Review: The Vryll Society

Pangea - EPThe Vryll Society – „Pangea EP“

Ich habe länger nachgedacht, wie ich diesen Text strukturiere. Es gibt nämlich eine Band, an die die jungen Liverpooler The Vryll Society mich erinnern, und die Frage war jetzt: Soll ich mit dem Vergleich am Ende herausrücken und im Text darauf hin arbeiten? Oder gleich sagen, wer’s ist?

Ich sag’s gleich. Das Gefühl, das ich bei den Liedern dieser Jungs habe, ist eins, was ich 1992 hatte, als eine Band auftauchte mit Singles namens „All In The Mind“, „She’s A Superstar“ und „Gravity Grave“. Genau, Verve.

Verve, wohlgemerkt. Nicht „The“ Verve. Zu „The“ Verve wurden Richard Ashcroft & Co erst 1994, als sie ihr erstes Album „A Storm In Heaven“ schon veröffentlich hatten. Und mit dem „The“ hatte sich einiges geändert (nicht, dass das „The“ was damit zu tun gehabt hätte, es fiel nur zeitlich zusammen). Wegen seiner andauenden Streitigkeiten mit Gitarrist Nick McCabe, der zwischenzeitlich mehrmals ein- und ausstieg, wurde Ashcroft zum alleinigen Autor vieler The Verve-Songs – und damit wurden auch tatsächlich Songs draus. Griffige Lieder wie „History“, „Lucky Man“, „Sonnet“ oder „On Your Own“ gab’s erst, seitdem das „The“ vor ihrem Bandnamen stand. Vorher hatten die vier ausschließlich im Proberaum vor sich hin gejammt und die transzendent-spacige Klangmalerei, die dabei entstand, in eine Art Song-Rahmen gespannt – was z.B. bedeutete, dass ihre zweite Single „She’s A Superstar“ über 9 Minuten lang war.

Es geht hier aber nicht um (The) Verve, es geht um The Vryll Society. Die Newcomer haben mit „Pangea“ vier neue Tracks draußen, diese folgen der Single „Deep Blue Skies / Beautiful Faces“ aus dem Sommer. The Vryll Society veröffentlichen – auch das ist interessant – auf dem Label Deltasonic, das sich als Heimat von The Coral, The Zutons, The Dead Sixties und anderen verdient gemacht hat. Sie sind die letzte Entdeckung von Deltasonic-Gründer Alan Wills, Drummer von Shack und legendäre Figur in Liverpools Musikszene.

The Vryll SocietyWills starb leider im Mai 2014 bei einem Fahrradunfall, vorher aber hatte er die gerade gegründete Vryll Society unter seine Fittiche genommen und sie instruiert: „Sperrt Euch in den Proberaum ein und spielt, lasst niemanden etwas von euch hören – und kommt nicht eher wieder raus, bis ihr die größte Band der Welt seid!“ Eine angenehm altmodische Herangehensweise in einer Zeit, in der Musiker ihre Demos normal schon online stellen, während das wav-file noch fertig speichert – und eine, die sich auszahlen könnte, denn das, was wir bisher von den Vryllies (wie sie ihre Fans noch nicht nennen) bisher hören konnten, zeigt eine Band, die übers Anfängerstadium weit hinaus ist und schon fast an ihrem Bestimmungsort angekommen zu sein scheint.

Was uns wieder zu Verve bringt. Die hatten in Nick McCabe einen prima Gitarristen, der sich auf dem Griffbrett austobte, große Flächen ausfüllte und impressionistische Kleckse setzte – eine Herangehensweise, die der/die Gitarristen teilen. Verve-Bassist Simon Jones spielte rollende Loops, die aus der Wiederholung heraus eine Krautrockige Hypnotik entwickeln konnten (siehe „Gravity Grave“) – und auch der The Vryll Society-Viersaiter arbeitet so. Verve hatten natürlich auch „Mad Richard“, den Sänger, der schon ganz zu Beginn die UK-Journaille faszinierte, weil er begeistert Hippie-Quatsch erzählte („Ich kann fliegen!“), der aber seine Stimme als Instrument, wie er sie ab „Bittersweet Symphony“ einsetzte, noch nicht entwickelt hatte. Ob sich auch Michael Ellis mal zu so einer schillernden Persönlichkeit entwickeln wird, bleibt abzusehen. Vorher dürfen wir uns über vier neue Songs seiner Band freuen, die vier Facetten ihrer jetzt schon großen Fähigkeiten zeigen.

Song 1: „Coshh“ – aus einem linearen Krautrock-Motorik-Beat entwickelt sich Autobahn-Psychedelia

Song 2: „Air“ – ein Cousin von Verves „Gravity Grave“. Transzendenz durch Bass-Loop

Song 3: „Metropolis“ – die Ballade, fast folky. Aber mit aufbrausendem Sshhrrrrooom-Refrain.

Song 4: „The Egg“ – eine verträumte sechs-Minuten-Wanderung durch Wattewolken.

So. Vier prima Songs, die die ebenfalls famose Single aus dem Sommer prima ergänzen. Ich glaube, wir dürfen uns 2016 auf ein tolles Album freuen.

Ranking Vryll

Videos von „Pangea“ gibt’s noch keine, aber für die frühere Single „Deep Blue Skies“ bzw. „Beautiful Faces“ schon

early Verve:

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