Review: Morning Harvey

MorningHarveyMorning Harvey – „Love&Loveand.“ EP

Manchmal, das weiss ich ja selber, haben Bands es echt zu leicht bei mir. Morning Harvey zum Beispiel. Die habe ich gleich ins Herz geschlossen, als letzten April ihre Single „Girl Euphoria (Come Back To Me)“ erschien. Nicht, weil der Song so originell gewesen wäre – sondern weil er so haargenau das aufgriff, auf das ich musikalisch geprägt wurde: Die Prä-Britpop-Gitarrenphase aus Manchester. Die Sounds, die man hierzulande „Rave“ und auf der Insel „Baggy“ nannte. Die Kiste The Charlatans, Stone Roses, Blur zur „Leisure“-Ära, „Pills’n’Thrills’n’Bellyaches“, „Screamadelica“, ganz frühe Verve (noch ohne „The“). Die Nummer hatte diesen schuggernden Mid-Tempo-Groove, bei dem man quasi automatisch in den federnden Ian-Brown-Gang verfällt, und dazu Gitarren satt. Wie gesagt, einen Originalitäts-Preis verdienen Bandkopf Spencer White und seine Jungs nicht, zumal als Australier (Morning Harvey stammen aus Brisbane), wo dieser Sound mit Jagwar Ma, Deep Sea Arcade, DMA’s und Co ohnehin gerade einen Boom erlebt. Aber hey, es ist ein Sound, mit dam man mich um den Finger wickelt.

Letzten Spätsommer kam dann die zweite Single „T.I.D.E.“ und sie änderte am Konzept der Band mal genau gar nichts. Aber ich liebte es immer noch.

Ende März dann ihre dritte Single „Smith Street Swap Meet“ und wieder: Midtempo-Swagger, Funky Drummer, Gitarren – voll mein Ding.

Allerdings, nach drei sehr gleichartigen Singles muss die Band jetzt zeigen, dass sie mehr kann. Und da kommt sie, die erste 5-Track-EP von Morning Harvey! Ui, ich bin gespannt.

morning harveyErste Enttäuschung: Alle drei bisherigen Singles sind auf der EP vertreten. Es gibt also nur zwei neue Songs. Kein rasant schnelles Output, „Girl Euphoria“ ist inzwischen schließlich seit 15 Monaten draußen. Aber gut, was liefern die zwei neuen Songs?

„Pinch Me Velvet“ eröffnet die EP und spielt tatsächlich genug mit der Formel, dass ich zufrieden bin. Der Rhythmus ist hier ein stampfender 4/4-Beat, das hat was Sixties-eskes. Das euphorische Gitarrenriff erinnert mich an die besten Zeiten der Stone Roses (auch wenn der Gitarrist hier natürlich kein John Squire ist), die Aaaaah-Aaaaahs sitzen perfekt – das Stück ist brillant, so quasi die Mitte zwischen „I Am The Resurrection“ und „I Wanna Be Adored“

Neu ist auch Song 5, „Quince“. Auch der liefert Variation, denn zwar ist er näher an Morning Harveys Singles, aber dies ist ihr bisher am meisten träumerischer Song: Mit psychedelischer Note und schwurbelnder Keyboard-Loop wird er quasi zu einer Mischung aus Rides „Howard Hughes“ und Verves „Gravity Grave“. Hach, ich LIEBE sowas.

Fazit also: Für eine Debüt-EP ist das richtig stark und extrem vielversprechend. Allerdings, wenn ein ganzes Album ansteht, sollten Morning Harvey versuchen, ein bisschen mit den Tempi und den Arrangements zu spielen. Wenn sie das hinkriegen, steckt möglicherweise ein richtig tolles Album in ihnen – aber selbst, wenn sie sich weiter wiederholen, werden sie mich vermutlich immer noch glücklich machen. Weil dies eben der Sound ist, für den ich anfällig bin.

morning harvey wert

p.s. Sieh an, ich habe Quatsch erzählt – dies ist streng genommen nicht Morning Harveys Debüt, sondern ihre zweite EP – schon im Mai 2013 erschienen 5 Tracks über Bandcamp. Aber das war noch ohne Label und alles… anyway, wir warten auf’s Album: Aber bei MHs bisheriger Quote von 5 Songs in 2 Jahren halten wir so lange nicht die Luft an.

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