetzt nicht auffallen.

Wenn du in einem Ort wie Berlin bist, gibt es dir auch Abstand und eine neue Perspektive auf Kanada?

Ja, klar. Ich bin ein großer Fan von Geschichte, ich lese viel. Historie gibt es in Amerika ja nicht so viel – vor allem im Westen, wo ich lebe. Da haben sich die Siedler ja erst vor kaum mehr als einem Jahrhundert nieder gelassen. Wenn ich in Europa bin, haut mich deshalb die „Zeittiefe“ immer um. Hier gibt es Historie, die bis auf die Römer zurückgeht und weiter! Ganz anders als in Kanada. Es ist auch immer gut, die Lifestyles anderer Leute mal mitzukriegen. Manchmal, wenn ich länger in anderen Städten bin, kriege ich auch ein bisschen Heimweh. Dann denke ich mehr an Kanada, als wenn ich dort wäre.

Ja, von dem berühmten „Albertan Pride“ habe ich gehört.

Ja, haha.

Was kannst du uns denn erzählen über Alberta? Sollten wir da mal als Touristen hin fahren, wenn die Möglichkeit besteht?

Alberta ist einfach nur beeindruckend. Alberta, das ist so quasi meine Religion. Es ist schon interessant, denn der Osten von Alberta ist sehr flach, praktisch nur Prärie. Im Westen sind dann die Rockies, es ist also sehr gebirgig. Calgary liegt mitten in den Rockies, zum Beispiel. Wenn man aus den Ebenen des Osten kommt, gibt es so ca eine Autostunde einen hügeligen Übergang, und dann – Boom! – bist du mitten in den Rocky Mountains. Die sind einfach nur beeindruckend. Hier gibt es auch viele wildlebende Tiere. Mehr als in Europa, würde ich denken.

Bestimmt. Wir haben hier zwar Umweltschutzprogramme, aber der Kontinent ist natürlich extrem dicht besiedelt.

Ja, das stimmt wohl.

Aber Stichwort Umweltschutz: Alberta ist wie kein anderer Bundesstaat von Fracking betroffen. Man kann die Areale, die gefrackt wurden, aus dem Weltall sehen. Als jemand aus Alberta, bist du strikt dagegen? Oder hast du ein gewisses Verständnis dafür, weil die Leute eben Arbeitsplätze suchen?

Naja – das ist schon kompliziert, oder? Also, meine Familie ist hier seit 1898. Ich bin immer mit ganzem Herzen für das, was langfristig gut für die Provinz Alberta ist. Aber ich glaube, langfristig wird das Fracking sich nicht als gut für Alberta erweisen, aus mehreren Gründen. Erstens natürlich wegen der ökologischen Folgen. Zweitens – weil wir hier das Glück haben, auf Ölsand zu sitzen, haben wir nicht genug dafür getan, andere Technologien zu fördern. Aber wenn das Öl mal aufgebraucht ist oder sich die Welt andere Technologien zu Nutze macht, haben wir hier nicht mehr viel. Deswegen denke ich, man sollte das Geld aus dem Fracking wenigstens unbedingt in die Entwicklung neuer Energietechnologien stecken. Deutschland ist da doch weit vorne, richtig?

Offenbar, ja. Aber es ist natürlich nie genug. Kohlekraftwerke gibt es schon auch noch. 

Deswegen ist ja auch meine Antwort komplex – das eben war der erste Teil meiner Antwort. Teil zwei ist: Ich bin nicht überzeugt, dass die angemessene Alternative schon entwickelt wurde. Wenn man morgen alles Erdöl abstellen könnte, wäre ich sofort dafür. Aber wir sind noch nicht so weit. Ich meine, hoffentlich kommt die Menschheit bald an diesen Punkt. Aber bis dahin arbeitet jeder an Computern, die aus Plastik gemacht sind, und jeder benutzt Fahrzeuge und Flugzeuge, die Erdöl-Produkten verbrennen, und unser Essen kommt von Feldern, die von Diesel-Traktoren bestellt werden und mit Diesel-Lastwagen zum Markt gebracht werden. Die ganze Welt ist ein Mittäter. Es ist leicht, zu sagen: Erdöl-Firmen sind böse. Aber wir, die Leute, verwenden ja ihre Produkte, also sind wir alle mit Schuld, oder? Bis wir eine echte Alternative haben, kommen wir nicht raus.

CorbLund 1Klar, Da hast du Recht.

Was einem echt Angst macht, ist die Vorstellung, dass China und Indien als Schwellenländer an den Punkt kommen, wo sich die normalen Menschen Autos leisten können – und wenn das eintritt, wird alles nur noch schlimmer. Elon Musk muss uns retten. Er ist heutzutage mein Held.

Ich denke ähnlich, kenne Elon Musk aber auch nicht gut genug. Ich meine, super, dass er Elektro-Autos baut, Aber auch dser Strom muss erst mal irgendwo her kommen, und auch der wird vielfach durch Kohle und Ölverbrennung erzeugt.

Absolut richtig. Er hat aber auch diese Firma namens Solar City, die sich speziell auch Solartechnologie spezialisiert. Aber du hast Recht – viele Leute, die an dieser Diskussion teilnehmen, begeistern sich für Elektro-Autos, aber fragen nicht, wie der Strom denn hinein kommt in die Steckdose. Und wenn er aus Kohlekraftwerken kommt, ist es nicht viel besser als ein Benzinauto.

Wir müssen aber zurück zu deiner Platte und zu Country Music!

Hahaha!

Du hast vorhin die kanadische Country-Szene angesprochen. Namen wir Lindi Ortega, Lucette, Whitney Rose sind mir natürlich auch aufgefallen. Gibt es etwas, das diese kanadischen Acts verbindet?

Hmm, ich denke mal, wir alle müssen uns dieser Musik mit Haut und Haaren verschreiben. Denn um in Kanada Country Music spielen zu können, muss man viel reisen, und das oft im Winter. Viele Underground-Country-Acts haben einen starken Independent Spirit, weil man den hier haben muss. Weil man wirklich lange Distanzen fahren muss. Dafür ist die Szene eine eingeschworene Gemeinschaft, denn dafür, wie groß unser Land ist, ist unsere Bevölkerung ja ziemlich gering. Da kennt sich jeder.

Die Alternative-Szene in Kanada ist ja wiederum auch sehr groß – in letzter Zeit habe ich zum Beispiel mit The Seasons aus Quebec oder mit July Talk aus Toronto gesprochen. Kennt man sich da auch untereinander, spielt man die gleichen Festivals? Oder gibt es da doch eine Trennung?

Naja, ich habe mit meiner Band Glück, wir stehen mit einem Bein in beiden Welten. Wir spielen etwa zur Hälfte Country-Festivals und zur anderen Hälfte Alternative-Festivals, manchmal sogar indie Rock Festivals. Klar, unsere Musik ist kein Radio-Country, aber sie spricht letztlich doch viele Leute an. Vielleicht auch, weil wir so viele ländliche Themen in unseren Texten behandeln. Ich glaube, Leute vom Land, die normalerweise mehr auf Kommerz-Country stehen, können trotzdem was mit meinen Songs anfangen, wenn sie mal im Radio laufen, weil der Inhalt sich auf Dinge aus ihrem Leben bezieht. Es gibt jedenfalls einen Crossover.

Deine letzte Studioplatte „Cabin Fever“ war Nummer Eins in Kanada. Und das, nachdem dun schon 20 Jahre in der Szene aktiv warst. Das muss ja eine richtige Genugtuung gewesen sein.

Ja, hehe. Wir sind Slowburner. Ich sage immer: Eines Tages kriegen wir den Preis des ältesten neuen Band. Oder der neusten alten Band.

Hier in Deutschland seid ihr definitiv noch neu.

Ja, wir kämen gerne öfter zu Konzerten rüber! Ist aber natürlich nicht leicht, der Kosten wegen, bei einer ganzen Band. Der Plan ist aber natürlich, uns mehr zu zeigen.

Zuhause hast du sogar neulich dein eigenes Festival auf die Beine gestellt, das „Getting Down From The Mountain“-Fest.

Ja, das lief gut. Es war in Montana, knapp hinter der kanadischen Grenze. Wir haben klein angefangen, es soll sich erst mal klein etablieren und über kurz oder lang wachsen. Aber viele meiner amerikanischen Freunde in Alternative Country Bands haben ihr eigenes kleines Festival, da dachten wir, wir probieren das auch. Und es war auch ziemlich erfolgreich.

Dein Name ist Schwedisch. 

Meine Vorfahren sind Dänen, genau genommen. Aber Dänen und Schweden sind sich ziemlich ähnlich, oder?

CorbLund 3Warst du schon in Dänemark?

Ja, da haben wir schon ein paar Mal gespielt. In Norwegen auch. Wir müssen mal in Lund in Schweden spielen, was?

Das schreit ja geradezu danach, oder?

Finde ich auch!

Hast du, als du in Dänemark warst, irgendwas gespürt a la „Hier sind meine Wurzeln“?

Ja, das habe ich! War ein interessantes Gefühl. Skandinavien hat mir sehr gefallen. Die Art, wie die Leute drauf sind. Interessant, dass ausgerechnet die Nachfahren der Wikinger heute die sozialsten Regierungen der Welt haben, was?

Stimmt – aber man sagt auch, die Wikinger seien bei weitem nie so schlimm gewesen wie ihr Ruf. Als ihre große Qualität gilt ihre Anpassungsfähigkeit. Wenn sie sich in den Ländern, die sie eroberten, niederließen, haben sie sich dort oft die Sitten abgeschaut und für ihre eigene Gesellschaft übernommen. Das findet man später in schwedischen Bands oder im Volvo: Das war oft keine Neuentwicklungen – es war, als guckten sie sich die besten Dinge von hier und dort ab und kombinierten es.

Das macht Sinn. Eine Wikingertradition also.

Könnte schon sein. So, ich komme schon zu meiner letzten Frage. Da frage ich gerne nach der Anekdote. Was war denn die verrückteste Show, die du je gespielt hast?

Hmm, da gab es natürlich so einige. Aber die wohl irrste ist erst drei Monate her. Wir waren in den Norden von British Columbia gebucht, also Opener für Twisted Sister. Und der veranstalter hatte die Show schlecht beworben. Wir waren also irgendwo im Nirgendwo, spielten die Vorband für Twisted Sister vor 300 Leuten. Das war interessant, haha. Twisted Sister haben mich aber ziemlich beeindruckt, die waren richtig gut. Eine echt gute Rockband.

Was war denn der abgelegenste Ort, an dem du in Kanada gespielt hast? Kanada ist so riesig,  und du hast bestimmt von Neufundland bis Victoria Island überall schon gespielt.

Das ist wahr. Aber am abgelegensten sind natürlich die Städte im Norden. Inuvik zum Beispiel – oder Dawson City im Yukon – das war sicher das abgelegenste. Der Norden Kanadas ist wirklich am Ende der Welt.

Sind das dann besondere Konzerte? Ich denke mir, dort spielen bestimmt nicht oft Bands und entsprechend wissen es die Fans dort zu schätzen.

Genau so ist es. Was halt interessant ist, ist dass dort im Sommer die Sonne nicht untergeht. Nach der Show trinkt man noch ein Bierchen und plötzlich ist es 9 Uhr früh! Man kriegt ja sonst einen Anstoss, mal schlafen zu gehen – der kommt nicht!

So, ich bin damit fertig mit meinen Fragen. Vielen Dank für deine Zeit, und viel Erfolg mit der neuen Platte. Hoffentlich führt sie dich auch nach Europa, ich bin ein Fan! 

Ja, das hoffe ich auch. Letzten April machte ich eine Solo-Tour.

Mist, das war kurz, bevor ich auf dich gestoßen bin. Sonst hätte ich auf jeden Fall vorbei geschaut.

Nächstes Mal sagen wir Bescheid!

Prima, ich freue mich. Also vielen Dank und alles Gute!

Okay man, take care, bye! Thank you!

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