Review: Skinny Lister

skinny-lister-down-deptford-broadway-7579Skinny Lister – „Down On Deptford Broadway“

Es gab eine Zeit, so ca zwei Jahre nach dem Riesenmegaerfolg von „Sigh No More“, da schüttete man uns zu mit weiteren britischen Folkbands. Weil die Mumfords so durch die Decke gegangen waren, signten die UK-Labels nun alles, was nicht rechtzeitig auf dem Baum war und androhte, Publikum bei deren Fans abzuzwacken.

Leicht fiele es, jetzt all diese Bands als Nachäffer über einen Kamm zu scheren. Aber zu den Combos, die dadurch eine Chance erhielten, gehörten so unterschiedliche Acts wie die poetischen Vogelbeobachter Stornoway, die malerischen Dry The River oder die urigen Akkordeon-Stampfer Skinny Lister, um die es hier jetzt geht.

Skinny Lister waren bestimmt keine Londoner Hipster, die ihr erstes Banjo auf einem Mumfords-Gig gesehen hatten und jetzt plötzlich Fischerlieder sangen. In London hatten sie sich zwar gegründet, dort aber als entwurzelte Landeier zueinander gefunden. Der Vater von Sänger Dan Heptinstall war selbst noch Fischer gewesen, im nordenglischen Küstenstädtchen Bridlington. Wenn Skinny Lister also Northumbrian Folk feierten und die Rumbuddel durchs Publikum gehen ließen, durfte man ihnen (sogar obwohl 3/5 der Band es vorher als Indietruppe namens The Alps versucht hatten) zugestehen, dass das nicht gestellt war.

Anyway, ich mochte Skinny Lister sehr. Obwohl ja auch ich erst zynisch sein wollte. Als ich erstmals einen Song auf meinem alten Blog von ihnen postete, nannte ich sie noch „Hipster-Pogues“. Aber drei Mal habe ich sie live gesehen und mich jedes Mal mit Freude zum Affen gemacht. Denn auf ihren Shows hakt man sich ein, schreit sich zu „John Kanaka“ die Seele aus dem Leib und kämpft um einen Schluck aus der Buddel Rum. Das macht einfach Sauspaß.

skinny-lister-down-deptford-broadway-7580So. Das alles war 2012/2013. Inzwischen haben sich sogar die Mumfords selbst vom Banjo losgesagt. Ist Indiefolk damit durch?

Das sollte Skinny Lister nur dann interessieren, wenn sie wirklich nur Hipster waren und die Musik nicht mit dem Herzen machten. So oder so, ihr zweites Album – es erscheint nicht mehr beim Styler-Indie Sunday Best, sondern beim etwas konservativeren Indie Xtra Mile – verändert ihren Sound in Maßen. Die Band ist inzwischen zu sechst, hat einen Drummer an Bord. Das führt zu einem Sound, der den Folk ihres Debüts doch einige Inches in Richtung Indierock führt. Auf „Forge & Flagon“ gab es die „extremeren“ Lieder, wenn man so will: „John Kanaka“ war a capella, die Balladen waren echte Schmachtfetzen, das Akkordeon dominierte immer mal die Gitarre. Auf der Zweiten nun ist jeder Song voller Gitarren, akustischen und elektrischen. Das Akkordeon wirkt wenn, dann unterstützend, aber nicht als Lead.

Das Wichtigste aber ist geblieben: Skinny Listers Songs gehen immer noch ins Ohr wie.. wie… etwas, das extrem oberkrass ins Ohr geht. Dan Heptinstall kriegt immer noch eine sehr passable Shane MacGowan-Imitation hin – und Lorna Thomas eine fast bessere Kirsty McCall. „Forge & Flagon“ war das überraschendere Album, aber „Down On Deptford Broadway“ spinnt den Faden ordentlich weiter. Die neue Betonung auf die Indiegitarren begeistert mich nicht unbedingt, aber sie bedeutet auf der anderen Seite, dass Skinny Lister sich nicht wiederholt haben. Fair enough.

skinny-lister-down-wertung

Skinny Lister – What Can I Say? (OFFICIAL VIDEO) from Skinny Lister on Vimeo.

2 Kommentare zu „Review: Skinny Lister“

  1. Dank deines Bogs war ich diese Woche zum zweiten Mal auf einem Skinny Lister Konzert. Ach Mensch. Ich bin echt froh, das es deinen Bog hier gibt, da ich anders niemals auf die Band gestoßen wäre.Skinny Lister macht einfach Spass und ist immernoch total autentisch. Wie damals im Atomic, sind sie immer noch total nah/im Publikum und bringen einfach jeden dazu, sich ein bisschen zum Affen zu machen. .

    Danke Henning für den großartigen Blog!

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