Review: Screaming Peaches

Rough Music - EPScreaming Peaches – „Rough Music EP“

Bandnamen. Man muss heutzutage auf ein paar Dinge achten, wenn man seine Gruppe tauft, die in den Siebzigern egal waren. Zuallererst: Kann man deinen Namen googlen? Der Bandname „Movie“ zum Beispiel ist komplett ungeeignet. Googlet mal „Movie“! Alles mögliche erscheint, aber nicht die Website eines jungen Trios aus Tooting/London, das gerade loslegen will. Na gut, probieren wir’s mit „Movie Music“! Oder mit „Movie Band“? Ihr seht das Problem – Musikfilme bzw. Filme über Bands gibts auch in Millionen. Die Band Movie im Netz zu finden, war fast unmöglich.

Vielleicht lag’s also am Bandnamen, dass Movie bisher nicht so durchgestartet sind, wie es an sich denkbar gewesen wäre? Letztes Jahr haben die Newcomer insgesamt sechs Songs veröffentlicht, die verdamt vielversprechend klangen: Die AA-Single „Ads“ / „Mr. Fist“ sowie eine 4-Track-EP namens „Tusk Vegas“. Ich habe die Band hier auf dem Blog immer als eine Mischung aus Franz Ferdinand und Blur beschrieben, denn Movie hatten die Artiness und den satten Stampfbeat der Ersteren, aber auch die hochgezogene Augenbraue und die gerne mal angeschrägten Sounds der zweiten. (Eine bessere Beschreibung ist mir seitdem nicht eingefallen, deswegen belasse ich’s dabei.) Man hätte sich also vorstellen können, dass sie auf den Indie-Dancefloors des Planeten einen rasanten Kickstart hinlegen, dass der Name von Movie-Frontmann Theo Spark den Indiekids bereits ein Begriff ist und alle ungeduldig aufs Debütalbum warten.

Movie heißen jetzt Screaming Peaches.
Das gefällt mir nicht viel besser. Klingt wie eine in Berlin lebende kanadische Performerin beim Auftritt. Ist aber googlebar – und es ist für die Band, die pünktlich zur Namensänderung zum Quartett angewachsen ist, die Möglichkeit, noch mal zu rebooten.

screaming peachesMit den vier neuen Songs der „Rough Music EP“ sind wir jetzt bei zehn veröffentlichten Liedern der Band angekommen – als Playlist ergeben sie quasi ein komplettes, 36minütiges Album. Ein ziemlich cooles Album wäre das. Schnittig, quirky. Höchstens ein bisschen einförmig, in ein „richtiges“ Album müsste ein wenig mehr Abwechslung rein. Denn auch auf der neuen EP zeigen Ex-Movie vor allem das, was ihre bisherigen Tracks stark gemacht hat: „Sad Kid“ ist ein typischer Stampfer, der mit einem Franz Ferdinand-Rhythmus marschiert. „Regina“ klingt nach 80s-Vorbildern wie Talking Heads und Devo – aber auch das waren ja Bands, die man FF und den mit ihnen zeitgleich auftauchenden Bands als Vorbilder unterstellte. „Glittering Eyes“ ist vielleicht die poppigste Nummer hier, mich erinnert sie an MGMT auf doppelter Geschwindigkeit oder an 80s-Kuriositäten wie Paul McCartneys „Coming Up“. „The Sun“ schließlich ist der sonderbarste Track, hier bringen die Screaming Peaches Easy Listening-Beachfeeling und Tropicalia in ihre Indiewelt – quasi „Girl from Ipanema meets Beetlebum“. Vielleicht nicht das gelungenste Experiment, andererseits zeigt der Song aber doch, dass wir es mit einer Band zu tun haben, deren Horizont keinesfalls bei Franz Ferdinand endet.

So. Fazit? Wir warten immer noch aufs erste Album, aber Screaming Peaches haben sich mit der Umbenennung auch etwas Zeit erkauft. Hießen sie noch Movie, wäre es im Winter fällig, eineinhalb Jahre nach der VÖ von „Ads“ im Juni 2014. Die „Rough Music“ EP zeigt uns derweil, dass mit Screaming Peaches weiter zu rechnen ist. Sie haben die Top-Singles aus dem letzten Jahr hiermit bestätigt, sie experimentieren auch mal – das deutet doch an, dass ein komplettes Album so richtig was werden könnte.

Screaming-Peaches-wert

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