Review: HEALTH

DEATH_MAGIC_cover_art1.jpg042415104425HEALTH – „Death Magic“

Viele von Euch haben ein HEALTH-Album daheim, ohne dass sie es wissen. Die Industrial-Gazer aus L.A. haben den Soundtrack fürs Computerspiel „Max Payne 3“ geliefert, weil jemand bei Rockstar Games meinte, sie seien genau die richtigen, um eine futuristisch-distopische Atmosphäre zu schaffen (und Recht hatte). Was auch bedeutete, dass HEALTH umso länger brauchten, um mit „Death Magic“ den regulären Nachfolger ihres letzten Albums auf den Markt zu bringen – „Get Color“ erschien 2009.

HEALTH ist eine Band, die ich bisher sehr spannend fand – aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich Fan war. Sie können halt schon ziemlich brachial sein und werden nicht umsonst als Industrial kategorisiert – und ich bin und bleibe nun mal ein Popkid. Trotzdem gab’s immer die Momente, wo wir uns überschnitten: „USA Boys“ (2010) zum Beispiel legte auch ich regelmäßig im Atomic auf, speziell wenn ich gegen Ende des Abends übermütig/betrunken wurde, um selbst den Dancefloor zu stürmen – die Nummer hat ein sinistres Keyboardriff, das dich hypnotisiert und dir dann fein säuberlich die Schädeldecke wegfräst. Die Nummer ist der Wahnsinn, auch fünf Jahre danach.

Ich hatte trotzdem keine großen persönlichen Erwartungen ans neue HEALTH-Album. Ich dachte, okay, mit Glück sind wieder ein, zwei Tracks drauf, die mir mit einem gewissen Grad an Poppigkeit entgegenkommen – aber normal ist die Band nun mal sperrig und schroff und mehr was für NIN-Fans als für mich.

Ich habe mich geirrt.

„Death Magic“ ist HEALTHs Popalbum. Die Platte ist so voller brachialer Monster-HITS, dass ihre Langzeitfans bestimmt gerade alle kotzen vor Wut und „Sellout!!“ schreien. Ich aber, der als Pop-Fan von der anderen Seite kommt, kreische vor Begeisterung.

HEALTH 2Ich muss was gestehen: Ich hab’ ein kleines, winzigkleines Faible für EBM-Sounds. Überhaupt nicht geht für mich die militaristische Ästhetik und den Springerstiefel-Machismo, den man mit dem Genre verbindet – deswegen würde man mich niemals mit einer Front 242 oder einer VNV Nation-Platte erwischen. Aber so richtig reindreschende Goth-Synthies, die können schon auf mich wirken. Das höre ich und denke mir: „Oh Mann – Müssen die so alberne Klamotten tragen und muskulös rumstampfen? Ohne das abstoßende Drumrum wäre die Musik fei überhaupt nicht unbedingt beschissen!“

HEALTH setzen elektronische Keys so ruppig ein, dass ich mich frage, ob das nicht näher an EBM dran ist, als mir und anderen Hipstern lieb ist. (Ich weiss es nicht, echt nicht, weil ich EBM normal einfach der Konnotationen wegen nicht ertrage.) Aber die Säusel-Stimme von Sänger Jacob Duzsik ist halt sowas von Anti-Macho – da kommt kein EBM-Verdacht auf.

Mich erinnert der Kontrast von Noise und Nettigkeit an das, was die Shoegazer machen: Shoegazer verbinden bekanntlich kreischendes Feedback und lieblich verträumten Gänseblümchen-Gesang – HEALTH verknüpfen diese Art Gesang halt mit Crystal Castles-scher Gothtronica. Mal sind die beiden Elemente im Song streng getrennt, mal ist der Übergang fließender. Es gibt Tracks wie „Dark Enough“, die führen den Hörer in eine digitale (Alp-)Traumlandschaft, es gibt Tracks wie „Salvia“, da herrscht eine dunkeldüster-klaustrophobische 1984-Atmosphäre und der Gesang wirkt wehrlos, zerbrechlich. Beides spannende Kombis.

Und dann gibt es „Life“: Den stampfenden Glitzer-Pop-Triceratops. „Life“ ist MGMTs „Kids“ mit Reißzähnen und einer Diskokugel in den Klauen, die sie dir links und rechts und links und rechts gegen den Schädel drischt. Was. für. ein. HIT! (Ach ja, „L.A. Looks“ haut noch mal in die gleiche Kerbe, um ganz sicher zu gehen.)

HEALTH haben hier ein Album hingelegt, das mich auf mehreren Ebenen ziemlich flasht. Mal sind es die echt packenden Atmosphären und die elektrisierenden Dynamiken, die mich mitnehmen – und dann sind da diese unglaublichen Pophits, die ich von dieser Band so unverschämt breitenwirksam nie erwartet hätte. Eine Presslufthammer-Platte.

HEALTH wert

NEW COKE BY HEALTH from Loma Vista on Vimeo.

3 Kommentare zu „Review: HEALTH“

  1. Danke, dass du mich auf die Platte aufmerksam gemacht hast. HEALTH haben mich zwar mit dem Max Payne Soundtrack sehr beeindruckt, aber disco2 war mir dann doch etwas zu haudrauf.

    „Death Magic“ hat mich – bei allem Pathos – überrascht, da es oft unerwartet weich ins Ohr wandert. Und einige der genialen Sounds aus dem MP-Soundtrack bekommen ein verdientes Comeback.

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