Review: Strange Names

strange names albumStrange Names – „Use Your Time Wisely“

Stichwort 80s-Revival. Welche 80s meint man denn, wenn man im Indie vom 80s-Revival spricht? Mein meint nichts aus der zweiten Hälfte der 80er. Man bezieht sich eigentlich immer nur auf die Ära ca 1979-1984, auf eine erste New Wave-Pionier-Phase (z.B. Gary Numan, DEVO, frühe OMD) sowie auf die Phase, in der daraus Synthpop für die damaligen Charts wurde (z.B. Howard Jones, Kajagoogoo, Nik Kershaw).

Das 80s-Revival wiederum kam für mich so richtig in die Gänge im Jahr 2002. In dem Jahr erschien Interpols „Turn On The Bright Lights“, auch The Faints „Danse Macabre“ (2001) startete nachträglich durch. In Schweden gab es Bands wie Melody Club und Paris, die behaupteten, von Nena beeinflusst zu sein und im Pop wieder mit Neonfarben malten.

Worauf will ich hinaus? Ich will sagen: Wenn das 80s-Revival in seinen diversen Spielarten seit 2002 läuft, dann sind das heute 13 Pop-Jahre! 13 Jahre, die sich auf nur 5 Pop-Jahre rückbeziehen.

Weswegen ich glaube, dass Strange Names, dieses neue Trio aus Minnesota, gar keine 80s-Revival-Band ist. Ich glaube, es ist eine 80s-Revival-Revival-Band. Will sagen: Es gibt zwar Leute da draußen, die glauben, hier Einflüsse der Talking Heads zu hören – auch ich für meinen Teil erkenne so einige Howard Jones- und INXS-Elemente. Aber ich stelle hier mal wieder eine Theorie auf: Wenn die Jungs jetzt Anfang/Mitte 20 sind, dann werden sie mit The Killers, Phoenix und La Roux groß geworden sein. Sie haben ihre 80s-Einflüsse ergo aus zweiter Hand aufgesogen – und sie klingen entsprechend.

Was das bedeutet? Nichts Schlechtes, keine Angst. Fürs Strange Names-Debütalbum „Use Your Time Wisely“ heisst es nur, dass die jungen Amis zwar Eighties-Elemente einsetzen – bestimmte Gitarrensounds, Bassläufe und natürlich Keyboards und Songaufbau – aber dass hier alles so hochglanzlackiert und professionell vielschichtig produziert ist, wie es letztlich halt doch nur von Phoenix-Fans produziert worden sein kann.

Strange Names 180s-Originale haben oft einen gewissen Primitivismus, eine holprige Simplizität. Im direkten Vergleich zu den Tracks der Strange Names klingen, sagen wir mal, INXS „I Send A Message“, Howard Jones „Like To Get To Know You Well“ oder Men Without Hats „Living In China“ fast billig. Die echten 80s-Acts verwendeten nie so viele Tonspuren, ihre Synthies waren cheesier, die Drums nie so powervoll. Dafür klingen diese 80s-Songs im Gegenzug auch experimenteller und mutiger. Strange Names können sich heute auf eine Bibliothek anerkannter Sounds verlassen, die sie abrufen und einsetzen können – die 80s-Acts mussten diese Bibliothek erst schaffen. (Halt, müsste es nicht eine Audiothek sein? Egal!)

Jedenfalls: Wir haben hier also ein junges US-Indie-Synth-Trio, das seine 80s-Einflüsse nicht mal mehr ironisch bricht, weil es zu einer Generation gehört, in der Bands wie HAIM, Future Islands, St. Lucia, Hands oder Passion Pit geschliffenen und lackierten Synthpop längst zu einer anerkannten Alternative-Sprache erklärt haben. Im Gebiet dieser genannten Bands bewegen sich die Strange Names dann auch, und sie tun es sehr gewandt. Sie strukturieren und arrangieren ihre Songs hochgradig clever – so sehr, dass man sich nicht daran stört, dass man hier einem Sound lauscht, an dem man sich in den letzten Jahren ja auch leicht sattgehört haben könnte. Bei ihren einzelnen Songs wiederholen sich Strange Names nicht: Mal schlagen sie mit mehr Betonung auf die Gitarren die Strokes/Cars/Weezer-Richtung ein („Only Boy“, „Brick City“), mal regieren unumstritten die Keyboards und die Beats aus der Drummachine („Neighbourhood“), meistens ist’s eine gelungene Synthese aus beidem: „Where & Why“ beispielsweise klingt wie eine unerwartete Zusammenarbeit von Hall & Oates mit Johnny Marr. Das alles macht „Use Your Time Wisely“ letztlich zwar sicher nicht zur originellsten Platte, die ihr in diesem Jahr hören werdet, aber doch zu einem durch und durch gelungenen, runden Stück Indiepopmusik.

Strange names wert

Strange Names – Ricochet from Justin Sirizzotti on Vimeo.

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