Review: Amason

amason albumAmason – „Sky City“

Das war fast ein Flashback. Ich habe mal wieder so richtig aufgeregt auf die Post vom CD-Versand aus Schweden gewartet, wie früher! Denn diese CD musste ich bestellen, international, hierzulande ist sie selbst als Download noch nicht erhältlich. Und ich bin ja auch der Typ, der kleineren Bands lieber sein Geld geben und Dinge in der Hand halten will, anstatt sich Sachen von für nix aus dem Netz zu ziehen.

Wer sind Amason? Eine schwedische Supergroup, wenn man so will. Am Bass: Gustaf Ejstes = Dungen! An den Keys und den Saiten: Pontus Winnberg (Miike Snow) sowie sein Bruder Petter (Little Majorette). An den Drums Nils Törnqvist, Studio- und Livemusiker für Miike Snow, Lykke Li, Markus Krunegård, Anna Ternheim u.a. Der Gesang schließlich kommt von Amanda Bergman (Idiot Wind) – sie ist die Ehefrau von The Tallest Man On Earth, übrigens.

Und was machen Amason? Ganz famose, sonderliche Retro-Popmusik. Nach ihren eigenen Spielregeln.

Ich habe Amason letztes Jahr auf dem SPOT Festival gesehen – aber ich habe sie beim ersten Mal noch nicht kapiert. Die Band spielte zumeist Midtempo-Stücke, die freundlich vor sich hin zu laufen schienen. Nett, aber nicht spektakulär, dachte ich. Es war erkennbar ein Liebhaberding – vintage Instrumente, vintage Klänge. Ein bisschen Psychedelia, nicht zu ausgefranst. Das gefiel mir, aber es haute mich noch nicht um.

Das Licht ging mir erst auf, als ich mir später die paar Songs, die es auf itunes gab, besorgte. Da fiel mir auf: Hoppla – das sind ja komplett unorthodoxe Melodieführungen! Das sind tunes, die man so nicht kommen hört – aber ins Ohr gehen sie trotzdem, beziehungsweise erst recht! Auch die Rhythmen (bevorzugt lineare Krautrock-Motorik), die Wendungen, die Breaks in Amasons Liedern – immer wieder überraschend, smart, pfiffig! Und die Klänge! Klassisch wie aus dem Radio der 70er Jahre – vereinzelt fühlt man sich an französische Chansons erinnert, die man als Kind mitbekam – und dann aber konterkarieren sie das mit einem analogen Synthie, oder einem sonstwie unerwarteten Geräusch. Wie raffiniert, gleichzeitig retro und superfresh!

Amason haben dann über die letzten 15 Monate hie und da Singles veröffentlicht, darunter allerdings echte Geniestreiche. Die Frage war: Werden sie das ein Album lang durchziehen können? Jetzt werden wir’s erfahren!

amason klein„Sky City“ beginnt mit „Älgen“ und „Duvan“, zwei Songs, die wir bereits als Singles kennen. Beide sind famos: „Älgen“ mit seinem schnellen Krautrock-Beat und seiner Blumenkinder-Melodie, das zurückgenommene „Duvan“ mit seinen exotischen Akkordwechseln.

Die erste neue Nummer ist „Kelly“. Dies ist auch die offizielle Single zum Album. Kein Wunder, denn dies ist bisher Amasons glasklarster Popsong. Was natürlich nicht heisst, dass es ein konventioneller Popsong wäre. Er hat zwar einen himmlischen Ohrwurm-Refrain, aber der lenkt gekonnt davon ab, dass Instrumentierung und Komposition wieder einmal extrem komplex sind.

„Elefanten“ bremst das Tempo nun runter. Hmm, der Song ploddert ein wenig. Okay, es gibt wieder den überraschenden Stimmungs/Akkordwechsel – aber hier packen sie mich erstmals nicht. (Ich schließe aber nicht aus, dass es beim zehnten Hören dann „Klick“ machen wird.)

Jetzt: „Went To War“. Das kennen wir, das war eine frühe Single. Aber ich kann mich immer noch nicht dran satt hören. Eine der schönsten Melodien dieses Jahrzehnts haben Amason da geschrieben! Hach!

Nun: „NFB“ – wieder ein flotteres Tempo. Sagt mal: Wo holen die immer diese Melodien her!?!?!!! Prima Saloon-Klavier im Refrain. Toll!

Okay, ich will euch jetzt nicht jeden Song beschreiben wie bei einem Track-by-Track. Sagen wir einfach: Auch die zweite Hälfte der Platte ist prima. Hier zeigt sich, dass Amason den Sound gefunden haben, der ihrer ist. Sie verändern jetzt nicht mehr viel. Was nicht heisst, dass sie nachlassen, sondern nur, dass sie spielerisch, aber zielsicherem Händchen weiter die Elemente ausspielen, die ich oben beschrieben habe: Traumhafte Gesangsmelodien, raffinierte Arrangements, Krautrock-Beats, Tendenz zur Psychedelia. Das ist wirklich richtige Popkunst hier!

Den Schleicher „The Moon As A Kite“ will ich noch hervor heben, weil dieses Lied klingt, als käme das Sandmännchen vorbei. Im Großen und Ganzen lasst mich sagen: Das Warten auf den Briefträger hat sich gelohnt! Die gewaltigen Hoffnungen, die ich in Amason gesetzt habe – ich sehe sie hiermit voll und ganz erfüllt.

amason wertung

… und die tolle Single „Ålen“ haben sie nicht mal drauf auf dem Album!

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