Interview: DMA’s

DMAs Titel

Hurra, Hurra! Seit einiger Zeit schon juble ich über Sydneys umwerfende DMA’s – das ist Oasis’scher Britpop, so fresh, als käme er von den jungen Gallaghers selbst – da kommt „Definitely Maybe“-Feeling auf!! Entsprechend habe ich mich auf mein Interview mit Gitarrist Johnny Took gefreut – nur: Der Kerl ging zum vereinbarten Zeitpunkt nicht ans Telefon. Fast eine Stunde hab ich’s versucht, mehrere SMS geschrieben, keine Antwort. Aber ich musste auf einen zweiten Termin. Als ich schon halb aus der Tür war, kam doch noch eine Message: „Wow! Dude – just got into London and needed to charge my phone. Gimme a call. So sorry!“

Was ich vorausschicke, um zu entschuldigen, dass unser Gespräch nicht so ausführlich war wie normal. Aber ich denke, wir werden trotzdem so einigermaßen ins Bild gesetzt über unsere neue Lieblingsband.

Hey, hier ist Henning aus Deutschland. Spreche ich mit Johnny?

Ja, Kumpel – Hey, Sorry noch mal. Wir sind vorhin erst in London gelandet und waren auf dem Weg ins Hotel. Unser Bandhandy für Europa musste ich jetzt erst mal einstecken.

Ach, ihr seid gerade erst gelandet? Na, da habt ihr ja sicher einen ziemlichen Jetlag vor Euch!

Ach, da versuche ich jetzt einfach nicht dran zu denken.

DMAsHauptsache, es hat geklappt. Ich habe mich gefreut auf dieses Gespräch, denn ich verfolge euch schon etwas länger. Jetzt, wo die EP in Europa erscheint, stellt sich dem Fan natürlich als erste Frage: Warum ist „Play It Out“ nicht auf der EP gelandet?

Hey, wir lieben „Play It Out“! Der Song kommt aufs Album. Wir haben ihn fürs Album aufbewahrt.

Nach dem Album hätte ich auch natürlich fragen wollen. Wie weit seid ihr denn?

Praktisch fertig. Gerade wird gemixt. Wir sind mittendrin in der Arbeit. Vorhin erst haben wir wieder neue Mixe abgehört.

Eure ersten Songs habt ihr ja alle in deinem Schlafzimmer-Studio aufgenommen. Habt ihr das Album dann jetzt in einem teuren Studio gemacht, mit Producer und allem?

So haben wir angefangen – aber wir sind am Ende doch wieder in meine Wohnung nach Newtown zurück! Es ist letztlich alles Produktion, weisst du? Die Akkorde der Songs sind die gleichen, aber wie man das umsetzt, das ist es, worauf’s ankommt.

Ich habe mich in der Tat gefragt, ob es eurem Sound gut tun wird, wenn man euch ins teure Studio schickt. Bisher hatte er einen rauen Charme von ungeschliffenen Demos.

GENAU das ist es! Wir dürfen nicht zu klar und professionell klingen, das haben wir auch gemerkt. Wir sind auch einfach am Lockersten, wenn wir nur unter uns sind. Wenn wir in den Surroundings aufnehmen können, die wir kennen. Unser Sänger Tommy kann sich nur richtig gehen lassen, wenn er sich wohl fühlt. Das ist was ganz anderes bei mir in der Wohnung als in so einem Studio.

Stimmt es, dass ihr erst vor einem Jahr etwa Eure erste Show gespielt habt?

Das kommt wohl in etwa hin, ja.

Eure EP hat aber in Australien für einen ziemlichen Hype gesorgt – das heisst, eure erste Show wurde ungeduldig erwartet und es war keine kleine Show. Wie seid ihr damit klar gekommen? Euer erstes Mal auf einer Bühne – hattet ihr da kein krasses Lampenfieber?

Halt – Also, es war ja nicht so, dass wir zum ersten mal auf einer Bühne standen! Als DMA’s ja, aber wir alle waren vorher schon in anderen Bands unterwegs und haben natürlich auch live gespielt. Lampenfieber war kein Problem.

DMAS-General-Use-Shot-1024x685Ein paar Monate später tourtet ihr dann schon im Vorprogramm der Courteeners durch England – und die Courteeners spielen auf der Insel in richtigen Arenen!

Haha, du hast Recht. Das war von null auf Hundert. Schon unglaublich.

Was habt ihr als Erfahrung mitgenommen von diesen Shows? Habt ihr was gelernt?

Es war natürlich ne tolle Sache, ganz klar. Wirklich toll ist für mich, zu sehen, wie sich unser Tommy als Sänger entwickelt. Er war derjenige von uns, der vorher am wenigsten Bühnenerfahrung hatte. Wie er inzwischen mit der Rolle als Frontmann umgehen kann – das sind ganz enorme Schritte, die er gemacht hat!

In eurer Liveband habt ihr drei zusätzliche Mitglieder. Haben die sich jetzt auch beim Album eingebracht?

Zwei weitere Mitglieder sind’s, nicht drei. Beide sind langjährige Kumpels, die immer zu unserem Kreis gezählt haben. Mitgeschrieben haben sie nicht am Album, aber sie waren zum Teil jetzt mit dabei bei den Aufnahmen. Unser Bassist hat richtig starke Basslines beigesteuert, das war klasse.

Es kamen in letzter Zeit ja so einige Britpop/Sixties/Indie-Bands aus Sydney: Deep Sea Arcade, Jagwar Ma, Morning Harvey, The Preatures, Richard In Your Mind – bedeutet das, dass es in Sydney eine Szene gibt? Gibt es Clubs oder Bars, in denen man euch alle treffen würde?

Nein, so ist das eher nicht. Eigentlich kennen wir die Bands alle mehr so vom Sehen. Deep Sea Arcade haben ja jetzt länger nichts von sich hören lassen – und Richard in Your Mind liegen auch auf  Eis, da sind mehrere Mitglieder Väter geworden. Diese Bands sind auch ein gutes Stück älter als wir, auch deswegen gab es noch nicht so viele Berührungspunkte.

DMAs band 2 kleinWie habt ihr das denn erlebt, als eure EP in Australien gleich so viel Staub aufgewirbelt hat? Ich meine, nachdem ihr euch erst zwei, drei Jahre niemandem gezeigt habt, hat es sich da nicht komisch angefühlt, plötzlich im Mittelpunkt zu stehen? Oder hattet ihr so das Gefühl: Das ist alles richtig so, das haben wir verdient?

Aber das war ja genau der Grund, warum wir uns erst zurück gezogen haben! Wir haben diese Songs geschrieben und gesehen: Hey, das ist verdammt gut! Darum wollten wir’s nicht überstürzen. Darum wollten wir das Ganze wirklich perfektioniert und total auf den Punkt gebracht haben, bevor  wir damit nach draussen gegangen sind. Das war der Plan, und so ist er bisher aufgegangen.

Lass mich dir eben sagen, wie sehr ich den Song „Delete“ liebe! Besonders stark finde ich, wie sich der Song gegen Ende verändert. Wenn die zweite Stimme reinkommt und den Song in eine neue Richtung lenkt. Wie seid ihr denn auf DIE Idee gekommen?

Ursprünglich bestand der Song nur aus Teil 1 – das war ein Lied, das Tommy schon vor unserer Gründung geschrieben hatte, den Song gibt es schon ewig. Wir haben ihn dann irgendwann mit dem anderen Part kombiniert. Na, sowas passiert dann halt, wenn man an seinen Songs so lange rumdoktert. Er ist jedenfalls nicht ursprünglich mit diesen zwei Teilen geschrieben worden.

Jetzt muss ich dich eben fragen: Vielleicht ist es mein Englisch – aber: „Don’t delete my baby?“ Das kann ich nicht übersetzen, das kann ich mir nur zusammen reimen. „Lösch mein Baby nicht?“ „Delete“ – wie auf facebook? Oder ist es im übertragenen Sinne gemeint: „Mach mein Baby nicht kaputt?“

Ha, beides, irgendwie. Das ist auch ein bisschen ironisch gemeint, weisst du? Es geht schon ein bisschen um die sozialen Medien. Wie wichtig die heute genommen werden.

Noch eine Zeile aus dem Text: „Wandering outside in the rain and snow“. Es schneit doch gar nicht in Sydney, oder doch?

Nee, hier schneit es nicht. Alles Metaphern. Alles künstlerische Freiheit. Geschneit hat es hier noch nicht. Gehagelt hat es mal, immerhin. Richtig doll, große Kugeln kamen da runter. Hinterher hat’s ausgesehen, als ob es geschneit hätte.

DMAs bandIch war halt noch nicht down under, ich war mir jetzt nicht sicher, ob es in Sydney nicht auch mal schneien kann. Ich will aber unbedingt mal nach Australien – bisher war mein Plan ja, Melbourne zu besuchen. Mit welchen Argumenten würdest du als Sydneysider mich denn umstimmen, doch lieber nach Sydney zu schauen? 

Ha, weisst du, das ist ganz witzig – es gibt zwar so was wie eine Rivalität zwischen Sydney und Melbourne, aber die geht komplett von Melbourne aus. Wir Sydneysider stehen total auf Melbourne. Das ist eine superangenehme Stadt. Wir fahren total gerne runter und verbringen Zeit dort. Wenn man auf Musik steht oder Mitglied einer Band ist, ist Melbourne vermutlich auch in der Tat der bessere Anlaufspunkt.

Ja? Inwiefern?

Na, gibt halt mehr Möglichkeiten. Mehr Liveclubs, eine größere Szene. In Sydney ist das alles etwas versprengter. Aber Sydney ist schon auch gut.

Okay… sag mal, ich gehe Recht in der Annahme, dass du Oasis-Fan bist?

Aber klar, Mann!

So als Frage von Fan zu Fan: Was würdest du denn zu einer Reunion sagen? Sollen die das machen? Oder sollen wir nicht einen Schlussstrich ziehen und sie dafür perfekt in Erinnerung behalten?

Oh, also da habe ich keine Meinung zu. Da müsstest du Matty fragen. Er hat Oasis auch schon ein paar Mal live gesehen, er kann da mitreden.

Ich frage, weil Noel Gallagher ja ganz lustige Kommentare über euch abgelassen hat. Das hast du mitbekommen?

Habe ich, ja.

Im Juni seid ihr aufs gleiche Festival in New York gebucht. Freut ihr euch schon auf den Termin?

Du, ganz ehrlich – wir haben jetzt im Sommer so viele Festivals im Kalender, da habe ich keinen Überblick, mit wem wir wann wo spielen. Ich denke, das werde ich dann jeweils nachschauen, wenn wir vor Ort sind. Da lasse ich mich überraschen.

Alles klar, vielen Dank! Dann viel Glück mit der EP und dem Album – und ich hoffe, eure Tour führt Euch in absehbarer Zeit nach München!

Danke! Und sorry noch mal für die Verspätung!

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