Review: Foals

Foals_What_Went_Down_Album_CoverFoals – What Went Down

Seien wir ehrlich, man kann eigentlich nie neutral an Alben rangehen. Man ist immer irgendwie voreingenommen. Wobei ich sogar glaube, ich war ihnen gegenüber noch offen eingestellt, als ich mir die Foals im April 2008 im Münchner 59:1 anguckte. Der Abend, an dem meine Antipathie gegen diese Band begann.

Foals hatten davor ein paar Singles veröffentlicht, die ziemlich spannend waren. Ihren Hit „Mathletics“ konnte man z.B. im Atomic prima in die florierende New Rave-Phase einbauen, zu Klaxons, Shitdisco & Co. Im April war ihr Debütalbum „Antidotes“ dann taufrisch erschienen, aber die Foals, die in ihren UK-Interviews immer ein bisschen oberlehrerhaft rüberkamen, hatten „Mathletics“ absichtlich nicht mit aufs Album getan. Typisch eigentlich, im Nachhinein.

Was hat mich nun damals so genervt im 59:1? (Abgesehen davon, dass ich nicht verstand, warum die nicht im Atomic spielten – der Laden wäre auseinander gebrochen! Im 59:1 waren im April ’08 geschätzte 80 Leute) Mich nervte die Art, wie die Band sich auf der Bühne aufbaute. Yannis Philippakis sang nicht ins Publikum, sondern drehte sich seitlich. Sang im Profil nach links. Ich fand das so affig!

Es war nicht die einzige Sache, die unsympathisch, schlaubergerisch und abgehoben rüber kam. Aber an sie habe ich mich besonders gut erinnert, weil sie so exemplarisch wirkte.

Was will uns eine Band sagen, die sowas macht? Sagen will sie uns: „Wir sind anders!“ Sie will uns sagen: „Wir sind gegen Stargehabe – wir wollen hier oben nicht so tun, als wären wir das Zentrum eurer Aufmerksamkeit, also macht unser Sänger nicht in der Bühnenmitte den Zampano!“

Was sagt die Band uns aber tatsächlich? Sie sagt: „Wir wollen ach-so-anders-sein! Dass wir uns extra was ausdenken, um so zu tun, als wären wir doch ganz normal, zeigt doch erst recht, dass wir uns in echt für ach-gott-wie-speziell halten!“ Geld von Leuten für eine Performance nehmen, aber sich dann seitwärts zum Publikum drehen – das ist entweder arrogant oder einfach bescheuert. Denn eine Live-Performance, die lebt von der Interaktion und davon, dass man die Leute auf der Bühne anschauen kann und ihre Emotionen wahrnimmt. Dieses zu negieren, das ist kontraproduktiv. Das ist, als würde man entscheiden, den Fußball erneuern, indem man ihn künftig mit pyramidenförmigen statt runden Bällen spielt. Okay, es bricht mit den Regeln. Aber die Regeln machten durchaus Sinn, die Innovation ist nur beknackt!

Jedenfalls, ich bin aus dem Konzert raus und dachte mir: „Okaye Musik, echt. Aber: Was für Pissnelken! Was für wichtigtuerische Pissnelken!“

foals 1Sucht man heute Live-Clips der Foals, stehen sie ganz normal auf der Bühne, mit Sänger Philippakis in der Mitte, Blick nach vorne. (Ha!) Ich weiss nicht, wie lange sie ihr wir-drehen-uns-seitlich-Ding schon abgelegt haben. Vielleicht schon ewig. Ich hab sie mir seit damals nicht noch mal angeschaut, das hat mich nicht mehr interessiert. Denn ich hab’ seitdem den Schlag weg, dass ich an die Musik der Oxford-Studenten immer erst mal argwöhnisch rangehe. Dass ich immer erstmal denke: „Na, mit welchen durchschaubaren Mätzchen wollt ihr mich jetzt wohl wieder beeindrucken?“ Als alle jubelten, weil Foals auf ihrem zweiten Album „Total Life Forever“ (2010) einen Richtungswechsel auf atmosphärisch machten, moserte ich: „Ja klar, plötzlich habt ihr Mogwais Musik erfunden.“ Als sie auf der Dritten „Holy Fire“ (2013) Richtung Gitarrenpop gingen, feixte ich: „Haha, ihr seid eben doch nur ne ganz konventionelle Band, die auf die Indiedisco schielen muss!“. „My Number“ habe ich natürlich trotzdem immer im Atomic gespielt, denn dafür war die Nummer perfekt. Ein zackiger Rhythmus, ein sattes Riff – der Song knallte rein wie Franz Ferdinand 2004. Was bestimmt das Gegenteil dessen war, als was Foals sich immer sahen. Hihi.

Mei, was für eine ewige Exposition wieder. Ich will ja nur sagen: Sorry, ich sehe Foals nicht durch die rosa Brille. Ich weiss das aber auch. Ja mei. Die Foals. Album Vier.

Den Titelsong kennen wir ja schon, das war die erste Single. An dem Song gibt’s auch für mich nichts auszusetzen. „What Went Down“ rockt ziemlich, drischt wummernd rein, ist dabei nicht ohne Hooks. Voll in Ordnung, der Song. Doch. Ich mag das grummelige Klangbild, die raue Dynamik. Das Ganze klingt wie eine Art heavy Krautrock. Durchaus speziell. Hier werden die Jungs ihrem Ruf, originelle und schlaue Musik zu machen, den sie als Kritikerlieblinge haben, echt gerecht.

„Mountain At My Gates“ mag ich sogar lieber. Dabei ist der Song viel konventioneller. Drei Akkorde, Indie Guitar Pop. Ich bilde mir ein, die Foals wären sich lange zu fein gewesen, mal einen so schlichten, hübschen Song zu schreiben. Mit „Birch Tree“ tun sie’s dafür gleich noch mal. Da klingen sie wie Snakadaktal, die leider schon getrennte, herrlich-poppige, hörbar stark Foals-beeinflusste australische Teenie-Band. Dass Foals hier also wie ihre eigenen poppigen Nachahmer klingen, das ist doch drollig, oder? Was ist hier los? Hören die Foals etwa auf, mich zu ärgern?

foals 2In der Tat, sie amüsieren mich weiter. Denn „Give It All“ ist ohrenschmeichelnde Musik für Fans von Coldplay und den fürchterlichen Falsett-Balladen vom letzten Editors-Album, „Albatross“ baut sich schön langsam zu was Großem auf und „Snake Oil“ ist bis auf seine instrumentalen 70s-Metal-artigen Breaks viel näher dran an Kasabians „Reason Is Treason“, als Yannis wohl ahnt. Alles ordentliche arty Popsongs mit nur ganz wenig von dem prätentiösen Foals-Spirit. „Night Swimmers“ mit seinen 4/4 Beats kann ich mir wieder auf dem Indie-Dancefloor vorstellen, „London Fire“ und „Lonely Hunter“ sind fast schon aggressiv in ihrer Coldplay-Putzignettigkeit. Das fast siebenminütige „A Knife In The Ocean“ schließlich will die brodelnden Foals von „Spanish Sahara“ wieder beleben, plätschert dafür aber zu sehr dahin.

So. Am Ende steht eine Band, die eben doch nur eine Band ist. Nicht die großen Erneuerer, Eroberer oder Besserwisser. Diesmal wirkt es auf mich aber auch, als wäre es beim vierten Album gar nicht die Absicht der Foals gewesen, sich als solche aufzuspielen. Und das bringt sie mir näher. Ich würde mich nicht wundern, wenn bisherige Foals-Fans dieses Album eher bieder fänden. Aber ich persönlich kann damit mehr anfangen, als ich dachte.

Foals wert

Foals „What Went Down“ from Radioaktive Film on Vimeo.

FOALS – Mountain at My Gates dir. cut from nabil elderkin on Vimeo.

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