Review: The Helio Sequence

heliosequence-theheliosequence-1425px300The Helio Sequence – „The Helio Sequence“

Langsam dürfen The Helio Sequence sich ungerecht behandelt fühlen. Gitarrist/Sänger Brandon Summers und Drummer Benjamin Weikel bewegen sich in Portland in einem Umfeld von Bands, die alle auf von Album zu Album ein Stück bekannter wurden. Aber während Modest Mouse (für die Weikel zeitweise trommelte), Death Cab For Cutie, The Decemberists und Spoon irgendwann eine kritische Schwelle überschreiten, ein Massenpublikum erreichen und in die US-Top-Ten stürmen konnten, scheint dieser Knackpunkt für The Helio Sequence immer noch außer Reichweite. Ich fürchte, auch ihr sechstes Album wird an der Situation wenig ändern. Ich lege euch die Platte trotzdem hiermit ans Herz.

„Battle Lines“, der Opener von „The Helio Sequence“ beginnt mit einem Marsch-ähnlichen Midtempo-Drumbeat, wie ihn auch Modest Mouse gerne einsetzen. Ein dezentes, spielerisches Gitarrenmotiv von Summers setzt ein – der Mann kann hörbar was an der Gitarre, aber er macht kein flashiges Brimborium draus. Das ist sehr souverän. Auch im Gesang bleibt er zurückhaltend, beinahe stoisch. So murmelt/flüstert er die Strophen und den Refrain, es sind gute Melodien, aber gebremst rüber gebracht, angenehm ohne Pathos.

Die oben genannte Beschreibung trifft mit diversen Variationen eigentlich auf jeden Song des Albums zu. Was vielleicht eintönig klingen mag, so ist es aber nicht. Weikel trommelt sehr ideenreich, er gibt den Liedern sehr vielseitige Rhythmen mit. Summers Gitarrespiel plinkert, schummert, wabert, schnurrt und schrummt, er ergänzt es dezent mit Synthies, Piano und rollenden Bassläufen. Manchmal, manchmal, wenn er auf den hohen Bünden spielt, glaubt man, ein bisschen The Edge zu hören – oder zumindest seinen schüchternen Bruder, der mit Wollhandschuhen spielt. Denn wo U2 oder Coldplay ins Pathos abgleiten, auch da bleiben The Helio Sequence neblig und verschwommen genug, dass kein Kitschverdacht aufkommt.

heliosequenceSo hat das Album eine durchgehende Stimmung, die mir ganz ungemein gefällt. Ich möchte fast sagen, die Platte „plätschert vor sich hin“ – aber das meint man ja normalerweise negativ. Hier müsst ihr euch sich das bitte als was Gutes vorstellen! Wenn ihr am Ufer eines Flusses oder eines klaren Gebirgsbaches sitzt, der stetig an euch vorbei gluckert, klitscht und rauscht, hat das ja eigentlich auch immer etwas Angenehmes, oder?

Warum nun prophezeie ich The Helio Sequence, dass es wieder nix wird mit dem Welterfolg, obwohl ich die Platte doch sehr lobe? Weil die zwei, dadurch dass alles hier so schummrig, unaufdringlich und dezent ist, den Hörer nie am Kragen packen und seine unbedingte Aufmerksamkeit einfordern. Und weil das Musikbiz nun mal ein Geschäft ist, in dem man auffallen muss – aber Summers und Weikel sind offensichtlich nicht interessiert daran, aufzufallen. Auf ihrem vierten Album „Keep Your Eyes Ahead“ (2008), da waren noch ein paar Beinahe-Hits drauf wie der Titelsong oder „Hallelujah“, die ich in mutigen Momenten sogar vereinzelt im Atomic-Set ausprobiert habe. Aber schon auf „Negotiations“ (2012) machten die zwei den Schritt davon weg, legten eine bedächtigere, verhaltenere Platte hin. Hier schließt ihr sechstes Album an. Macht euch nichts vor, diese Platte wird euch nicht umhauen oder mitreißen. Aber sie könnte euch sehr, sehr gut gefallen.

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