Review: MS MR

MS MRcoverMS MR – „How Does It Feel“

Lizzy Plapinger wusste bisher sehr, sehr genau, was sie tat. Die Dame ist eine Tastemakerin. Sie erkennt und kreiert Trends, das sogar ist ihr Job. Plapinger ist schließlich Mitbegründerin des Style-Pop-Labels Neon Gold (u.a. Charlie XCX, Passion Pit, HAIM, St. Lucia). Aber als sie 2011 auf den Producer Max Hershenow traf, da zeigte sie, dass sie ihre Wunschvorstellung, wie sophisticated Pop klingen soll, nicht nur über andere Bands definieren kann – sondern dass sie diesen Pop auch selbst kreieren kann. Lizzy und Max wurden zu MS MR und planten sehr modern und schlau ihre Karriere. Zuerst veröffentlichten sie ihre Lieder über Tumblr, auch versahen sie alle Songs gleich mit Videos, sie hatten also eine sehr klare Vision nicht nur von ihrer Musik, sondern eines Gesamtbildes MS MR aus Sound, Style, Fashion und Farbe.

Perfekt kulminierte das eigentlich schon auf ihrer ersten EP „Candy Bar Creep Show“ – vier Songs, die großartigem Synthpop einer kühle, edeldüstere Note mitgaben. Es war, als hätte sich 80s-Goth-Queen Siouxsie Sioux als New Yorker High Society-Event-Veranstalterin wieder erfunden. Hochgradig chic, aber mit tiefschwarzer Unterströmung,

Schon das erste Album „Secondhand Rapture“ war für manche dann die erste kleine Enttäuschung, weil es erstens alle vier Songs der EP wiederholte und zweitens deren Level nicht über seine 12 Songs halten konnte. Aber es gab ein paar Farbtupfer wie die flotte Single „Fantasy“ oder – mein Favorit – den sehr untypischen Mitklatsch-Song „Salty Sweet“. Alles in allem war es dann doch eine Pop-Platte mit viel Stil, auf hohem Niveau, und sie anzuhören, war immer ein Vergnügen.

MS MR 2bSo weit, so ordentlich. Aber vor ihrem zweiten Album stehen MS MR ganz offensichtlich vor einem Problem. Vor der Frage „Was nun?“ nämlich. So wirkt es zumindest. Das Debüt, es schien mit so großem Spaß an der Sache geplant – da hatte sich erkennbar jemand genau vorgestellt, wie eine perfekte Pop-Platte klingen sollte, und dies dann realisiert wie einen Traum, den man wahr werden lassen konnte. Und tja, das war jetzt geschafft. Die neue Platte, sie klingt jetzt wie „Naja, dann machen wir mal weiter, oder?“

Ich meine, „Secondhand Rapture“, das ist ja sogar schon ein ganz anderer Albumtitel. „Entrückung aus zweiter Hand“, was soll das aussagen?! Da denkt man drüber nach! Man weiss, da hat die Band sich was dabei gedacht – und man überlegt: „Was wohl?“ Dieser Titel bezieht einen ein, er stellt ein Rätsel. „How Does It Feel“ dagegen? Das ist ein wischi-waschi-Allerwelts-Titel! Es ist der Name eines Songs, okay, verstanden. Aber ich bleibe dabei: Letztes Mal steckte ein Gedanke hinterm Albumtitel. Dieses Mal: „Nehmen wir halt den Titel von ’nem Song“. Entschuldigt mich, wenn ich sowas bezeichnend finde.

MS MR 1bDabei ist „How Does It Feel“ keine schlechte Platte. Es wäre nicht mal korrekt zu sagen, dass MS MR sich einfach nur wiederholen – denn alle neuen Songs variieren auf ihre Weise die MS MR-Formel, so dass nicht mal Langeweile aufkommt. Fakt ist trotzdem, dass Lizzy und Max hiermit ein Album gemacht haben, das uns letztlich genau das Gleiche erzählt, was uns „Secondhand Rapture“ schon erzählt hat. Weswegen einfach ein Überraschungsfaktor fehlt.

Dass sich die Platte in einem Sound bewegt, an dem in den letzten Jahren ein Überangebot herrschte, wirkt sich auch natürlich auch nachteilig für das Duo aus. Es ist einfach so:„How Does It Feel“ ist keine Muss-Platte – man wartet ja auch nicht nägelkauend auf Neues von Niki & The Dove. Es ist das zweite Album einer Band, die vor zwei Jahren trendy war, und die letztlich weder genug dafür getan hat, um vorne zu bleiben, noch, sich vom Trend zu lösen.

Wie oben schon gesagt, kann man an den einzelnen Songs dabei nicht mal viel aussetzen. Die sind teilweise richtig gut – die Single „Painted“ hat einen starken Start mit ihrer insistierenden Gesangs-loop („What did you think would happen?“), mein Favorit „Tripolar“ hat auch eine als Bassline funktionierende Keyboard-Loop, die sofort zur Hookline des Songs wird. Trotzdem, MS MRs Versäumnis, sich vorwärts zu entwickeln, macht aus ihrem zweiten Album letztlich weniger als die Summe seiner Einzelteile.

MS MR Wertung

MS MR „Painted“ from Tabitha Denholm on Vimeo.

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