Interview: Spector

Spector HeaderLetzte Woche habe ich dieses Interview schon versprochen, als ich „Moth Boys“, dem zweiten Album der Briten Spector, ein extrem gutes Zeugnis ausgestellt habe. Noch hat die Platte nicht wirklich die Wellen gemacht, die ich ihr zutraue (nur Platz 27 in den UK-Charts). Aber ich könnte mir vorstellen, dass sich das noch entwickelt und „Moth Boys“ noch zum Dauerbrenner wird, denn das Album hat Substanz – und diese Band hat einen Frontmann, der eine echte Type ist. Ich hatte Fred MacPherson kürzlich am Telefon.

Hi!

Hi, wie geht’s?

Gut, Dir?

Ebenfalls, Sorry für die Verspätung!

Wir haben schon mal gesprochen. Das war in eurem Tourbus, vor Eurer Show mit Florence + The Machine im Zenith, München.

Ah, daran erinnere ich mich!

Drei Jahre her, das. 

Na, danke, dass du noch mal mit uns reden möchtest!

Na, ich bin der, der Danke fürs Interview sagen muss! Jedenfalls, was ist alles so passiert mit Spector seitdem? Ihr habt euch Zeit gelassen mit der zweiten Platte.

Das haben wir! Eins unserer Mitglieder hat uns verlassen. Chris, der Gitarrist, ist gegangen. Da brauchten wir erstmal eine gewisse Zeit, um rauszukriegen, was wir von jetzt an für eine Band sein wollten. Unser erstes Album haben wir ziemlich vorschnell aufgenommen, ich glaube heute, dass wir unsere Identität als Band noch nicht so entwickelt hatten. Also nahmen wir dieses neue Album, um uns klar zu werden, was Spector wirklich sind. Wir hätten uns schneller zurückmelden können, aber die neuen Songs, die wir schrieben, wurden immer ein bisschen besser. Und als wir dann „All The Sad Young Men“ geschrieben hatten, hatten wir unsere Berufung gefunden, sozusagen.

SPECTOR Moth BoysDieses Mal hast du es auch durchgezogen mit der Band. Denn zuvor warst du ja schon in zwei anderen Bands, die du wieder ad acta gelegt hast, als es nicht funktionierte. Als man länger nichts von Spector hörte, rechnete ich schon fast damit, dass das Nächste, das man von dir hört, wieder von einer neuen Band ist.

Ist schon wahr, früher habe ich immer neu angefangen. Aber in dieser Band stehen wir uns sehr nahe, wir vertrauen uns, als Freunde und musikalisch. Da ist es dann wie in einer Beziehung – wenn man es erst mal zu einem gewissen Punkt gebracht hat, gibt man das nicht so leicht auf. Die anderen Bands waren auch mehr meine eigenen Projekte, hier aber sind es vier Leute, die ihre Köpfe zusammen stecken, die sich als Band fühlen. Deswegen funktioniert’s. Okay, wenn die Songs, die wir fürs zweite Album geschrieben haben, nicht gut genug gewesen wären, würde ich vielleicht anders denken. Aber ich finde, wir haben uns echt gut entwickelt, haben unseren Sound ausgearbeitet und echt gute Songs sind dabei heraus gekommen. Das gibt mir das Gefühl, dass es das definitiv Wert war, das durchzuziehen.

Auf jeden Fall – ich finde es prima, dass Du Spector nicht hast auslaufen lassen, denn die Platte ist stärker, raffinierter.

Genau. Wir hatten diesmal mehr Zeit als bei der Ersten. Damals war uns nur klar, dass wir große, schnelle Songs schreiben wollten. Das erste Album, das war sehr emotional, aber es war auch ein ziemliches Allerlei. Dieses Mal haben wir alles ein bisschen sorgsamer ausgewählt, und uns mehr Gedanken über die Produktion gemacht. Früher waren wir ziemlich bombastisch, das haben wir diesmal gebremst, das passte besser zu meinem Gesang und unserer Art, wie wir spielen. Unser neuer Gitarrist kam nicht von außen, sondern Danny, unser Drummer, hat übernommen. Im Studio hatten wir also keinen „realen“ Drummer. Für die Produktion der Sogs passte das sogar besser. Jetzt, wo die Platte fertig ist, haben wir für die Liveshows einen neuen Drummer gefunden.

Ich glaube, wir kommen auf dieser Platte einem eigenen Spector-Stil näher: Die Texte sitzen genauer auf den Punkt, und die Musik traut sich mehr. 

Yeah. Ich hoffe absolut, dass das so ist. Und ich hoffe, auf dem nächsten Album kommen wir dem noch näher. Es ist wichtig für eine Band, dass sie ihre eigene Identität hat – man will sich ja nicht immer nur auf andere Bands berufen, man will heraus finden, wer man selbst ist, etwas über sich lernen, es ist ja auch ein bisschen Therapie. Es geht um die Fragen, die man sich stellt. In den Texten spricht man oft die Dinge an, die man im realen Gespräche seinem Gegenüber nicht ins Gesicht sagen kann. Die dunklen, ehrlichen Dinge. Das ist, was dieses Album ist.

So kommt es auch bei mir an. Du hast „All The Sad Young Men“ schon erwähnt, das natürlich ein Schlüssel-Track ist. Der Text ist sehr desillusionierend: „I dont wanna make love, I don’t wanna make plans, I don’t want anyone to wanna hold my hand,…“ Das klingt nach einer entzauberten Generation. Nimmst du die Welt so wahr? Ist der Song aus deiner Sicht geschrieben, oder sind dies Beobachtungen, die du bei Anderen machst?

In einem gewissen Rahmen bin das ich. In dem Song geht es darum, älter zu werden und die Dinge weniger romantisch zu sehen. Vor allem, wenn man mitbekommt, wie die Städte sich verändern, das fällt in London ja extrem auf. Da sieht man, wie alte Menschen aus der Stadt gedrängt werden, wie alles teurer wird, alles auf die große Wirtschaft zugeschnitten wird, auf Investoren und Reiche. Es gibt immer weniger Künstler und Clubs, die Läden machen zu. Das bedeutet, dass sich die Subkulturen ins Internet verlagern, aber dort wirkt es nicht auf die gleiche Weise, oder? Wenn man in den Zeiten vor Youtube Musik sehen wollte, musste man in die Clubs und Bars gehen oder in die Plattenläden, und man lernte seine Gleichgesinnten von Angesicht zu Angesicht kennen. Heute ist es zwar leichter, diese Leute im Internet zu finden, aber das ist die Sache mit der neuen Technologie – während sie uns einerseits zwar näher bringt, entfremdet sie uns doch voneinander.
Der Song behandelt all das, was man von uns erwartet. Man bürdet uns Erwartungen auf, die noch aus der Generation unserer Eltern kommen: Als man, wenn man erwachsen war, heiratete, Kinder kriegte und sich niederließ. Heute wirkt das wie ein Konzept aus einer anderen Welt. Selbst wenn du dein Leben so führen wolltest, es ginge gar nicht, weil unsereins sich das gar nicht leisten kann. Schon die Vorstellung, Kinder in die Welt zu setzen, fühlt sich sonderbar an.

Ich bin zwar ein bisschen älter als du, aber meine Erfahrungen sind die gleichen. Ich frage mich auch: Könnte ich überhaupt eine Familie versorgen, so wie mein Vater mit seinem Gehalt ein Leben mit Frau, Kindern und Häuschen erarbeiten konnte? Nicht in München! Nicht, ohne dass meine Partnerin mitverdienen müsste.

Genau. Früher ging man außerdem auch zur Uni oder zur Kunsthochschule und hatte damit eine Zeit für sich, in der man ein bisschen experimentieren konnte. Da war man freier, auch das gibt es heute weniger.

Spector„It’s as meaningless now as it was meaningless then“– die Stelle ist wirklich desillusionierend. Siehst du da wenigstens einen Ausweg?

Okay, ein paar der Texte suhlen sich vielleicht ein Bisschen im Negativen, weil ich in dem Moment wirklich schlecht drauf war, und die Texte sich dann auch nur auf diesen Moment beziehen. Aber ich glaube, dass ein Element der Hoffnung immer wichtig ist und auch wenn das Album ziemlich heftig sein kann, denke ich, ist dieses Element der Hoffnung vorhanden. Ein Element, das sagt, dass die Liebe dich befreien kann und dass es da draussen noch Romantik und Abenteuer gibt, dass man sie nur finden muss.

Ich finde es gut, dass du darüber singst. Denn mir scheint es im Moment so zu sein, dass extrem viel Musik nach innen gerichtet ist. Musik, die von einzeln agierenden Musikern gemacht wird, damit sie auf Kopfhörern gehört wird. Gitarrenmusik ist dagegen was Gemeinschaftliches, weil a) die Bands selbst interagieren und zusammen arbeiten, und man b) ein Band-Konzert gemeinsam erlebt, mit anderen Leuten. Ich muss sagen, dass sowas wie FKA Twigs an mir komplett vorbei läuft – das ist keine Musik, zu der man sich in den Armen liegt, das ist Musik, die man sich aufs Ohr tut, wenn man alleine daheim ist und seine Ruhe sucht.

Yeah. Deswegen versuchen wir auch, unsere Texte leicht verständlich zu halten. Die sind nicht abstrakt oder psychedelisch, man kann recht leicht nachvollziehen, worüber ich singe.

Man nennt diese Generation ja auch Generation Selfie. Jeder ist total auf sich selbst fixiert, Wo kommt dieser Selfie-Craze her? Kameras gibt es ja schon Ewigkeiten, aber die Leute haben nicht permanent Selbstporträts gemacht. Selbst als Polaroid-Kameras neu waren, hat man andere Dinge fotografiert als sich selbst.

Ja, das ist wahr. Die sozialen Medien und die Cameraphones haben alles kommodifiziert, und jetzt behandelt sich jeder, als wäre er eine Marke oder eine Ware. Man zählt seine Twitter Follower, Facebook Freunde und Facebook Likes und bemisst daran seinen eigenen Wert. Diese Dinge, die uns scheinbar miteinander verknüpfen, entfremden uns doch auch voneinander. Die Leute stehen sich heute weniger nahe als in früheren Generationen, weil deren gemeinsame Erfahrungen auf etwas Realem basierten. Aber heute sind selbst meine Eltern auf facebook, auch sie teilen heute mehr virtuell mit ihren Freunden, anstatt tatsächlich was mit ihnen zu unternehmen und ihre Gesellschaft zu genießen. Schon komisch, wie schnell das angenommen wurde. Ich habe das im Text zu Bad Boyfriend angesprochen: „My battery is 10 percent – let’s generate content“. Nur noch schnell was online stellen, bevor die Batterie alle ist, egal was! „I’m a good listener when it’s just me talking“ – man sendet Dinge nach draußen, aber letztlich redet man zuerst mit sich selbst, das ist eine Echokammer.
Twitter hat sich bei politischen Entwicklungen schon positiv ausgewirkt, okay, aber letztlich machen die sozialen Medien uns selbstzentrierter und weniger verbunden mit Anderen. Deswegen fühlt sich auch die Liebe immer mehr wie etwas fremdartiges an. Ich glaube, dass wir heute darauf komplett anders auf die Liebe eingepeilt sind – und auch das ist ein Thema, das auf dem Album angesprochen wird. Das erste Album, da ging es noch um die Suche nach der unschuldigen Liebe. Das Album wollte deine Aufmerksamkeit und es ging auf und ab. Dieses Album geht darum, wie man mitbekommt, dass sich im Technologie-Zeitalter die eigenen Emotionen verändern. Es gibt youtube erst seit 10 Jahren! Trotzdem fühlt es sich an, als sei es immer schon Teil unseres Lebens gewesen.

Glaubst du, dass es eine Gegenbewegung geben wird? Dies ist ein Gespräch, das ich schon mit anderen Leuten geführt habe – darüber, wie sehr es die Leute beschäftigt sind, was Andere von ihnen für einen Eindruck haben, und wie sehr sie an diesem Eindruck ihren Wert bemessen und ob es ihnen gut geht oder nicht. Es muss doch zwangsweise zu einem Moment kommen im kollektiven Bewusstsein, an dem wir merken: Das kann’s nicht sein!

Ich möchte das hoffen – ich glaube aber auch, dass die Konzerne, die diese Technologien bereit stellen, heute so mächtig sind und der Markt so groß ist, dass es schon was Großes bräuchte, dass wir die Gefahren der sozialen Medien wahrnehmen und den Würgegriff, in dem sie uns halten. Einen Entwicklungssprung, einen Fallout oder einen totalen Stromausfall. Ich bin aber auch ein Heuchler, denn natürlich nutze ich Twitter. Facebook habe ich mir aber dafür abgewöhnt. Ich hatte diesen inneren Druck, es morgens und abends zu checken.

Ich bin auf facebook, aber ich glaube, ich habe das im Griff. Ich schaue normal vielleicht zwei Mal am Tag drauf. Aber ich kenne Leute, die Prüfungen verbockt haben oder Semester wiederholen mussten, weil sie ihr Leben nur noch auf Facebook verbracht haben, und die regelrecht auf Entzug gehen mussten.

Yeah. Ich erinnere mich noch, als ich aufwuchs, da hatte nicht mal jedes Haus Internet. Und heute ist das erste, was man macht, wenn man irgendwo hin kommt, online zu gehen. Die Kinder wachsen auf und um sie herum sind ipads. Ich wurde groß, als der ipod gerade neu war und ich erinnere mich an die Zeit davor eigentlich als eine sehr glückliche.

Ich gehe mal weiter zu einem anderen Song,„Stay High“ – es geht darin darum, den Enthusiasmus innerhalb einer Beziehung aufrecht zu erhalten?

Jein – was ich sagen will … es gibt Beziehungen, die nicht laufen, wenn man nicht gemeinsam was trinkt oder auf was drauf ist. Man sucht Ablenkungen, weil die Beziehung sich im Kern lange schon abgenutzt hat. Also redet man über was anderes und versucht, sich in Restaurants und mit Kinobesuchen darüber hinweg zu täuschen, dass die Beziehung nur noch auf einer Lüge basiert. Sowas gibt es doch gar nicht mehr, die „wahre Liebe“, daran ist nichts mehr wahr. Es ist eine moderne Art der Verleugnung. Man macht uns diese idealen Beziehungen mit Traumpaaren vor, wie man die Karotte vor den Esel hängt, aber in echt gibt es sie nicht.

Verstehe, aber ich habe den Text tatsächlich erst anders wahr genommen. Es ist ja so, das Gehirn reagiert auf die Liebe wie auf eine Droge und entsprechend gewöhnt man sich daran und die Effekte lassen nach. Ich fand: Wenn das Paar im Song etwas unternimmt, um die Sache interessant zu halten, dann gibt es sich wenigstens Mühe – anstatt einfach nur zu sagen: „Och, dann probieren wir’s halt mit der nächsten Person!“

Ich denke, du hast nicht Unrecht. Aber manchmal, im letzten Jahr einer Beziehung, da kann man sich einfach komplett ausgelaugt fühlen. So sehr, dass du nicht mal mehr weisst, was euch zwei mal zusammen geführt hat. Der Song behandelt auf jeden Fall eine Beziehung, bei der die Luft raus ist. Wenn man nur noch irgendwie Abwechslung oder Vergnügen sucht, um die Liebe am Laufen zu halten. Aber darum geht’s, glaube ich, insgesamt auf dem Album. Darum, seinen Spaß zu finden, auch wenn die äußeren Umstände sehr trist sein mögen.

Vor drei Jahren in eurem Tourbus warst du über eine Sache sehr bestimmt: Das zweite Album sollte genau 10 Songs haben.

Stimmt – und wir haben auch viel darüber gestritten. Aber wir konnten uns einfach nicht einigen, welchen der elf Songs wir runter schmeißen, damit es zehn werden. Wenn es nur nach mir gegangen wäre, dann hätte dieses Album 10 Songs. Aber immerhin, das letzte hatte noch 13, wir sind also unterwegs in der richtigen Richtung. Moderne Alben sollten einfach kürzer sein. Dies ist immerhin schon mal kürzer als das Erste und die nächste wird noch mal kürzer, da bin ich mir sicher.

Einer der Producer auf dem Album ist Dev Hynes. Welchen Beitrag hat er mit eingebracht?

Er war richtig gut darin, unsere Vorstellung davon, wie eine Band zu klingen hat, aufzubrechen. Im Studio ist er ein echter Freigeist, er ist viel mehr Produzent als Performer. Ein Song wie „Kyoto Garden“ zum Beispiel – den haben wir zwar nicht mit Dev gemacht, aber wir hätten ihn gar nicht erst schreiben können, wenn wir nicht vorher mit Dev gearbeitet hätten. Seinetwegen habe ich viel mehr Dinge gesucht, die man loopen kann, um Atmosphären zu schaffen, anstatt mich einfach nur an die Gitarre oder ans Klavier zu setzen, die Akkorde zu finden und den Text zu suchen. Unser Schreibprozess ist jetzt sehr viel mehr von elektronischer Musik beeinflusst. Auch „Believe“ basiert zuallererst auf einer Loop. Als wir noch zu fünft waren, da fanden wir, alles muss auch so klingen, wie wenn es von fünf Leuten live gespielt wird. Heute finde ich Platten spannender, wenn sie dich auf einen anderen Weg bringen, wenn’s nicht immer nur Gitarren gibt. Aber auch nicht nur Synthies. Jedenfalls, Dev hat uns gefordert, mal mehr über den Schreibprozess nachzudenken. Er hat uns auch davon abgebracht, zu glauben, dass ein Song besser wird, je mehr Zeug man drauf packt.

spector 2Themawechsel. Wie denkst du zur Zeit über die UK Charts – haben die noch Aussagekraft? Wird der Charteinstieg von „Moth Boys“ dir irgendwas bedeuten?

Naja, an den Charts liest man immer noch die Meinung der Öffentlichkeit. Klar, manchmal, wenn man die Charts so sieht, will man da gar nicht dazu gehören. Ich versuche aber auch, das, was in den Charts ist, nicht zu streng zu beurteilen. Auch wenn die Geschmäcker der Leute, die da repräsentiert werden, nicht unbedingt meinem entsprechen, sehe ich doch ein, dass die Charts letztlich wiedergeben, was im Radio läuft und wer bereits populär ist. Die Charts sind, was sie sind. Wichtiger ist aber letztlich, sein Publikum zu finden und mit diesem seine Verbindung zu haben. Lieber erreiche ich die Leute da draußen mit Songs, zu denen die Leute eine echte Verbindung spüren können. Wenn wir das tun können, wäre das unser Erfolg. Aber klar, man muss auch eine gewisse kommerzielle Präsenz haben, um das Ganze dauerhaft betreiben zu können.

Eure Fanbase habt ihr ja, eure Tourneen auf der Insel laufen gut. Und Bands machen heute ja mehr Geld von den Touren als von den Platten.

Total, Touren ist sogar die einzige Möglichkeit, überhaupt Geld zu machen – und es ist auch das, was ich am meisten mag in diesem Business. Und das gute am UK ist, dass man auch dann ordentliche Tourneen spielen kann und gute Positionen auf Festivals bekommt, wenn man nicht unbedingt die Charts stürmt. Wenn man sich sein Tour- und Festival-Publikum erarbeitet, ist man nicht davon abhängig, eine Chartband zu sein. Trotzdem, es würde natürlich helfen, wenn man dort oben stünde.

Weisst du denn,  wo euer Publikum euch her kennt? Hast du da mal rumgefragt?

Gute Frage! Ich denke, da gibt’s mehrere Möglichkeiten. Am Anfang haben wir Tourneen mit Florence + The Machine gespielt, und ich schätze mal, viele Leute haben uns dort zum ersten Mal gesehen. Wir waren auch in einer TV Show, der Moderator heisst Joolz Holland – auch das wurde von vielen Leuten gesehen. Ansonsten ist da natürlich das Internet und ich denke, dass unsere Videos auf youtube von einigen Leuten gesehen wurden.

Jetzt wollte ich dich eben zu einem der Bonustracks befragen. Da gibt es nämlich einen, der heißt „Reeperbahn“. Das interessiert uns natürlich.

„Reeperbahn“ war der erste Song, den wir nach dem ersten Album geschrieben haben. Wir haben dazu dann auch ein Video in Hamburg gedreht. Er ist dann aber nie als Single veröffentlicht worden, und als wir mit dem zweiten Album fertig waren, passte er nicht mehr in den Zusammenhang. Aber wir mochten den Song und haben an ihm festgehalten, denn es gibt vieles an dem Song, das wir lieben. Er ist auch oft von uns live gespielt worden. Als wir mal in Hamburg waren, gingen wir auf die Reeperbahn und guckten uns die Straße an, wie britische Touristen. In dem Moment griffen ein paar Ideen, die ich schon gehabt hatte, ineinander, und so entstand der Song. Ich finde, die Reeperbahn ist eine prima Thema für einen Song. Schon das Wort klingt interessant für britische Ohren. Und der Ort hat natürlich einen Ruf in England – wenn Engländer die Reeperbahn besuchen, dann, um dort die Sau raus zu lassen. Sie lassen so richtig exzessiv Dampf ab. Darum geht’s in dem Song – gleichzeitig geht es aber irgendwie auch darum, sich wieder mit Leuten zu verknüpfen, die man von früher kannte. Die Reeperbahn als Ort der Verruchtheit und des Spaßes und sich-Gehen-Lassens ist in dem Fall auch eine Metapher.

So, wie geht’s weiter? Was passiert, wenn die Platte draußen ist?

Na, erstmal werden wir touren. Wir sind auf Tournee im Oktober, erstmal ein paar Wochen im UK – danach geht’s zum ersten Mal für uns nach Mexiko, darauf bin ich sehr gespannt. Danach hoffentlich Kontinentaleuropa. Wichtig wird aber auch sein, dass wir, jetzt, da wir unseren Sound klarer etabliert haben, unser drittes Album erheblich schneller nachlegen als das zweite. Ich hoffe, dass es nicht noch mal drei Jahre dauert, bevor wir zwei wieder reden.

Okay, letzte Fragen! Ich frage etwas, das nichts mit Musik zu tun hat, sozusagen persönlich. Was war das Letzte, über das du dich aufgeregt hast, und was hat dich als letztes zum Lachen gebracht?

Aufgeregt hat mich, als ich gelesen habe, dass England weitere Milliarden Pfund für das Trident Nuklear-Programm ausgeben will. Gestern war auch noch der Jahrestag des Bombenabwurfs auf Hiroshima – und da war ich einfach sauer, dass wir im UK immer noch so wahnsinnig viel Geld für Nuklearwaffen ausgeben. Denn ich finde, die braucht kein Mensch und niemand sollte welche haben. Das war also, was mich wütend gemacht hat.
Was hat mich zum Lachen gebracht? Das ist gar nicht so leicht. Ich lache viel, aber den genauen Anlass zu finden, das ist schwierig. Naja, gestern Abend war ich mit der Band unterwegs – und es ist nicht so, dass wir im normalen Leben abseits der Band so oft gemeinsam was unternehmen. Gestern aber schon, da waren wir mal zu viert feiern, und besonders unser Keyboarder Danny haut immer mal Sprüche raus, bei denen ich mich wegschmeiße!

Okay, vielen Dank, meine Zeit ist jetzt um! Dann hoffe ich, dass eure Tour euch auch nach München führen wird!

Na, da sehen wir uns dann hoffentlich wieder!

Genau – dann vielen Dank, viel Erfolg mit dem Album und einen schönen Tag noch, Bye!

Danke, Bye!

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