Vinterview: Spector

Vinterview Header Spector2010 begann ich mit dem Bloggen, damals unter der Webadresse hennissey.piranha.tv. Doch letzten Sommer wurde mein Blog leider gelöscht. 

Viele (leider nicht alle) meiner alten Interview-Transkripte habe ich noch auf meinem Laptop – und weil’s ja auch irgendwie schade wäre, wenn sie da versauern, werde ich sie hier nun nach und nach wieder online stellen. Diese “vintage Interviews” (Hüstel!) nenne ich “Vinterviews”.

Wir warten seit 2012 aufs zweite Album der Briten Spector – die Band um Fred MacPherson, eine polarisierende Charakterfigur. In den letzten Monaten haben Spector dafür drei Singles heraus gebracht, insofern kann es ja nicht mehr so lange dauern? Dieses Interview erschien auf meinem alten Blog kurz nach der Jahreswende 2013 – es ist eins meiner persönlichen Favoriten. Die Überschrift lautete:

Vier Morrisseys und ein Wayne Rooney

So – das neue Jahr 2013 hat begonnen. Mit dem neuen Jahr kommen auch immer die Vorhersagen, welche Band bald groß rauskommen soll.

Ein guter Moment, mein Interview mit Spector endlich auf den Blog zu stellen. Denn vor genau zwölf Monaten tippten die BBC, der Guardian und viele mehr auf den großen Durchbruch dieses Londoner Quintetts, das mit unverschämter Offenheit auf typisch britischen Gitarrenpop setzt und dem mit Sänger Fred Macpherson einer dieser ebenso typisch britischen Frontmänner vorsteht: Typ Schlauberger / Dandy, siehe Jarvis Cocker, Morrissey, Brett Anderson

Nun gut, der prophezeite Mega-Erfolg, er hat sich (noch) nicht eingestellt. Es lief durchwachsen bis okay für Spectors Debütalbum „Enjoy It While It Lasts“. Was aber einen guten Anlass gibt, um über über die Ziele und Inhalte von ihrer Musik sowie über Gitarrenpop auf der Insel und dem Rest der Welt gemeinhin zu diskutieren, im Jahr 2012 und im Jahr 2013.

Schön: Fred MacPherson entpuppte sich in der Tat als unbremsbares Motormouth. Der Mann redet und redet und redet. So soll es sein.

Ganz lustig: Ich spreche die Band vor ihrer Supportshow mit Florence + the Machine im Münchner Zenith. Da Florences Management im Backstagebereich auf wichtig macht, fragt der Tourmanager, ob wir woanders sprechen können. Ich schlage den Tourbus vor, hinter der Halle habe ich schließlich vier Mega-“Nightliner“ stehen sehen. Okay, Spector kommen also, alle fünf, und sie führen mich… zu einem kleinen Sprinter-Van, der versteckt zwischen den Doppeldeckern steht. Wir lernen: Spector und Florence mögen das gleiche Management besitzen, aber fürs Privileg des Mitfahrens im Nightliner reicht das noch lange nicht. Okay, wir verteilen uns auf die Sitze des Vans und legen los.

Ich war recht überrascht, in Interviews von Euch zu lesen, dass Eure Idole die Bands der 2003-2005er Szene sind, also Maximo Park, Franz Ferdinand und Co.

Fred: Ja!

Vielleicht ist es, weil ich etwas älter bin, aber mein erster Eindruck war: Die Glam-Variante des Britpop.

Fred: Aha!

Bands wie Suede, Pulp, Rialto, diese Art.

Fred: Ich denke, das kommt dem, was wir machen, in der Tat näher. Aber das war eine Art Musik, mit der ich mich nicht so auskannte. Vermutlich sind ich und die die anderen Bandmitglieder unterbewusst mit dieser Musik aufgewachsen, aber bewusst habe ich sie nicht angehört. Die Bands, durch die wir zu Musikfans wurden, das waren diese Indiebands der frühen 2000er. Aber so, wie wir‘s rüberbringen, an der Grenze zum camp, dieses Britische, das ist vermutlich näher dran an Suede.

Chris: Natürlich sind auch viele der Bands, die wir gehört haben, aus Amerika. Aber das letzte Mal, dass wirklich britische Gitarrenbands obenauf waren, das war halt in jener Zeit. Es macht aber Sinn für mich, dass Du bei uns an Britpop denkst.

Fred: Also, grundsätzlich gesehen – dass wir die typischen Akkorde verwenden und diese ein bisschen verzerren, das ist schon sehr Britpop. Auch wenn ich uns jetzt nicht zuallererst mit Britpop-Band assoziieren würde, kann ich verstehen, wenn das passiert.

Der Ausdruck „Britpop“ ist ja auf der Insel auch irgendwie negativ behaftet. Im Rest der Welt nicht.

Fred: Na, wenn das so ist – dann bin ich für den Rest der Welt gerne Britpop. Stimmt, der Ausdruck ist durchaus negativ behaftet, das gilt ja auch für den Ausdruck „Indie Rock“. Alles, was es zu lange gibt, wird irgendwann negativ besetzt. Die Leute mögen den Gedanken nicht, dass jemand Musik macht, die nicht ausnahmslos fresh oder underground ist.

Ihr steht ja auch für einen gewissen Typ Band – die Band, die man eher in der Bücherei als im Fußballstadion antreffen würde.

Fred: Du wirst überrascht sein!

Tom: Im UK, wenn wir Shows spielen… also, Anfang des Jahres waren wir in einer TV Show namens Soccer AM, und ich glaube, wir haben da eine Art bleibenden Eindruck hinterlassen. Denn seitdem werden unsere Songs echt relativ oft in den Fussball-Sendungen eingesetzt.

Chris: Wenn man uns anguckt, vielleicht…

Fred: Genau, wenn man uns anguckt, dann denkt man das vielleicht mit den Büchereien. Aber unsere Musik, die spricht viele Leute deswegen an, weil sie ja doch sehr einfach gehalten ist, aber gleichzeitig diese… aufbrausende Unterströmung hat – dieses Ding, dass man dazu tanzen und herumspringen kann. Jedenfalls, was wir so im UK mitgekriegt haben – im Rest der Welt müssen wir noch mehr Wellen machen, um das beurteilen zu können – auf der Insel besteht unser Publikum doch sehr gleichteilig aus Menschen, die man in der Bibliothek und die man im Stadion treffen könnte. Und ich persönlich, ich bin weder an dem einen noch an dem anderen Ort oft. Ich lese meistens oder bin im Internet, ich kann in mir keinen Repräsentanten für entweder die eine noch die andere Kultur sehen. In die Bücherei gehen, ins Stadion gehen, das sind zwei völlig okaye…

Chris: … Aktivitäten.

Ich denke trotzdem, dass Du eher für den Typ Jarvis Cocker / Morrissey stehst, als für den Fußballfan.

Fred: Mit beiden würde ich mich natürlich nicht vergleichen wollen, aber ich denke, auch wir stehen für so etwas wie eine männliche Sensibilität. Was ja, glaube ich, erst im 21sten Jahrhundert auch zur Normalität geworden ist. Stimmt schon, gerade was die Texte angeht, da bin ich sehr nah dran an meinen Gefühlen, und ich versuche, die Welt so zu erklären, wie ich sie sehe – wovon ich wiederum annehme, dass andere Leute sie auch so sehen. So gesehen passiert da eine gewisse Intellektualisierung, zum kleineren Teil, und das Übersetzen von Gefühlen, zum großen Teil. Was uns letztendlich wohl mit diesen Bands in Verbindung bringt. Es ist jedenfalls nicht viel Machismo in unserer Band. Wir streiten auch nicht oft.

Und das, denke ich, betrachtet man im Rest der Welt schon als typisch britisch. 

Fred: Das höre ich gerne, denn ich frage mich oft, wie der Rest der Welt die Briten so sieht, bzw., wie das Ganze so verstanden wird im 21sten Jahrhundert.

Ich würde sagen, es gibt für „den Engländer“ hierzulande zwei Archetypen. Den Typen „Wayne Rooney“ und den Typen „Morrissey“. In Klischees gesprochen, natürlich.

Fred: Also, wir sind vier Morrisseys und ein Wayne Rooney. Aber ich sage nicht, wer das ist. (Alle lachen)

Alles klar. Ihr habt vor kurzem die Brixton Academy ausverkauft, ist das richtig?

Fred: Nein, das Shepard‘s Bush Empire war‘s. Noch nicht ganz die Brixton Academy, eine Stufe drunter. Natürlich wünschen wir uns, dass wir die Brixton Academy mal spielen, hoffentlich ist das das nächste große Venue, das wir anpeilen können. Wir haben uns unser Publikum jetzt aber Schritt für Schritt aufgebaut.

Shepard‘s Bush Empire ist immer noch groß. 

Fred: Das ist auf jeden Fall gut, ein paar Tausend passen da schon rein. Es ist ne echte Ehre. Aber wir haben noch ein gutes Stück vor uns. Ich will letztendlich vor so viel Leuten wie möglich spielen, und sie unterhalten. Warum also nicht den nächsthöheren Level anpeilen?

Meine Frage: Ihr habt also mehrere tausend Fans in der Halle…

Fred: Ja…

Also erreicht ihr die Leute, ganz offensichtlich. Ihr HABT ein großes Publikum. Habt Ihr Euch da gedacht: „Okay, wer von Euch hat sich auch die CD gekauft“?

Fred: Sehr wohl denkt man sich das! Ich habe das auf der Bühne sogar gefragt auf der letzten Tour: „Wer von Euch hat die CD gekauft?“ Denn heutzutage verkauft man mehr Tickets als CDs, was ja bedeutet, dass… Einmal hat mich jemand gefragt „Wann erscheint Eure CD?“, da war sie seit drei Monaten draußen. Es ist halt heute nicht mehr so, dass eine Tour als Werbung fürs Album dient, sondern so, dass die CD als Werbung für die Shows dient. Schon irgendwie interessant, zu wissen: Selbst wenn du zigtausend Tickets verkaufst, heißt das noch lange nicht, dass du auch zehntausend Alben verkaufst. Interessante Zeiten.

Legt Ihr dann besonders viel Wert auf die T-Shirt-Designs?

Fred: Nicht so viel, wie wir sollten. Denn wir werden vermutlich vom T-Shirt-Verkauf mehr Geld machen können als vom CD-Verkauf. Wir sollten vielleicht so viel Zeit für die T-Shirts aufwenden wie für die Songs!

Das kommt beim nächsten Bandmeeting auf die Agenda!

(Alle lachen) Fred: Genau!

Es gibt auf dem Album ja diese Stelle: Ihr unterbrecht den Song „Upset Boulevard“ mit einer Ansage: „Piracy is a crime, Hometaping is killing music.“ Ich dachte, ihr meint das als Witz. Ich meine, „Hometaping“ – wer benutzt heute noch Kassetten? Aber ihr habt richtig fiese Kritik für die Stelle einstecken müssen.

Chris: Genau! Wir haben das nur aufs Album getan, weil wir eine Message unterbringen wollten, dass die Vorstellung davon, was ein Album ist, sich geändert hat. Wer sich das anhört, ohne mitzudenken, der glaubt vielleicht: „Oh, die wollen ein Statement gegen Piraterie setzen.“ Aber wir sagen doch viel eher: Das gab es schon in den 80s, dass die Leute glaubten, Piraterie würde die Musik töten – und es ist nicht passiert.

Fred: Das ist wirklich die einzige Stelle auf dem Album, von der ich sagen würde: Das ist reine Ironie. Schließlich sind wir alle nicht unschuldig und kopieren uns sicher auch regelmäßig Musik. Deswegen „Hometaping“, denn diese Angst gab es schon damals. Genau so, wie Metallica dann Angst vor Napster hatten. „Oh, die Musik stirbt, weil die Leute ihr Vinyl jetzt auf Cassette übertragen!“ Mir ist es egal, ob die Leute unser Album downloaden, Hauptsache, sie hören es überhaupt, und es gefällt ihnen! Trotzdem finde ich den Gedanken witzig, dass jemand daheim sitzt, die Platte anhört, und plötzlich kommt da diese Stimme! Es ist ein Rapper, das ist Roots Manuva, der zufällig im Studio nebenan war. Dass da diese Stimme reinkommt, die so völlig anders ist als alles, was vorher auf dem Album so passiert ist, und ihnen ins Ohr sagt: Piraterie ist ein Verbrechen! Es ist ne kleine Verarsche der Leute, die panisch rumrennen in dem Glauben, dass die Musikindustrie am Ende ist, und davon, dass diejenigen, die am lautesten schreien, Millionäre sind, die sich Sorgen machen, nicht noch mehr Millionen zu verdienen – nicht die Leute, die jeden Pfund umdrehen müssen, aber happy sind, ihr Zeug vortragen zu können.

Ich habe ja wirklich Böses in der britischen Presse über die Textstelle gelesen. Habt Ihr das mal richtig gestellt?

Fred: Nein, richtig gestellt haben wir‘s nie. Und die Kritiker haben sich wirklich ziemlich darauf eingeschossen. Dabei ist es für mich fast der triumphalste Moment der Platte – weil es mit Abstand der ungewöhnlichste ist! Viele Leute mögen die Stelle sicher auch deshalb nicht, weil sie den Flow des Albums so unterbrochen hat. Das erwartet man einfach nicht von einem Pop-Album, oder einem Indie-Album, und für manche Hörer war das beinahe schockierend. Aber über kurz oder lang, glaube ich, wird man auf diesen Moment zurück blicken und sagen: Das war eines der ersten Anzeichen, dass mehr in Spector steckte, einer der ersten Samen, die wir gesät haben, die den wahren Charakter der Band zeigen. Ich LIEBE die Stelle, und wenn wir damit Kritiker ärgern, haben wir sogar etwas richtig gemacht. Denn es ist verdammt nicht mehr leicht heutzutage, Kritiker zu ärgern. Die kennen schon alles und sind gewohnt, dass alles auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner daher kommt, so dass man nur sagen kann: „Ganz okay“ oder „Nicht so doll“. Die Stelle aber hat die Leute so richtig aufgebracht.

Chris: Das geht ja auch einfach nicht, dass da eine Band daher kommt und auf ihrem Debütalbum mal eben die Zukunft der Musikindustrie diskutiert, oder? Und wir sagen ja auch nicht: So ist es, oder so. Wir sagen nur: Das Ganze ist irgendwie tricky. Schon witzig, dass die Leute so emotional drauf reagiert haben, und so eindimensional. Das fand ich am irrsten: Dass sich niemand den Gedanken gemacht hat, dass etwas mehr Bedeutung dahinter stecken könnte.

Sorry übrigens, ihr zwei auf der Rückbank, dass ihr so außen vor seid bisher…

Jed: Das passt schon!

Jedenfalls, Ihr habt das Shepard‘s Bush Empire ausverkauft, es läuft jetzt für Euch – und jetzt heisst es auch noch, dass die Gitarrenmusik bald wieder obenauf sein wird. Jake Bugg war auf der UK-#1, eine BBC-Größe hat angekündigt, dass 2013 wieder mehr Gitarren gespielt werden. Was nicht wirklich eine Frage ist, … 

Fred: …aber ein Gesprächsthema. Ich glaube jedenfalls, dass es im Januar 2013 mehr tolle britische Gitarrenbands gibt, als das 2012 der Fall war. Letztes Jahr wäre es mir schwer gefallen, auch nur 5 gute neue Bands zu nennen, während es jetzt bestimmt schon locker zehn sind. Da kommt eine Menge guter, spannender Bands – und ich will dazu nicht Gitarrenmusik sagen, sagen wir: „Bands“. Ich denke, dass die Leute nicht den Unterschied machen sollten, ob Gitarren eine Rolle spielen. Sie sollten den Unterschied machen zwischen Bands auf der einen Seite und Popstars auf der anderen, die nicht ihre eigenen Songs schreiben. Wenn eine Gruppe aus Leuten zusammen kommt und Songs schreibt, egal, ob sie Gitarren verwenden oder nicht, sind sie letztlich eine Band. Das Wort „Gitarre“ führt einen da auf die falsche Fährte, denn ich denke, es geht nicht um die Gitarre. Es geht um die Einstellung, die man mit Gitarrenmusik verbindet, also Bands, Gruppen von Leuten, die ihre eigenen Songs schreiben.

Glaube ich, dass das erfolgreicher sein wird? Glaube ich, Bands werden im Jahr 2013 mehr Erfolg haben als im Jahre 2012? Ja! Der Grund dafür jedoch, glaube ich, wird leider kein rein musikalischer sein. Die Musikbranche und die Medien im UK funktionieren einfach in diesem Muster der Wellen. Irgendjemand sagt vorher, dass etwas passiert, und dann passiert es – nicht zuletzt deswegen. Der einzige Grund, warum Musik im Jahre 2013 erfolgreicher sein wird als 2012, ist als Resultat dieses Musters.

Danny: Da stimme ich nicht überein. Ich glaube zwar, dass es heute scheinbar mehr Bands gibt, aber auch deswegen, weil sie jetzt langsam wieder gesignt werden und auch wieder die Aufmerksamkeit der Medien bekommen. Es gibt immer eine kreative Reaktion auf das, was gerade angesagt ist, und wenn eine Phase kommt, in der alles zu sehr Richtung Pop geht, antworten die Leute darauf wieder.

Fred: Okay, ich stimme da durchaus zu, aber was jetzt die Medien angeht, das denke ich, da ist es zu 50% dem Trend folgen und zu 50% ihn diktieren.

Tom: Witzig ist ja, in der ersten Hälfte des Jahres, da wurde uns dauernd die Frage gestellt: Ist Gitarrenmusik tot?

Das habe ich auch alle gefragt, hihi.

Tom: Ist ja auch lustig, seine Meinung zu haben, ob sie jetzt noch lebt oder nicht. Aber ich bin da einer Meinung mit Fred, es geht um Bands und ihre eigenen Songs und darum – das ist eine Sache, mit der ich auch ein Problem habe, ob das wirklich interessanter oder glaubwürdiger ist. Schon komisch, dass viele Musikjournalisten – wobei ich dich nicht angreifen will – die ja doch an der Musik im Ganzen interessiert sein sollten, auf ihre vielleicht individuelle Weise, sich an solchen Allgemeinheiten aufhalten.

Fred: Wenn man jetzt über Gitarrenmusik spricht, muss man auch so jemanden wie Ed Sheeran erwähnen – er war der Erste seit einem Jahrzehnt, der alleine durch Vorbestellungen schon Gold fürs Album hatte. Für eine Platte, die eine reine Gitarrenplatte ist, aber man würde ihn niemals bei der Gitarrenmusik einordnen. Es geht also um Bands, denn auch Ed Sheeran spielt eine Gitarre und schreibt seine Songs selbst. Warum nennen die Leute das nicht Gitarrenmusik? Sondern immer nur bei vier Kids, die bestimmte Klamotten anhaben?

Tom: Genau das meine ich ja!

Fred: Das hat doch was verheimlichendes! Ich mag das nicht, wie die Medien bestimmten Sachen bestimmte Namen geben. Die neue Single von One Direction ist ein Riesenhit in Amerika, geschrieben wurde sie von Ed Sheeran, der arbeitet jetzt auch mit Taylor Swift, und er spielt Gitarre. Und trotzdem fragen die Leute: Kommt Gitarrenmusik ZURÜCK? Ich nenne jetzt keine Namen, aber die Medien geben den Dingen einen gewissen Dreh mit, damit sie für sie passen.

Was jetzt Spector angeht und wie wir da rein passen – ich sehe uns nicht als, in Anführungszeichen, „Gitarrenband“. Ich glaube, wir benutzen Gitarren halt als Mittel, weil es mehr Spaß macht, sie auf der Bühne zu spielen, als Synthies und Sampler. Aber wenn ich einen Song schreibe, dann denke ich währenddessen nicht über Gitarren nach.

Ich finde: Die britische Denke ist einfach immer noch extrem inselbezogen. Das ist ja auch im Fußball nicht anders – man ist dort wirklich völlig überrascht, wenn eine deutsche Mannschaft auch kicken kann. Man hält Spieler für Neulinge, auch wenn sie vielleicht schon seit Jahren in der Bundesliga alles aufmischen. 

Fred: Stimmt, haha!

Für mich waren die letzten Jahre sogar sehr gute Jahre, was „Bandmusic“, wenn wir sie vielleicht so nennen wollen, betrifft. Weil unglaublich viel in Australien passiert ist, weil viele Bands aus Dänemark oder Schweden spannende Musik machen, auch aus vielen anderen Ländern des Kontinents. Diese Bands aber werden auf der Insel überhaupt nicht wahrgenommen. 

Chris: Das hat was damit zu tun, was in den Mainstream durchbricht, glaube ich. Das neue Tame Impala-Album ist RIESIG, völlig unglaublich. Die haben jetzt Brixton ausverkauft.

Fred: Die laufen trotzdem kaum im Radio.

Chris: Fast nie, stimmt. Aber trotzdem, es muss erst eine gewisse kommerzielle Schwelle überschritten werden, erst dann kann etwas richtig durchstarten.

Fred: Aber die Leute nennen es trotzdem nur dann Gitarrenmusik, wenn sie wollen. Die Vaccines hatten zwei Top Ten-Alben und niemand sagte „Gitarrenmusik ist zurück!“

Aber dann schreibt der Chef von BBC Radio One einmal dem Chef von Kiss FM, in einer Twitter-Konversation, dass nächstes Jahr die Gitarrenmusik wieder groß sein kann, und plötzlich ist das eine Sache, über die man spricht. Dabei ist die Frage für sich irgendwie schon irrelevant.

Tom: Nee, die Frage ist schon gut, aber die Frage hinter dieser Frage ist: Warum muss der Chef von Radio One nur eine Zeile schreiben und erzielt so eine Wirkung? Es gibt halt nur sehr wenige Kanäle in England, die solche Musik abdecken, und Radio One ist eine so zentrale Stelle dafür. Die haben eine solche Macht, dass ihre Methodik, wie sie ihre playlist erstellen, tatsächlich so große Auswirkungen hat. Dabei antworten sie auch nur…

Fred: Sie antworten, aber sie diktieren auch. Und sie antworten dann wieder darauf. Da gibt es auch eine große Verschwörungstheorie, hinter die ich mich nicht stelle, aber es gibt sie: Angeblich, seit es das Radio gibt, seit den 30ern, wird Radio One mehr oder weniger dafür eingesetzt, jeglichen Willen zum Aufruhr in der britischen Jugend zu unterdrücken.

Tom: Ich finde nicht, dass du das sagen solltest.

Fred: Ich sage doch nicht, dass ich das glaube! Ich sage ja nur, dass es diese Verschwörungstheorie gibt! Und wenn man dieser Verschwörungstheorie anhinge, dann fände man schon genügend Ansatzpunkte, die man mal durchleuchten könnte. Man müsste darüber mit jemandem aus den 70s sprechen, mit jemandem aus der ersten Welle der Punkbands. Auch nicht die gesamte BBC – aber ist doch total interessant, dass Radio One immer so rüber kommt, als habe es die Jugend in der Tasche! Ihrer Meinung nach spielen sie immer das, was „die Kids“ wollen. Aber tut ihr das wirklich? Oder erzählt ihr den Kids nur, wovon sie denken sollen, dass sie es wollen? Das will ich gar nicht kommentieren. Bitte zitiere dies nicht als meine eigene Meinung! Aber es ist doch eine wirklich interessante Betrachtungsweise, oder? Das fände ich sogar interessant, wenn ich nicht in einer Band wäre. Und jetzt da ich‘s bin, …versuche ich, gar nicht zu doll über Radio One nachzudenken, denn selbst für einen Zyniker – und ich bin einer – ist Radio One ein zu leichtes Ziel, um sich darauf einzuschießen. Wenn es Dir darum geht, auf der ganzen Welt zu spielen und deine Songs überall auf der Welt im Radio zu haben, dann ist Radio One nur einer von vielen Sendern. Da wäre es UK-zentrisch, sich darauf zu sehr zu konzentrieren.

Die wellenartige Entwicklung ist ja immer die gleiche, ob das im Britpop war oder im Shoegazing. Zuerst kommt eine Generation von Bands, die mit originellem Sound ein Fundament legt, dann kommt die zweite Welle, die den Sound zugänglich macht und in die Charts bringt, bis zuletzt in der dritten Welle auch die letzten Kopisten und Mitläufer ihren Vertrag kriegen und niemand den Trend mehr hören will. So war das auch bei den UK-Indiebands von 2003 bis 2005

Fred: Richtig. Das macht mir auch Sorgen für unsere Zukunft! Aber es zeigt auch: Es gibt auch immer die Qualitätsbands, die über dem Trend stehen und weiterhin ihr Ding machen. Die Arctic Monkeys, Kasabian…

Tom: The Horrors

Fred: The Horrors, okay, wobei die außerhalb des UK glaube ich weniger Spuren hinterlassen haben…

Chris: The Libertines

Fred: Okay, ich meine jetzt Bands, die noch existieren, aber die Libertines haben Spuren hinterlassen, keine Frage. Bloc Party wären da noch, oder die Klaxons, wo interessant sein wird, was die als nächstes machen. Mit den Kaiser Chiefs wiederum ging es abwärts. Aber was jetzt UK-Bands aus der Ära angeht, die auch kommerziell noch was reißen, da gibt es nicht mal mehr zehn. Wie viele kriegten Verträge? Bestimmt hundert, zweihundert. Was sagt uns das? Da trägt die Industrie ihre Mitschuld, und du hast Recht, dass die Bands schuld sind, die nur nachäffen, was sie mögen und Dinge kopieren. Ich glaube aber, dass uns das nicht fremd ist, dieser Gedanke: Oh Mann, ich LIEBE diesen Strokes-Song und ich mopse mir jetzt einfach das, was sie da getan haben – aber wenigstens geben wir‘s zu, und wir tun‘s bewusst. Wir tun es, weil wir wissen, dass dieses Kopieren uns auch hilft, den eigenen Weg zu finden, anstatt uns vorzumachen, dass wir diese Wurzeln nicht hätten. Wir lernen unsere Wurzeln kennen, dadurch können wir sehen, wohin wir als Blume wachsen können. Wir tun nicht so, als wären diese Wurzeln nicht da.

Aber dafür mag ich Spector. Es gab dieses Schlagwort, „Landfill Indie“ („Indie für die Deponie“), mit dem irgendwann alles abgekanzelt wurde. Und ich habe das Gefühl, dass alle Bands aus England in den letzten Jahren vor allem davon getrieben waren, bloß ja auf keinen Fall „Landfill Indie“ genannt zu werden.

Fred: Ha, und wir feiern eine Party auf der Deponie!

Ich meine, nehmen wir zum Beispiel Everything Everything. Für meinen Geschmack sind die einfach überkompliziert. 

Fred: Okay.

Immer, wenn die mal ein bisschen Fahrt aufnehmen, in einen Groove rutschen – dann ist es, als ob sie merken: Hoppla, das könnte den Leuten ja gefallen! Wir müssen jetzt ganz schnell ein Break, einen musikalischen U-Turn reinhauen!

Fred: Ja…

Ein bisschen lieber sind mir die Wild Beasts, aber auch da merkt man, dass sie bemüht anti-“Indie Landfill“ sind.

Chris: Die sind zu gewollt.

Fred: Ihr Zeug ist sehr gewollt, stimmt, ohne was gegen beide Bands sagen zu wollen.

Jed: Man merkt, dass sie extrem viel nachdenken, wenn sie was machen. Aber man bremst sich auch, wenn man zu viel Angst davor hat, nach etwas bestimmtem zu klingen. Wenn man zu befangen ans Schreiben oder Produzieren eines Songs ran geht, kann man das hören, finde ich.

Ich finde: Sich für nichts zu schämen, das ist eine sehr wichtige Eigenschaft für Popmusik.

Chris: Was ich an uns mag: Wir haben diese Tendenz, dann, wenn etwas regelrecht unbehaglich wird – also weil es vielleicht schon zu ehrlich ist, zu explizit – dann schmeißen wir uns da erst recht rein. Auch wenn wir das Gefühl haben, dass Außenstehende das dann uncool finden könnten, oder albern – dann machen wir‘s wahrscheinlich erst recht. Wenn wir das Gefühl haben, andere könnten was dagegen sagen, regt sich in uns so ein Widerstand.

Fred: Ich glaube, wir haben halt diese Persönlichkeiten, diese Egos, dass wir die Vorstellung einfach nicht mögen, dass jemand sagt: „Das geht nicht!“ oder „Das ist verboten!“ Vielleicht überkompensieren wir das, indem wir den Leuten die Dinge erst recht reinreiben, die sie verbieten wollten als „uncool“ oder „nicht angesagt“. Wobei unser so-unkompliziert-wie-möglich-Sein ja vielleicht genauso bemüht sein kann wie bei den Bands, die so gewollt kompliziert klingen. Hmmm. Aber andererseits stecken Spector ja auch in ihrer Entwicklung. Ich glaube nicht, dass wir unser bestes Album oder unseren besten Song schon geschrieben haben. Ich finde auch nicht, dass unser Album unglaublich gut ist, ich glaube aber, es ist das Album, das wir machen mussten. Ich kann ja hier nicht im Namen der ganzen Band sprechen, aber für mich persönlich, ich musste diese Songs jetzt erst mal schreiben, um auf den Weg zu kommen zu den kommenden Songs, von denen ich glaube, dass sie eine größere Wirkung erzielen werden. Das ist irgendwie, wie… du willst Dir ein neues Auto kaufen, aber in deiner Garage stehen noch all die alten Autos, also musst du erst mal einen Garage Sale machen. Das ist unser Album, für mich. Das Album sagt: „Hier steht noch all das alte Zeug, wenn ich es jetzt nicht los werde, wenn ich jetzt nicht durch all die alten Kisten wühle und mich dem stelle, was da drin ist – ob das emotionale Dinge sind oder genre-spezifische Einflüsse, Bands, die ich gehört habe, Klamotten, die ich früher getragen habe.

Danny: Es ist der Ausbau des Dachbodens.

Fred: Es ist der Ausbau des Dachbodens! Sei ehrlich! Sei ehrlich zu dir selbst! Sonst glaubt Dir auch keiner!

Chris: Es gibt da so einen Druck auf Bands, dass mit dem ersten Album gleich alles perfekt sein muss, dass deine erste Platte schon deine beste sein muss. Wir machen aber schon lange genug Musik, um zu wissen, dass es genau das ist, was wir machen wollen und woran wir glauben – und dann muss man auch daran glauben, dass man sich immer weiter verbessern wird, dass man gemeinsam lernen und wachsen wird. Dieses Wissen, dass wir miteinander wachsen werden, das ist für mich das Allerspannendste an der Band, das gibt mir extremes Selbstbewusstsein für unsere zweite Platte.

Fred: Es gibt so viele Bands, die so dringend wollen, dass die Leute denken, sie seien clever. Es ist ihnen unglaublich wichtig, dass man sie so sieht. Mir ist das aber echt sowas von egal, ob die Leute uns für clever halten oder nicht. Weil ich weiß, wir SIND clever!

(die Rückbank schmeißt sich weg vor Lachen) 

Fred: Die nächste Frage ist: Was ist deine Verantwortung? Deine Verantwortung ist es, zu unterhalten. Wenn du auf eine Bühne steigst, ob das vor zehn Leuten ist oder vor zehntausend, dann musst du sie unterhalten. Es ist nicht die reine Kunst. Wenn es die reine Kunst wäre, dann kümmerst du dich nicht um die Leute. Throbbing Gristle haben gesagt, sie stellten sich vor, das Publikum wäre schon tot, wenn sie auf die Bühne gehen. Dass das, was sie auf der Bühne machen, keinerlei Auswirkungen auf die Leute haben könnte, weil es eine Gruppe Leichen sei. Wenn das NICHT deine Einstellung ist – und unsere ist das nicht – dann ist es deine Verantwortung, zu unterhalten. Dich selbst, natürlich, eingeschlossen. Aber wenn im Publikum 100 Leute stehen und ihr seid auf der Bühne zu fünft, unterhaltet ihr nur 5% der Leute. Und bei 10000 Leuten sind das nur noch, wie viel? 0,05%? Jedenfalls: Wenn du nur ein reiner Künstler sein willst – dann stell dich nicht auf die Bühne mit einer Gitarre. Oder einem Synthesizer.

Sonderbares Zitat eben: Sich vorzustellen, das Publikum bestünde aus Leichen…

Fred: Das ist natürlich nicht unsere Einstellung – nur, solange man keine alternative Vision hat wie diese, dann muss man sich der Sache stellen, dass man ein Publikum hat und dem was bieten muss.

Tom: Wir kennen unser Publikum, und es lebt!

Für mich klingt das auch ein bisschen, als wollten die nur ihrem Interviewer ein schmissiges Zitat hinwerfen.

Fred: Oh, ich glaube, sie sind einer der wenigen Fälle, die wirklich als Künstler an die Sache rangehen. Traurig ist aber: an die Leute, die heute so was sagen würden, wird man sich wahrscheinlich nicht erinnern.

Andererseits – die Leute im Throbbing Gristle-Publikum sehen nun mal aus wie Zombies!

Fred: Das stimmt wohl. (die Band lacht.)

Ihr habt davon gesprochen, dass ihr Euch vorwärts entwickeln wollt. Die Songs dieser Platte sind ja auch schon vor einiger Zeit geschrieben worden, richtig?

Fred: Genau, die Platte ist zwar erst kürzlich erschienen, weswegen die Leute glauben, sie sei auch erst taufrisch geschrieben worden. Aber die Songs gab es schon eine lange Zeit. Jetzt glaube ich, sind wir an einem Punkt angekommen – unterbrecht mich, wenn ich falsch liege – an unserer Art von Jam-Sessions, jedenfalls so nah, wie es uns möglich ist. Was für uns bedeutet, dass wir uns viele Ideen hin- und her mailen. Wir sind jetzt an dem Punkt, an dem wir die Entscheidung fällen, wo es für uns hingehen soll. Richtig? Danny, möchtest Du das bestätigen?

Danny: Ja, ich denke, dass wir gerade…

Fred: …brainstormen. Also, was wir machen: Beim ersten Spector-Album, da hatten wir uns einen bestimmten Rahmen gesteckt, auf den will ich jetzt nicht eingehen, das dauert zu lange, aber…

Chris: Viele Songs waren ja schon geschrieben.

Fred: Genau, viele Songs existierten schon, insofern wurde das Album dadurch diktiert, was es bereits war. Es konnte sich immer nur zu etwas entwickeln, das zu 60% schon vorgegeben war. Was wir jetzt machen, ist, dass wir uns jetzt die Parameter setzen, die wir dann erfüllen wollen. Worauf ich diesmal echt Wert legen will – das hat noch nicht zu hundert Prozent geklappt beim letzten Album, da waren es wohl etwa 80% – was ich will, ist, dass wir wirklich eine Vision ausdiskutieren, und uns auf sie einigen. Nicht im Sinne von „Oh, wir werden eine HipHop-beeinflusste, dunkle Rock-Platte machen!“ Sondern wir müssen da ganz wichtige Gespräche führen, im Sinne von: „Inwieweit wird das Streben nach Erfolg ein Einfluss sein auf unser Schreiben?“ Wenn das so ist, müssen wir das diskutieren. Wenn wir sagen, dass uns egal ist, wie erfolgreich das Album wird, dann wird das genauso den Schreibeprozess beeinflussen. Die Songs, die wir uns emailen, die Alben, die wir uns anhören, das wird alles dadurch vorgegeben sein. Für mich ist es ein ganz wichtiger Punkt des Konzepts Spector, dass es nie nur um die Musik geht. Es wird nicht nur darum gehen: „Okay, hier sind zehn Alben, die uns beeinflusst haben!“ Die Platte wird nicht nur beeinflusst sein von unseren Gedanken zu Musik und zur Musikindustrie, sondern generell Ideen zur Kultur. Von dem Versuch, uns selbst zu verstehen und zu verbessern, als Menschen. Ich persönlich zum Beispiel würde mich gerne zu jemandem entwickeln, der weniger zynisch ist. Der die Welt betrachten und verstehen kann indem er ihr auch ins Auge blickt und menschlich auf sie reagiert. Ob es wirklich die Musik ist, die mir helfen kann, das zu erreichen, steht auf einem anderen Blatt, klar. Ich würde aber auch lügen, wenn ich nicht sagen würde, dass ich mir wünsche, unser zweites Album werde erfolgreicher als das Erste. Ich will natürlich mehr Leute erreichen.

Tom: Was sind denn die Kriterien für „Erfolg“? Wenn du eine Platte machst – wie bemisst du ihre Qualität? Klar, es gibt eine grundsätzliche Qualität, ob ein Song ein guter Song ist. Das fehlt mir auch oft im Dialog über zeitgenössische Musik: „Ist dieser Song ein guter Song?“, ganz einfach gesagt. Das ist das eine, aber die andere Frage ist: Wie passt die Platte in die Welt, kulturell gesehen? Mit was ist sie verknüpft? Ist sie relevant, für diesen Zeitpunkt unserer Existenz? Da sind wir im Moment, inmitten dieser Diskussion, auf was wir konkret abzielen.

Fred: Die Ziele, die feststehen, sind: Zuerst mal die Songs, die müssen mindestens genau so gut, eher noch besser sein als auf dem ersten Album.

Tom: Mmm-hm. Eher besser.

Fred: Richtig, besser müssen sie sein. Und im Gesamten muss die Platte – und verstehe das Wort jetzt richtig – im Großen und Ganzen muss sie einfach interessanter sein. Ich kann garantieren: Es werden bessere Songs, das Album wird interessanter – und es werden zehn Songs. Das sind drei die Parameter, auf die wir uns bis jetzt festgelegt haben. Sehr abstrakt, aber wir werden mit der zeit natürlich mehr ins Detail gehen. Ich bin jedenfalls jetzt schon aufgeregter, wenn ich ans neue Album denke, als ich beim ersten Album war. Nun gut, das Unbekannte ist immer spannender als das, was man schon kennt. So lange die neue Platte uns noch unbekannt ist, gehen wir auf sie zu wie aufs Licht am Ende des Tunnels.

Interessant aber, dass Ihr Euch diese Parameter setzt. Es gibt ja auch Bands, die eine ganz andere Denke verfolgen. So „Wir schreiben unsere Songs, und die zeigen dann schon von selbst, an welchem Punkt wir gerade stehen.“ 

Fred: Wäre mir ja recht, wenn das so einfach wäre. Aber wir haben leider alle diesen Schlag weg, dass wir über alles zu viel nachdenken. Naja, vielleicht nicht zu viel nachdenken, wir überdenken aber wohl einfach vieles mehr als andere Leute, vielleicht manchmal zu unserem Nachteil. Ich habe trotzdem schon ein sehr spezielles Gefühl zu unserem neuen Album, und selbst wenn nur eine Person es hören wird – ich möchte, dass diese Platte ein Gefährte wird, mit dem ich stolz Arm in Arm gehen kann, für den Rest meines Lebens. Während das Debütalbum, das wird für mich dann Sinn machen, wenn ich in der Zeit zurück gehen könnte, von 25 bis Null. Mit 75 wird es für mich vermutlich keinen vollkommenen Sinn mehr machen. Das ist das, was ich mit dem zweiten Album erreichen will. Wir haben das Album von Null bis jetzt vorliegen, es heißt ja auch immer: „Du hast dein ganzes Leben Zeit für dein erstes Album“. Interessanter ist aber doch die Frage: Welches Album nehme ich mit, in meine Zukunft? Welches Album wird zukunftssicher sein und relevant bleiben, musikalisch, welches Album wird immer Bedeutung haben? Naja, wir können wenigstens hoffen, dass das passiert.

Ich habe eine Frage zu Euren Videos, und die ist technischer Natur. 

Fred: Ja.

Einfach, weil es eine Frage ist, die ich mir stelle, weil ich jetzt auch ein paar Videos dieser Art gesehen habe. Es geht um „Never Fade Away“.

Fred: Ja.

Das ist in Extra-extra-extra-breit gedreht – das ist so sehr in Widescreen gedreht, dass es auf dem Bildschirm am Ende nur einen schmalen Streifen zeigt.

Tom: Oder du hast den falschen Monitor.

Fred: Leider ist es auch noch irgendwie verkehrt hochgeladen worden.

Chris: Aber ist die Frage, wie wir das gefilmt haben?

Die Frage ist mehr nach dem: Warum? Das frage ich mich, seit Bildschirme immer breiter und breiter werden. Ist das wirklich anatomisch begründet, von unserem Blickfeld her? Oder klaut man uns nur von oben und unten und verkauft uns das als was Neues?

Jed: Ja, das liegt meines Wissens am Blickfeld.

Fred: Das ist dein Fachgebiet, Jed, sag Du.

Jed: in dem Fall war es auch der Regisseur, der auf dem Format arbeiten wollte. Denn dieses Filmformat, es ist ein sehr altes Format aus frühen Zeiten des Kinos.

Danny: Es ist aber auch so, dass es nur wenige Filme gibt, die je auf diesem Format gedreht worden sind.

Jed: Das Video im Speziellen sollte auch so ein echtes Film-Feeling rüber bringen, weswegen sich der Regisseur dafür entschieden hat. Warum genau es jetzt gleich SO breit war, das weiss ich auch nicht, warum es so extrem sein musste.

Chris: Ihm ist einfach ein Fehler unterlaufen, seien wir ehrlich.

Jed: Aber gerade deswegen, finde ich, hat‘s was.

Fred: Mir kommt es schon so vor wie damals, als erstmals Breitwand-VHS-Tapes erschienen und die Leute sie auf normal kastenförmigen TV-Sets anschauen mussten und das keinen Sinn machte. So sieht das Video aus wie ein zufällig gefundenes Relikt aus dieser Ära. Etwas, das irgendwie verkehrt aufgenommen wurde und dann zurückgespult.

Jed: Wenn Du‘s auf ,nem richtigen Telly anschaust, dann glaube ich, macht es schon Sinn. Youtube ist vermutlich die verkehrte Art, sich das Video anzugucken.

Tom: Ich muss aber sagen: Mir geht es gut bei dem Gedanken, dass es irgendwie wonky ist. Es macht doch mehr Spass, mit so etwas ein wenig zu spielen. Den Gedanken „Oh, das ist falsch, das geht nicht!“ außen vor zu lassen. Youtube hat seinen vorgegebenen Rahmen – nee, den hat es nicht, wenn man ihn einfach ignoriert.

So, ich habe nicht auf die Uhr geschaut, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass unsere halbe Stunde um ist. 

Fred: Ja, ich glaube auch, wir müssen los.

Ein Spiel wollte ich noch machen mit Euch.

Fred: Au ja, das geht noch!

Während ich die Fragen für Euch schrieb, musste ich im Internet für unser kommendes Heft auch über eine polnische Metalband namens Hate recherchieren. 

Fred: Okay…

Jedes Mitglied dieser Band hatte auch einen zweiten Namen. Der Bassist war meinetwegen „Mortifier“. Kamil „Mortifier“ Kulasky, so in dieser Art.

Fred: Klar, haha.

Meine Frage also: Wie würden diese Zweitnamen bei Spector lauten?

Tom: Jed hat fei schon einen, wirklich!

Jed: Mein echter Name ist nicht Jed. Ich nenne mich nur so, weil mein echter Name mir zu peinlich ist. Mein wahrer Name ist „Gorgeous November Cullen“

Fred: „Jed“ wie Gorgeous. Also ist „Gorgeous“ sein Mittelname.

Danny: Nee, das muss dann doch „November“ sein.

Jed: Genau, mein Mittelname ist also „November“.

Fred: Danny ist der „Thundergod“!

Chris: Ich bin „The President“

Tom: Kommt, sagt mir meinen.

Jed: Tom ist… „Spice“!

Fred: Ich denke noch nach… „Stock Exchange“!!

(Alle lachen)

Vielen Dank, das hat Spaß gemacht!

Fred: Ich freue mich schon drauf, das zu lesen! Wo kann ich das dann finden?

Ich werde das komplette Transkript auf meinen Blog stellen – allerdings auf deutsch!

Fred: Das ist gut, lass es auf deutsch! Exzellent!

Spector – What you wanted from James Willis on Vimeo.

Spector "Never Fade Away" from Nicolas Booth on Vimeo.

Spector – Grey Shirt and Tie from Rooster Films on Vimeo.

Spector – Chevy Thunder from FRIEND on Vimeo.

Spector – Friday Night, Don't Ever Let It End from Alan Del Rio Ortiz on Vimeo.

Spector – Don't make me try (music video) from Joe Ridout on Vimeo.

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