Review: Lo-Fi Fnk

nightclub nirvanaLo-Fi Fnk – Nightclub Nirvana

Ich will es kaum glauben – Tasächlich, 2006 war’s, als „City“ erschien! Echt jetzt, neun Jahre ist das her??!! In meinem Kopf ist das schwedische Duo Lo-Fi Fnk immer noch unter „die hippen Newies“ abgespeichert. Denn einen ganz kurzen Moment definierten sie genau den Puls der Zeit: 2006-08, das war die Ära, als die Klaxons etc auftauchten und unter dem Schlagwort „New Rave“ eine Indie-Dancefloor-Revolution einläuteten. Es war die Zeit, in der man noch nägelkauend auf den neuen Kitsuné-Sampler wartete (anstatt ihn wie heute gähnend zu erdulden). Songs von Lo-Fi Fnk landeten auf diesen Samplern.

„City“ ist auch in den Jahren danach nie ganz aus meinem Atomic-Set verschwunden. Denn dieses Highlight vom Lo-Fi Fnk-Debütalbum „Boylife“ klingt sogar heute noch fresh. Der Song wummert und lasert sonderbar minimalistisch, leicht schräg, verwirrend zeitlos – insofern, dass er 80s-mäßig klingt, aber auch zu 80s-Synthpop-Zeiten Außenseiter gewesen wäre und nirgends wirklich dazu gepasst hätte. So wie es auch in die Nu-Rave-Party zwar nicht konkret reinpasste, aber genau deshalb ja auch cool auffiel. (Ein anderes Beispiel für so einen Song ist „Fafafa“ von Datarock – auch komplett klassisch, aber in keine konkrete Schublade zu stecken)

So viel Aufmerksamkeit haben Leonard Drougge und August Hellsing nie wieder bekommen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie sich verdammt viel Zeit ließen mit dem Nachfolger. Dabei war „The Last Summer“ (2011) dann eine prima Platte: Einmal mehr modernistischer Synthpop, diesmal ein bisschen (aber nicht viel) ausgefeilter. Und Lo-Fi Fnk schafften es, mit der Simplizität ihrer Tracks genau knapp auf der richtigen Seite des schmalen Grates zwischen „echt lässig“ und „cheesy“ zu wandeln.

Diesen Grat lasst mich eben erklären: Man muss sich an „cheesy“ ran trauen wie an einen Teich, in dem Krokodile lauern. In dem Moment, wo du die Linie übertrittst, kann alles ganz fürchterlich werden. Aber wenn du grinsend knapp außer Reichweite der Viecher die Uferlinie entlang tänzelst, hat das was Souveränes, es ist richtig schneidig. Es ist auch ein unnötiges Risiko, aber halt schon auch irgendwie faszinierend. Jedenfalls: Auf „The Last Summer“ gab’s eine Handvoll richtiger Bringer. Den Titelsong zum Beispiel, „Want U“ oder „Kissing Taste“. Es gab auch Momente, da standen die Stockholmer schon mit einem Fuß im Unterkiefer der Krokodile: Das (künstliche?) Saxofon auf „Sleepless“ zum Beispiel, oder die alberne Single „Boom“. Aber sie überlebten’s.

Weitere vier Jahre später kommt jetzt „Nightclub Nirvana“. Wieder hat sich die Welt vier Jahre weiter gedreht, aber Lo-Fi Fnk sind nicht wirklich mitgekommen. Wenn sie mit ihrem Post-Kitsuné-Synthie-Kram noch einen Finger auf einem Puls haben, dann garantiert nicht auf dem der Zeit. Sondern auf dem von jemand, der mal kurz mit der Zeit in einer WG gewohnt hat und jetzt in einer Waldhütte Computerspiele aus den 90ern daddelt. Aber das spricht ja nicht dagegen, dass es großen Spaß machen wird, das anzuhören, oder?

lo fi fnk kleinSo ist es dann auch. Was hat sich getan? Abgesehen davon, dass ihr Live-Drummer Link Drougge (Leonards Bruder) jetzt auch offiziell zur Band gehört? Zu dritt sind Lo-Fi Fnk kompositorisch klar in Richtung Song gegangen: Ihre Lieder haben jetzt Intros und Bridges und Refrains – zum Vergleich, der Chorus von „City“ damals war damals noch ein fettes Keyboard, das „Whhhhooeeet Whhhhooeeet“ machte. Heute erinnern Lo-Fi Fnk statt dessen sogar an schwedische Chart-Pop-Produktionen a la Tove Lo / Icona Pop, andererseits an den Silberpapier-Bonbon-Pop von Melody Club – das ist die Band, die auf dem Cheesy/Lässig-Grad die Rolle des Krokodilwächters einnimmt (= dieser Vogel, den Krokodile fröhlich in ihr Maul spazieren lassen). Das Intro von „Will U Be There“ erinnert mich sogar an ABBA.

Will sagen: Lo-Fi Fnk sind hier definitiv eine Stufe cheesier geworden – und das Minimalistische, mit dem ihre frühen Songs so neugierig machten, das ist (etwas) durchkonstruiertem, letztlich konservativerem Synthpop gewichen. Ein Grinsen zaubert diese augenzwinkernde, grellbunte Popmusik trotzdem auf mein Gesicht. Sagen wir: Das neuerdings-Trio klingt wie Hot Chip in einer Hüpfburg. Ohne den intellektuellen Ballast, einfach nur befreit beim Hopsen.

Schade ist, dass ein richtig herausragender Knaller-Hit a la „Last Summer“ oder „City“ hier fehlt. (Obwohl, ich glaube, ich verliebe mich gerade in den HiSpeed-Kitsch von „Sensual Melody“). Dennoch kann diese Platte für den, der cool ist, immer noch eine Menge „peinlicher Lieblingslieder“ bereit halten – und ich bin zum Glück nicht mal cool.

lo fi fnk wertung
(p.s. das Album hat 10 Tracks, aber das 49sekündige Intro bewerte ich nicht als solchen. Mache ich hier übrigens immer so bzw. werde es so machen.)

LO-FI-FNK FT. DUVCHI – CAN U FEEL IT (LYRICVIDEO) ^^ from Eneles Film on Vimeo.

Last Summer – En Kärlekshistoria (A Swedish Love Story) from LO-FI-FNK on Vimeo.

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