Interview: Lusts

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Seit Freitag draußen: „Illuminations“, das Debütalbum der Lusts. Lusts, das ist das Brüderpaar Andy und James Stone aus Leicester. Ihr Sound ist wunderbar verwaschener, fuzzy Indie Rock im Stile der 80er – da muss ich an Echo & The Bunnymen denken, an The Psychedelic Furs, an The Jesus & Mary Chain. Aber was soll ich hier groß rum vergleichen – ich hatte Gitarrist/Sänger Andy Stone am Telefon und er kann uns viel mehr über sein Duo erzählen.

Hallo, Henning hier aus München – spreche ich mit Andy?

Ja, hallo! Wie geht’s?

Gut, danke, wie geht’s Dir?

Sehr gut, danke.

Ich hab‘ mich gefreut aufs Interview, denn ich mag Eure Platte supergerne.

Danke, das weiss ich zu schätzen. Das freut mich, dass sie dir gefällt.

Ich bin ja alleine schon froh, eine junge Gitarrenband zu sehen. Mir kommt’s manchmal so vor, als würden die Kids heute nur noch Musik am Laptop alleine machen, die man sich auch alleine anhören soll. Seid ihr in eurem Freundeskreis die Sonderlinge, weil ihr auf Gitarrenmusik steht?

Och – ich glaube, viele meiner Freunde hören einen breiten Mix. Man definiert sich nicht mehr so übers Genre. Man hört Gitarren genauso wie Elektronisches. Wir mögen ja auch einen breiten Mix, es ist schon okay eigentlich.

Mir geht’s halt so, dass ich dieses „Ich höre alles!“ oft auch wischi-waschi finde. Ich finde, man muss schon auch für was stehen – und damit auch gegen etwas.

Verstehe.

Naja, es scheinen ja doch wieder ein paar Gitarrenbands aufzutauchen, und man sieht auch, dass Gitarrenbands in den Albumcharts der Insel weiter eine Rolle spielen und dass sie auch live weiter große Massen Ziehen. Vielleicht wird das im Radio und den Medien nicht wirklich widergespiegelt?

Ähm – also, ich finde jedenfalls, du hast recht, dass Gitarren auch mal für eine bestimmte Sache standen. Ich glaube auch, dass wir durchaus für und gegen Dinge Stellung beziehen – aber nicht unbedingt gegen bestimmte Instrumentierung. Das ist nicht unser Antrieb. Aber klar, es gibt Sounds, die wir lieben. New Wave Gitarrensounds, auf die stehen wir! Und dieser vorwärts gehende Drive! Und das sind letztlich die Dinge, die uns dazu antreiben, Musik zu machen.

Ich finde, Gitarrenmusik steht immer auch ein bisschen für Rebellion, für Opposition, für Widerspruch.

Ja, da gibt es sicher ein Erbe. Rebellion, Auflehnung. Aber so, wie sich die Styles entwickelt haben und so, wie sich auch viele Styles ineinander gemischt haben, sehen es die Leute heute vielleicht etwas anders, als es früher war. Man hat inzwischen so viele Dinge kombiniert – ich denke, das ist eine Folge des Internets: Es wurden sehr viele spezifische Nischen geschaffen, kleine Bewegungen, die konkret gegen eine Sache angingen, mit ihrem Style. Und auch da wird dann wieder vieles vermischt. Die Zeiten sind interessant. Wird sich eine große neue Bewegung entwickeln, oder nur immer noch kleinere Nischen?

Ihr werdet ja immer verglichen mit Namen wie Echo & The Bunnymen oder The Psychedelic Furs – Bands, die für euch uralt sein müssen, die zu ihrer Zeit zwar erfolgreich waren, aber auch den Undergrond repräsentierten. Habt ihr diese Bands tatsächlich je gehört, oder Euch mal damit befasst, nachdem immer die Vergleiche kamen?

Ha, da gibt’s einige, die ich mir erst angehört habe, nachdem die Vergleiche kamen. The House Of Love zum Beispiel, eine Band auf Creation, die ich nie gehört hatte. Was die Bunnymen angeht – wir hatten gerade unsere ersten Demos gemacht und waren auf der Suche nach unserem Sound, und als dann die ersten Menschen sagten: „Das klingt nach Echo & The Bunnymen“, da haben wir uns „Crocodiles“ mal angehört. Und das ist echt eine wahnsinnig gute Platte! Als ich die gehört habe, hatte ich sofort den Eindruck, zu verstehen, was sie sagen wollten, was sie da machten! Ich verstand auch, warum man uns verglich – weil da eine Dunkelheit ist, aber auch ein Drive – und auch die Melodien, die ins Ohr gehen.

Habt ihr sowas wie ein Ziel, wenn ihr Musik macht?

Ich versuche, etwas anzuzapfen, das sich echt anfühlt, Es soll aus dem Inneren kommen – wir sagen gerne, unsere Texte seien unterbewusste Gedanken. Wir hoffen, man kann unsere Texte hören und vielleicht nicht konkret verstehen, um was sie gehen, aber vielleicht das Gefühl empfangen, um das es geht. So ein David Lynch-mäßiger Vibe.

Ja das mit David Lynch habe ich gelesen. Ihr habt seine Filme an die Wand geworfen und den Soundtrack dazu gespielt?

Ja, stimmt. Das hat Spaß gemacht.

Macht ihr das noch?

Ja, die ganze Zeit. Wenn man so auf das Visuelle reagiert, was da auf der Leinwand abgeht, dann passt das echt prima zusammen mit unseren Sounds. Das gibt uns eine Freiheit, Neues zu probieren. Wenn man etwas vor sich sieht, eine Stimmung einfängt, dann kann das total ausmachen, was du spielst. Ich reagiere auf die Bilder, und das lockt neue Eigenschaften in meiner Musik hervor. Gerade David Lynch-Filme sind dafür super. Mulholland Drive. Aber auch „Lost in Translation“ ist sehr gut dafür.

Nehmt ihr euch dabei auf? Macht ihr das nur zum Jammen, oder basieren auch Songs von Euch auf solchen Filmsessions?

Beides, eigentlich. Sowohl zum Jammen, zur Ideenfindung – als auch zum Aufnehmen. Auf dem Album jetzt haben wir so einige Parts aufgenommen, die wir spielten, während ein Film lief. Erstens also, um auf neue Ideen zu kommen, und zweitens, um zu gucken, ob wir bei den Aufnahmen nicht auch ein bisschen Ambiente einfangen können.

Ich fand es interessant, das mit den Filmen zu lesen – denn auch Mercury Rev haben so angefangen. Weiss nicht, wie gut du die kennst.

Ach, sieh an.

Die haben angefangen, indem sie Naturdokumentationen laufen ließen und dazu spielten.

Ach – das habe ich nicht gewusst! Haben sie irgendwas gesagt, was das für einen Einfluss hatte?

Uh, Sorry, das habe ich sie nie gefragt, Mein letztes Interview mit der Band ist ewig her. Aber als ich gelesen habe, dass ihr so spielt, fiel es mir einfach ein. Scheint jedenfalls ein guter Startpunkt zu sein.

Ja, auf Visuelles zu antworten, das ist echt eine gute Art, um Ideen aus dir raus zu holen.

Ihr habt also das Meiste zu Hause aufgenommen – aber ihr habt auch schon eine UK-Tour mit The View dieses Jahr gespielt, die ja auf der Insel keine kleine Band sind. Hattet ihr früher schon Live-Erfahrung, oder hat man euch da ins kalte Wasser geworfen und ihr musstet schwimmen lernen? Es muss ja schon nervenaufreibend gewesen sein, aus dem eigenen Zimmer heraus sofort so eine Tour zu spielen.

Das war schon lustig. Wir hatten diese Songs ja erst mal nur für uns geschrieben, und dann kriegten wir diesen Konzertdeal – da mussten wir uns erst mal klar werden, wie wir das live umsetzen wollten. Ich und James, mein Bruder, mussten uns also was ausdenken. Vorher haben wir erst mal nur Songs geschrieben und uns gedacht: Wie man das live umsetzt, darüber denken wir später mal nach! Es lief dann aber ziemlich schnell, dass wir aus einer Schlafzimmer-Studio-Band zu einer Liveband werden mussten. Plötzlich waren wir unterwegs und spielten Shows! Aber okay, wir waren vorher schon in anderen Bands, wir haben schon Konzerte gegeben, wir haben uns einfach gesagt: Lasst uns genießen, was da passiert. Es ging sehr schnell, aber das Touren lief ganz gut. Manchmal ist es ja ganz gut, wenn es schnell gehen muss. Wir sind daran gewachsen, glaube ich. Im November kommt unsere eigene Tour. Wenn die vorbei ist, sollten wir ganz in Ordnung sein!

Learning by doing.

Genau.

Habt ihr euch extra-Livemitglieder gesucht oder macht ihr das alleine, mit Tapes und Computern?

Wir wollen’s zu zweit machen, aber ich habe viele Effektpedale, die Texturen und Schichten aufbauen und James hat ein Pad, auf dem er extra Sound und Schichten triggern kann. Wir machen’s also nur zu zweit, aber das ist auch, wie wir’s uns vorgestellt haben. Die ersten Shows sollen wirklich so sein, dass nur wir zwei gemeinsam spielen – denn so haben wir ja auch angefangen. So fühlt es sich richtig an.

Ein Extra-Mitglied müsste sich wie ein Eindringling fühlen?

Das ist ne interessante Frage, denn die Dynamik zwischen uns als zwei Brüdern, die ist ja letztlich schon das, was uns ausmacht. Ja, ein Extra-Mitglied, das könnte sich in der Tat wie ein Eindringing anfühlen. Aber wir wollen es auch nicht für immer ausschließen. Für jetzt denke ich aber, wir sollten die Dynamik so beibehalten, wie sie ist.

Lusts im TextMein Lieblingslied ist bis jetzt „Don’t Kiss me“, sicher die poppigste Nummer auf der Platte.

Yeah.

Was kannst du mir über den Song erzählen? Er klingt ja klassisch nach einer 60s-Pop-Nummer. So klassisch, dass ich erst mal gegoogelt habe, ob es nicht ein 60s-Original ist, das ihr da gecovert habt.

Danke, das fasse ich als Kompliment auf! Also, wir wollten auf der Platte auf jeden Fall einen Popmoment, einen fast motown-mäßigen Popsong unter all die düstereren Lieder setzen. Aber wir sagten auch: Der Text von diesem Song, der soll anti-Pop sein. Eben „Don’t Kiss Me“ statt „Kiss Me“, das Gegenteil des typischen Popsongs. Die zwei Elemente wollten wir kombinieren – eine Anti-Pophymne schreiben. Die Replacements haben einen Song namens „Kiss Me On The Bus“, so ein Song in dieser Art war das Ziel. Ein sonniger Popmoment, bevor alles wieder dunkel wird.

Wird „Don’t Kiss Me“ eine Single? Oder vermeidet ihr das lieber? Am Ende wird das der Song, für den man euch kennt, und jeder erwartet dann von Euch etwas ganz Anderes als das,was ihr eigentlich macht.

Haha, das würde mir nichts machen. Wir glauben an jeden Song auf dieser Platte, deswegen haben wir sie gemacht. Ich freue mich über jeden Song, der gehört wird, darum wäre ich nicht dagegen, wenn das eine Single wird. Es ist ja ein Teil unseres Sounds. Aber lieber ist mir schon, wenn die Leute vielleicht ein paar andere Songs von uns zuerst hören, bevor sie „Don’t Kiss Me“ hören. Es ist wahrscheinlich besser, das Lied zu hören, wenn man schon ein besseres Verständnis dafür hat, wie wir grundsätzlich klingen.

Im Song „Sometimes“gibt’s einen Sound, der mich an einen Krankenwagen erinnert. Absicht?

Ein Krankenwagen? Hmmm. Absicht war das keine. Aber jetzt, wo du’s sagst, weiss ich schon, welchen Ton du meinst. In dem Song geht’s um Besessenheit, und darum, etwas auf sich zu beziehen, was vielleicht gar nicht auf einen selbst gemünzt war. Jemand sagt etwas im Fernsehen, und du denkst, du bist gemeint, dabei hast du die Person noch nie getroffen. Leute reden sich ja gerne Dinge ein, und darum, dass man sich etwas vormachen kann, bis man fest dran glaubt, geht der Text. Ich überlege gerade, wie der Krankenwagen Sinn macht in dem Zusammenhang, aber ich kriege leider keine Verbindung hin.

Könnte auch sein, dass unsere Krankenwagen anders klingen als die im UK. Aber Themawechsel: Ihr seid aus Leicester.

Genau, ja.

Eine andere Band – eigentlich DIE andere Band aus Leicester, die sehr zuletzt große Erfolge hatte, sind Kasabian. Wenn man mitkriegt, dass eine Band aus der eigenen Heimatstadt weltweit gefeiert wird, spornt das an? Sagt das einem „Hey, wir könnten’s ja auch schaffen!“?

Also, natürlich finde ich’s auf jeden Fall cool, dass auch sie aus Leicester sind. Aber ich denke mal, meine Inspiration, das sind Filme, und mich interessiert’s außerdem, Musik zu entdecken aus verschiedenen Äras. Inzwischen leben wir übrigens in London. Auch wenn wir in Leicester mit der Musik angefangen haben, sehe ich uns nicht wirklich mit einer Stadt untrennbar verknüpft. Klar, es ist schön zu sehen, wenn jemand Erfolg hat, der vom gleichen Ort kommt wie du, aber wir sehen unsere Musik nicht als etwas Geographisches – unsere Musik soll ja eh am Besten aus einer ganz anderen Welt kommen. Man soll uns nicht anhören können, wo wir herkommen.

Ich mag Kasabian halt einfach. Sie haben auf der Insel nicht den besten Ruf, aber ich finde, man gibt ihnen nicht genug Credit dafür, wie weit vorne ihre Musik ist – keiner sonst ist so nah an „XTRMNTR“ dran wie Kasabian, finde ich.

Ja, da hast du durchaus Recht. Ich habe sie auch hie und da in Leicester getroffen und sie waren immer wirklich nett. Dieses Hooligan-Element, das man ihnen unterstellt, diese Aggression, die ist einfach nicht da. Man merkt, dass sie viel Energie einsetzen, das ja, aber keine Aggression. Ich finde, man kann auch bei ihnen definitiv Filmsoundtrack-Einflüsse hören. Ich mag die Kombination, die Band ist zweifellos in Ordnung.

Eine Frage, die ich ganz gerne stelle, ist: „Was möchtet ihr über Euch richtigstellen?“ Andererseits, ihr seid jetzt recht neu dabei. Gibt es überhaupt schon etwas, das fälschlicherweise über euch behauptet wird und das ihr korrigieren müsst?

Ich glaube, es ist so wie du sagst – wir fangen ja gerade erst an, deswegen wurde auch noch nicht viel Falsches über uns geschrieben. Wichtig ist mir, dass die Leute sehen, dass wir mehrere Elemente bedienen mit Musik und Film, dass wir nicht einseitig sind. Das wäre mir wichtig, dass die Leute darauf achten, dass wir verschiedene Texturen in unserer Musik verwenden, dass auch die Texte bemerkt werden – ich würde mir wünschen, dass die Hörer all diese Dinge wahrnehmen. Aber klar, wenn sie einfach nur ein Lied mögen und nicht weiter drüber nachdenken, ist mir das auch recht. Es ist nicht so, dass ich den Leuten jetzt aufdrängen will: „Du musst bei diesem Song aber auch noch folgendes wissen…“ Mir gefällt das sogar, dass Leute aus den Songs ihre eigenen Schlüsse ziehen können und dass dadurch eine gewisse Mehrdeutigkeit herrscht. Ach, jetzt sind wir an dem Punkt, wo wir einfach schauen, wie die Leute reagieren.

Wo du „Mehrdeutigkeit“ sagst – auch euer Artwork und eure Videos gehen in die Richtung, es ist alles ziemlich verschwommen, nicht konkret. Ich denke mal, da steckt ein Konzept dahinter?

Ja, als wir anfingen und uns Gedanken darüber machten, Musik zu veröffentlichen, da stießen wir auf diesen Künstler, Yoshi Sodeoka, in New York. Wir beide waren völlig hin und weg – und wir fanden, dass das ziemlich genau dem entsprach, was wir uns ausgemalt hatten für unsere Musik. Wir haben ihm einfach eine Botschaft geschickt: „Wir lieben deine Kunst, können wir irgendwie zusammenarbeiten?“ – und er antwortete, dass unsere Musik ihm sehr gut gefiel. Danach hat er alle unsere Cover designt – die Singles und das Album. Was wir super fanden, weil auf diese Weise alles wie ein großes Ganzes zusammen passt. Seine Kunst hat einfach was, das, wie ich finde, irgendwie echt einfängt, wie unser Sound klingt. Das passte so gut zusammen! Und dann machten wir die Videos – die ersten zwei hatten wir noch selber gedreht, um gleich mal unsere vvisuelle Identität ein bisschen festzulegen. Die danach wurden dann von „Youth Hymns“ gemacht – und wieder passte alles so perfekt, wie wir es uns nur gewünscht haben! Das war einfach super, mit all diesen Leuten zu arbeiten, die genau kapierten, worauf wir hinaus wollten. Und wenn ich mir die Ergebnisse jetzt angucke, dann finde ich einfach: Genau so soll das aussehen! Da mussten wir auch gar nicht diskutieren.

Erinnerst du dich an einen Schlüsselmoment, der dir sagte: Ich will Musiker werden?

Sagen wir’s so, da gab’s auf jeden Fall eine Menge Lieblingsplatten in einer wichtigen Zeit. Aber am wichtigsten war wohl, dass James anfing, Drums zu spielen. Das fand ich einfach spannend. Ihm habe ich immer zugeschaut, und ich überlegte dann: Wie kann ich da mitmachen? Es ist dann die Gitarre geworden. Musik zu machen, das war einfach diese interessante, bizarre Sache. Klar, man hat sich dann auch Platten gekauft, aber an erster Stelle stand bei mir, James zuzugucken und auch so was machen zu wollen. Für mich hat sich alles verändert, als ich angefangen habe, Gitarre zu spielen. Vorher wusste ich nicht, wer ich war und was ich machen wollte. Aber sobald ich die Gitarre hatte – ich erinnere mich noch genau dran – war ich auf einmal ganz anders fokussiert. Ich habe mich total verändert. Plötzlich hatte ich diese großartige Möglichkeit, mich auszudrücken, plötzlich konnte ich alles rauslassen, über das ich nicht reden konnte. Erst als ich eine Gitarre hatte, konnte ich das tun. Der Schlüsselmoment wäre also, als ich anfing, Gitarre zu spielen.

Sicher hast du Lieblings- und Hassbands. Was findest du an deinen Lieblingsbands gut – und was findest du schlecht an den Bands, die du nicht leiden kannst? Gibt es da was, wo du sagst: „Das wird Lusts nie passieren!“?

Oh, Ich mag so viele Bands – wenn ich The Cure höre, „Disintegration“ zum Beispiel, dann liebe ich es, wie sie so komplett in ihrer Sache aufgehen. Die Platte hat ja ewig lange Songs und hat eine sehr düstere Stimmung – als das Album erschien, hat es viele Leute erst mal abgeschreckt. Aber letztendlich haben die Leute ihre Meinung geändert. Heute gilt „Disintegration“ als eine ihrer wichtigsten Platten. Es sind immer einzelne Elemente von Bands, die mich packen. Ich mag es immer, wenn die Texte düster und introspektiv sind. Aber wir hören auch elektronische Musik. Ich mag es, wie konkret sich Techno anhört. Warm, aber auch sperrig. Irgendwie erkenne ich viele Parallelen zwischen Techno und Post Punk Sounds. Dieser Drive – immer, wenn Musik einem dieses Gefühl gibt, dass man vorwärts fährt, dann mag ich das. Und das gibt mir Techno genauso wie Gitarrenmusik.

…und damit komme ich auch schon zu meiner letzten Frage. Da frage ich immer nach der Anekdote: „Was war bisher eure verrückteste Show?“ Auch wenn ihr noch nicht so viele Konzerte gegeben habt, war ja vielleicht eins dabei.

Oh ja, das war, als wir in Paris gespielt haben. Da hatten wir gleich zwei Konzerte, eins am Nachmittag in einem Plattenladen und dann noch mal eins am Abend in einem kleinen Club im Stadtzentrum. Wir spielten also diese zwei Gigs, und naja, wir haben ziemlich über die Stränge geschlagen an den Tag bzw. in der Nacht. Wir waren mit den Leuten von unserem Label unterwegs und haben ordentlich einen draufgemacht. Für den nächsten Tag hatten wir aber Tickets für die David Bowie-Ausstellung. Die wollten wir natürlich sehen und wir sind brav aufgestanden, dabei waren wir echt fertig – ich bin dann in einem Brunnen eingeschlafen!

In einem Brunnen? Mit Wasser drin?

Ja, mit Wasser. Die anderen sind in die Ausstellung gegangen, und mich fanden sie danach in dem Brunnen vorm Museum, schlafend. Ich war ein bisschen nass, hahaha. Das hat uns gleich mal gezeigt, wie Touren in der Zukunft für uns aussehen könnte.

Naja, aus diesen Erfahrungen wirst du auch lernen.

Wie -meinst du, dass ich künftig wasserdichte Kleidung mitnehme?

Naja, ich dachte eher, du wirst lernen, deine Alkohollimits besser einzuschätzen?

Ah, verstehe. Ich werde mal drüber nachdenken.

Das kommt mit dem Alter. Mir sagt mein Körper immer irgendwann: „So, mehr nicht. Das reicht für heute.“

Ah ja. Das ist eine Stimme, die ich bisher immer ignoriert habe. Oh Mann, mir fällt gerade ein: Ein neues Paar Doc Martens hatte ich mir ja auch gekauft. Und wenn man ein neues Paar einträgt, dann kriegt man ja immer erst mal Blasen. Als ich die Schuhe auszog, war alles voller Blut. Ich war so betrunken, ich habe gar nicht mitgekriegt, wie weh meine Füße getan haben!

Na, ich hoffe jedenfalls, dass Eure Touren euch auch bald nach München führen werden.

Au ja! Die Vorstellung, nach München zu kommen, finde ich super. Auf jeden Fall!

Dann kann ich Euch hoffentlich sehen – viel Erfolg mit der Platte, und vielen Dank für deine Zeit!

Vielen Dank ebenfalls, wir wissen das zu schätzen, mate!

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