Interview: AWOLNATION

awolnation HeaderEine Interviewform, die ich besonders mag, ist unser Fragebogen „Bloss nichts über Musik“, den wir monatlich im piranha haben. Klar, es gibt niveauvollere Gespräche, aber hier kriegt man immer interessante und lustige Sachen mit – und die Befragten haben normal auch ihren Spaß dabei.

Im März spielten AWOLNATION anlässlich ihres zweiten Albums „Run“ in München, so hatte ich die Möglichkeit, ihren Kopf Aaron Bruno über Haustiere, miese Jobs und sonderbaren Lesestoff zu sprechen.

Unser Fragebogen beginnt mit: Was ist dein Drink?

Alkoholisch?

Wie du magst!

Ganz wichtig sind mir zur Zeit Vitamindrinks. Wir haben es jetzt für die örtlichen Veranstalter in den Vertrag geschrieben, dass wir backstage immer einen Entsafter vor Ort haben wollen. Ich mache mir gerne so einen Saft mit Rote Beete, Ingwer ist wichtig, Orangen. Heute haben wir Birnen… wir machen uns immer diese organischen Säfte, damit wir auf Tour nicht krank werden. Denn Touren ist grundsätzlich eine schmutzige Sache. Aber wenn’s um Alkohol geht, ist mein Getränk zur Zeit Wodka.

…und womit kurierst du den Kater?

Indem ich erst gar nicht so viel trinke, dass ich einen Kater kriege.

Du trinkst schon am Abend in Maßen.

Genau. Das beste gegen einen Kater, ist ihn erst gar nicht zu zuzulassen. Ich kenne inzwischen mein Maß, wie viel ich trinken sollte bzw wie viel nicht.

Ja, das lernt man mit der Zeit, habe ich auch festgestellt. Ich kenne einfach mein Limit. Mein Körper sagt mir: So, das reicht jetzt, jetzt kannst du dann heim gehen.

Genau!

Gibt es eine Speise, die du nicht magst?

Fleisch. Ich esse kein Fleisch und versuche Tierprodukte überhaupt zu vermeiden, wenn es geht. Manchmal kommt man nicht drumrum. Aber ich versuche, keine Tierprodukte zu mir zu nehmen und mir meine Eiweiße aus anderen, natürlicheren Quellen zu besorgen.

Die nächste Frage ist: Wofür gibst du am meisten Geld aus?

Ich würde sagen: Essen – Surfboards – und Immobilien.

Immobilien?!

Ja.

Wow, „Sail“ lief also wirklich RICHTIG gut.

Ja, es hat sich ganz gut gemacht.

Man liest: „6-fach-Platin“, aber man hat einfach keine Vorstellung, was das bedeutet. 

Ich weiss. Mir geht’s je selbst genau so. Und der Song läuft ja immer noch gut, und das auch noch auf der ganzen Welt! Und je mehr mit der neuen Platte passiert, desto mehr wird noch mal mit „Sail“ passieren. Und für viele Leute wird der Song für immer eine Hymne bleiben – einen solchen Song in meinem Gepäck zu haben, das ist ein Traum, der wahr wurde.

Es ist so krass, wie sich die Nummer immer noch in den Charts hält! Ist sie überhaupt jemals aus den niedrigeren Plätzen verschwunden?

Ist sie nicht!

Rang 175 auf itunes für IMMER.

Für immer, bis ans Ende der Zeit.

Jetzt verlasse ich hier natürlich den Fragebogen – aber juckt dich das nicht auch, das der Song deine Wahrnehmung so dominiert? Willst du das nicht mit einem anderen Song toppen?

Ach was, da bin ich realistisch. Aber der Song gibt mir die künstlerische Freiheit, die Musik zu machen, die ich machen will.

Nächste Frage: Was war deine überflüssigste Ausgabe?

Hmm. Drogen. Schlechte Drogen, die ich lange nicht mehr nehme. Das war echt sowas von unnötig! Aber als ich komplett pleite war, habe ich es trotzdem immer noch geschafft, Geld zum Partymachen zusammen zu kratzen. Für Alkohol gilt das ja letztlich genauso. Man macht nur seinen Körper kaputt. Das war echt am Unnötigsten.

Ansonsten macht man öfter Fehler, wenn man auf Tour ist, was Klamotten angeht. Man ist in einem fremden Land und fühlt sich ein bisschen abenteuerlustig und denkt: „Hey, ich traue mich mal was!“ Aber dann kommt man heim und denkt sich: „Was hat dich da geritten? Das wirst du NIE in der Öffentlichkeit tragen!“

Nächste Frage: Wie hieß dein erstes Haustier, und was war es für eins?

Das war Goldie. Ein Mischling aus Golden Retriever und Labrador. Er wurde überfahren. Mann, was für ein Hund! Du konntest Baseballs nach ihm werfen, und er fing sie mit dem Maul. Der kannte nix – selbst wenn er aus dem Maul blutete, wollte er immer weiter machen. Das ist meine erste Erinnerung an ein Tier. Zur Zeit habe ich keinen Hund. Ich hätte gerne wieder einen, aber ich bin ja dauernd auf Tour. Aber ich bin definitive ein Hunde-Typ.

Aber dafür mag ich die Fragebögen. Man kriegt Einsichten ins Leben der Musiker, die man sonst nicht so kriegt. Gerade die Haustier-Geschichten sagen oft viel aus.  

Yeah.

awolnation aaronWas war dein miesester Job?

ich arbeitete mal in einem Büro, und ich ordnete Akten ein. Was daran so schlimm war, war dass ich immer in irgendwelchen Kellern und an Aktenschränken zugange war. Damals hatte ich das Gefühl, dass mir mein Herz und meine Seele verwelken. Aber ich war noch so jung und ich kannte noch nichts anderes. Jedenfalls, ich war dauernd krank, und heute noch hasse ich Neonlicht. Zum Beispiel gibt es bei uns zu Hause diese Supermärkte namens Target – in diesen Läden muss ich Sonnenbrille tragen, weil die Bestrahlung mir das Gefühl gibt, dass sie mir meine Seele raubt. Überall, wo fürchterliches Licht herrscht, schlägt es mir auf die Seele.

Dann stellst du bestimmt genaue Anforderungen an eure Lightshow.

Genau.

Die nächste Frage ist: Welchen Sport kannst du? Aber du sagtest ja schon, du bist Surfer.

Also, ich weiss nicht, ob ich da ein Naturtalent bin. Ich würde sagen, ich bin okay, ich habe meinen Spaß. Aber ich war mal ein großes Baseball-Talent. Ich war ein Pitcher, und von 12 bis 14 habe ich alles gewonnen. Dann war vom einen Tag auf den anderen alles weg. Aber eine Zeitlang war ich richtig gut.

Welches Buch liest du gerade?

Es heißt: „Nothing in this book is true – but it’s exactly how it is“ – das ist abgefahren. Da geht es um wilde, alternative Denkweisen. Ich bin noch nicht damit fertig, aber bisher macht es Spaß. Es ist fordernd, es ist verwirrend, und es spricht eine Menge verrückter Themen an. Ich habe meinen Spaß damit, aber ich habe auch keine Ahnung, was ich davon halten soll.

Hast du einen Lieblingsfilm oder TV-Serie?

Lieblingsfilm: Back To The Future 1. Liebste TV-Show: Seinfeld.

awolnation-runUnd was hasst du im Fernsehen, bzw. bei welchem Film würdest du aus dem Kino gehen?

Sorry, während wir das Interview machen höre ich meine Band Soundcheck machen und sie fetzen SO rein! Unser Drummer Isaac Carpenter hat gerade das explosivste Drumfill rausgehauen, das hat mich gerade total geflasht! Ich muss ihm nachher gratulieren. Jedenfalls, schlechte Filme… also, ich hasse viele Filme und ich wünschte, mir fiele jetzt was Gutes ein, das tut es aber leider nicht.

Hast du eine Phobie?

Ich kann in engen Clubs, wenn viele Leute da sind, Klaustrophobie empfinden. Ich hasse es vor allem, in Clubs zu sein, in denen Leute rauchen. Ich war selbst Raucher, drum verstehe ich’s – aber es ist halt die eine Sache, selbst freiwillig zu rauchen – und eine andere, das ungewollt mit einatmen zu müssen. Es heisst ja auch, das sei sogar schädlicher. Diese Selbstsüchtigkeit von Leuten, die rauchen, ohne sich um die anderen zu scheren – die macht mich rasend! Ich meine, wenn du rauchen willst, alles klar. Tu’s und hab’ deinen Spaß – aber lass MICH das Scheissding nicht mitrauchen! Mann, das macht mich ganz irre. Sorry, dass ich da jetzt so emotional geworden bin.

Ich selbst bin Nichtraucher und in Deutschland gibt es das Rauchverbot in Clubs noch nicht so lange. Früher hat es mich nie weiter gestört, wenn Leute geraucht haben, ich war daran gewöhnt und wollte nicht der militante Nichtraucher sein. Aber heute kann ich Rauch nicht mehr aushalten. Eine Freundin von mir ist zum Beispiel nach Wien gezogen, wo die Leute noch in den Clubs rauchen. Und es ist für mich echt ein Grund, sie dort nicht zu besuchen – weil der Gedanke, in zugerauchten Bars zu sitzen, mich echt abstößt.

Und jetzt stell dir noch vor, du bist auf der Bühne, schwitzend, herumspringend, du versuchst zu singen, aber du musst all den Rauch inhalieren. Das ist fürchterlich. Es gibt noch was, das mich rasend macht: Liegengelassener Müll. Nimm deinen Müll mit und wirf ihn nicht in die Gegend und warte darauf, dass das jemand anderes für dich tut! Ich lebe am Meer, ich gehe am Morgen am Strand laufen, und ich muss all den Müll der Leute sehen – nach einem Urlaubswochenende liegt da all das Zeug rum, Bierdosen… was denkst du denn, was das für Auswirkungen hat auf das Meeresleben? Aber das gilt auch an anderen Orten.  Lass einfach deinen Scheiss nicht liegen! Ich weiss nicht, wie man die Leute erzogen hat, die so drauf sind! Irgendjemand muss deinen Dreck wegmachen! Wo ist denn das Problem, hinter sich wieder Ordnung zu machen? Ich muss aber sagen: Bei euch in Deutschland sieht es ziemlich sauber aus. In LA ist das anders. Da lassen die Leute ihren Scheiss einfach fallen und gehen davon aus, dass irgendwer sonst sich schon drum kümmert. Deswegen bin ich echt leidenschaftlicher Fürsprecher dafür, dass jeder hinter sich sauber machen sollte.

Ja, uns Deutschen trichtert man das sehr früh ein. Ich weiss noch, schon auf der Grundschule wurde uns das klipp und klar immer wieder gesagt: Wirf deinen Müll nicht in die Gegend.

Ja. Und das sieht man. Bei euch sieht es echt sauberer aus.

Nächste Frage: Wenn du jemandem ein Denkmal bauen könntest, für wen wäre das, und wie sähe es aus?

Hmmm… ich glaube für Harry Nilsson. Denn ich habe das Gefühl, er wird übersehen. Er hat nicht unbedingt ein Image, an das die Leute sich erinnern, kaum jemand weiss, wie er aussah. Ich glaube auch, die älteren und vielleicht noch unsere Generation weiss übr ihn Bescheid, aber die Kids haben alle keine Ahnung mehr, wer Harry Nilsson war. Dabei hat er so viele umwerfende Songs, er hatte einer der besten Stimmen – er ist einer meiner absoluten Lieblingssänger, neben John Lennon natürlich, und Kurt Cobain. Und Prince, eh klar. Und Michael Jackson. Aber Harry Nilsson ist derjenige, der von diesen Namen am ehesten übersehen wird. Es gibt eine tolle Film-Biographie „Who Is Harry Nilsson“, die kann man auf Netflix gucken. Das kann ich nur empfehlen. Wie das Denkmal dann aussehen würde, was es sein würde, das weiss ich gar nicht.

Es hätte die Form des Tobias Jesso Jr – Albums.

(abfällig) Aber klar.

Ich meine, man vergleicht ihn ja mit Nilsson. 

Er ist nicht mal nahe dran!!

Ich habe das Album erst einmal gehört, ich kann das noch nicht beurteilen. 

Ich hörte eine Single, die schon sehr retro klang. Ich meine, sie war okay. Aber halt kein Nilsson.

Okay… Wenn du Godzilla wärst, was würdest du kaputt machen?

Ähm… das ist eine gefährliche Frage. Hmm. Ich würde an der Pazifik einige Bauten der Menschen zerstören, die die Wellen kaputt machen. Da wurden einige künstliche Strände angelegt, Yachthäfen und Straßendämme, die die besten Wellen Kaliforniens kaputt gemacht haben. Von diesen Strukturen würde ich viele zerstören. Und vielleicht würde ich das Material davon auch verwenden, um bei manchen Wellen ein bisschen nachzuhelfen. Ich würde meine Macht letztlich jedenfalls dafür einsetzen, dass vor Kalifornien tolle Wellen entstehen.

Ohne was kämst du nicht klar?

Ohne zu Surfen. Ohne das Meer. Wenn ich länger auf Tour und weg vom Meer bin, werde ich ganz nervös.

Hat man dir gesagt, dass es in München eine feste Welle gibt?

Das hat man. Ist die weit weg von hier? Ist es da voll?

Schon ein Stück weg. Wie voll es ist, weiss ich nicht. Ich weiss auch nicht, ob es an einem kalten Märztag so empfehlenswert ist. Ist halt nur auf einem kleinen Fluss, einem Isarkanal.

Verstehe. Aber man hat mir jedenfalls davon erzählt.

Welches war der sonderbarste Ort, wo du je warst?

Rumänien. Erstens mal hätte ich natürlich nie gedacht, dass es mich mal dorthin verschlägt Zweitens war es in der Nähe Transsylvaniens. Letztlich war es einfach eine sehr sonderbare, bizarre Erfahrung.

Ihr wart da für ein Konzert?

Ja, für ein Festival. Es war super, die Leute waren fantastisch. Es war einfach abgefahren – wir waren in einem Hotel, wo alle Bediensteten wie Ritter gekleidet waren.

Viele Bands fahren heute zum Videodreh nach Rumänien, weil die Sets und die Extras recht billig sind.

Wahrscheinlich, ja.

Viele Bands nehmen dort auf, wenn sie Orchester brauchen. Dort gibt es viele klassische Musiker, die auch wieder billiger sind als in London.

Aah, cool. Macht Sinn.

Okay, wir sind ziemlich weit gekommen. Eine Frage mache ich noch, okay? Und zwar: Schon mal was geklaut?

Ja. Die Herzen vieler Frauen. Aber im Ernst: Ich hatte als Teenager einen Job in einem Laden namens Hot Topic. Damals erschien ein bestimmtes Hardcore-Album – und Alben erschienen immer an Dienstagen. Diese Kiste landete bei uns schon an einem Montag. Und ich werde jetzt nicht sagen, wer damit etwas zu tun hatte – aber als das Album Dienstag ins Regal gestellt werden sollte, war keins mehr da. Drei waren ins Geschäft gekommen – und in dem Laden arbeiteten drei Hardcore-Kids, eins davon war ich, und diese CDs waren verschwunden. Ansonsten habe ich nie was geklaut. Höchstens einmal in der sechsten Klasse als Mutprobe ein Stück Pizza aus der Cafeteria oder so. Aber ich habe mich nie wohl gefühlt bei so etwas. Ich glaube daran, dass so etwas wie Karma hoffentlich existiert und dass es zu einem zurück kommt, wenn man sich gut verhält.

Ich habe auch noch nie Musik geklaut, ob du’s glaubst oder nicht! Ich kaufe alles – ich bin der einzige, den ich kenne, der echt viel Geld ausgibt auf itunes. Aber ich glaube: Wenn ich in den Topf einzahle, kommt vielleicht aus was für mich wieder zurück. Und bisher hat sich das ja ziemlich gut bewahrheitet.

Trotzdem: Meine neue Platte soll jeder sich besorgen, da ist mir egal, wie. Wenn du pleite bist, dann kopiere sie dir eben. Aber ich möchte echt, dass viele Leute sie hören!

Vielen Dank! Dann freue ich mich heute Abend aufs Konzert!

Danke, dass du uns unterstützt!

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