Review: Darwin Deez

darwin-deezDarwin Deez – „Double Down“

Darwin Deez: Eine einmalige Sternschnuppe oder steckt doch mehr dahinter? Der Song, den man von dem spindeldürren New Yorker mit der sonderbaren „Jew-Fro“-Frisur kennt, ist „Radar Detector“. Aber Holla, das war mal ein echter Knüller. Ich weiss noch, ich habe gleich beim ersten Hören zu Elena gesagt: „Das wird so ein Atomic Hit werden – ich weiss jetzt schon, dass ich ihn in acht Jahren HASSEN  werde, wenn die Leute ihn immer noch bei mir am DJ-Pult wünschen!“ Das war 2010 – und in der Tat, zumindest als ich die letzten Atomic-Dates auflegte, war der Song immer noch ein garantierter Dancefloor-Filler.

Was man aber auch damals schon nicht spielte, nie, das war ein Song vom zweiten Darwin Deez-Album „Songs For Imaginative People“ (2013). Das hatte der gute Junge in den Sand gesetzt. (Okay, genau genommen ist Darwin Deez ja der Name der ganzen Band, aber bitte, wir sehen immer nur ihren Frontmann.)

Was war schief gelaufen?
Wenn es was gibt, was DD so ein bisschen auszeichnet, dann ist es rhythmische Spielerei. Die Art, wie die Band Gitarrenlines und Beats ineinander verzahnt. Auf dem Debüt gab’s niedliche Songs, sehr konventionell instrumentiert, git/drums/bass/voc, die durch ihre abgehackte Stop/Start-Riffigkeit davor gerettet wurden, komplett banaler 08/15-Indiepop zu sein. Auf der zweiten aber, da setzten die New Yorker komplett auf diese wacklige, gegeneinander versetzte Zackigkeit – was dazu führte, dass man sich auf der Tanzfläche dazu überhaupt nicht mehr bewegen konnte, wenn man kein auf Polyrhythmik programmierter Calypsobot war (siehe das Video zu „Free (The Editorial Me)“). Darüberhinaus kleisterte die Band die Platte mit Gitarrengeschredder-Solos zu. Was ganz extrem nervte. Die Zweite floppte logischerweise.

Wenn man mich gefragt hätte, wie’s weitergehen soll, ich hätte Darwin Deez vor dem dritten Album Folgendes gesagt: „Kehrtwende vom zweiten Album! Erstens: Das Geschredder muss komplett weg. Zweitens: Den Sound müsst ihr generell wieder entkomplizieren! Zwar nicht komplett – letztlich ist das Zickzackige ja immer noch euer Ding, was euch wiedererkennbar macht. Aber macht es euren Songs leichter, wieder ins Ohr zu gehen.“ Natürlich haben sie mich nicht gefragt. Aber: Sie haben genau das getan, was ich vorgeschlagen hätte.

darwindeez„Double Down“ ist erheblich näher dran am Debüt als an der Zweiten. Was bedeutet: Eigentlich ist auch diese Platte ein bisschen zu nett. Ein bisschen zu typischer Indiepop. Immerhin, die angesprochenen Stop/Start-Spielereien, die geben der Band weiter ihre Identität, und auch Darwins Texte sind ganz gewitzt. „The Mess She Made“ zum Beispiel, da tröstet er – das ist zumindest meine Deutung – einen Kumpel: Nicht alle Mädels sind solche Fälle wie dessen Ex, die ein solches Seelenchaos bei ihm angerichtet hat. („Some of my best friends are girls!“) In „Time Machine“ bittet Darwin seine Liebste, mit ihm in der Zeit an den Punkt vor ihrem Streit zurück zu reisen, und auf „Last Cigarette“ vergleicht er seine Unfähigkeit, mit dem Rauchen aufzuhören, mit seiner Unfähigkeit, sich aus einer Beziehung zu lösen: Das passiert immer morgen, eine letzte Zigarette geht heute noch. Das ist alles ziemlich twee, aber twee ist im Indie eine feste Größe. Überhaupt: Mich hat’s in den letzten Tagen auf das eine oder andere Konzert verschlagen, auf denen Sänger nur Banalitäten a la „We’re never gonna be alone again“ oder „The feeling is real“ oder „I’m going to take you to paradise“ von sich gaben – da bin ich einfach über jeden froh, der sich seine eigenen Geschichten sucht und sie mit seiner eigenen Persönlichkeit anfüllt.

Was die Platte nicht liefert, ist ein Hit vom Kaliber „Radar Detector“. Das war wohl einfach ein Glückstreffer für Darwin, bei dem zufällig alles stimmte, und den man so auch nicht noch mal erzwingen kann. Aber insgesamt hat Deez mit der Platte nach dem Fehlgriff mit dem Vorgänger wieder in die Spur gefunden. „Double Down“ ist kein Meisterwerk, einfach nur eine Indiepop-Platte, die nett rein läuft – aber manchmal braucht man ja gar nicht mehr.

darwin-deez wert

Darwin Deez – Kill Your Attitude from Dent de Cuir on Vimeo.

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