Review: Lord Huron

lordhuronLord Huron – „Strange Trails“

Das hier ist eine echte Überraschung. Ich musste glatt noch mal ins erste Album von Lord Huron reinhören – was habe ich da nicht bemerkt? Aber nein, das hat sich so nicht angekündigt. Damit konnte man nicht rechnen!

Aber von vorne: 2012 hat ein gewisser Ben Schneider sein Debütalbum veröffentlicht – unter dem Namen Lord Huron, denn Ben, als Grafiker in Kalifornien lebend, stammt ursprünglich aus der Gegend des Huronsees. Also von einem der großen Seen an der Grenze zwischen den USA und Kanada, entsprechend wurde Ben vom Folk des Nordens geprägt. Dieser Erstling also, „Lonesome Dreams“ war eine wirklich feine Platte, wenn man Musik a la Band Of Horses, Fleet Foxes oder The Head And The Heart mag. Leise Americana. Gut gemacht. Klar, ein Sound, den man gut kennt, daher nicht wirklich originell. Aber auf hohem Level.

Ich dachte also, sowas würde ich auch hören, wenn ich Lord Hurons zweites Werk „Strange Trails“ einlege. Aber, hey, wow – dieses Album ist so viel BESSER, das man von einem Quantensprung sprechen muss! 

SACHA SCHNEIDER_LH_02Band_2-1Ein Blick aufs Bandfoto könnte Aufschluss geben. Lord Huron sind heute ein Quartett, und zwar eins mit unerwartetem Look. Die Jungs tragen gegelte Tollen wie Rock’n’Roller. Sie haben einen Stehbass. Ganz offensichtlich hat Ben Schneider eine feste Band um sich gruppiert, und in dieser Formation hat sich eine neue Dynamik entwickelt.

Ich habe eine Theorie: Lord Huron waren demnach auf Tour unterwegs. Wie sie so auftraten, zeigte sich: Der Song „Time To Run“, ein Highlight vom Debüt, flotter als die anderen Lieder, entwickelte ein Eigenleben. Er wurde immer etwas rockiger gespielt und sorgte für die beste Stimmung. Nach der Tour fragte sich die Band: „Wenn uns dieser Song am meisten Spaß macht, sollten wir diese Richtung nicht ausarbeiten?“

Keine Ahnung, ob’s in der Tat so ablief. Aber wenn es so gewesen wäre, dann klängen Lord Huron heute genau so, wie sie auf „Strange Trails“ klingen.

Will heißen: Da bringt diese Band doch in der Tat zwei ur-traditionelle, ur-amerikanische Musikstile, die irgendwie noch nie jemand unter einen Hut gebracht hat, unter einen Hut. Diese zwei Stile, das sind mehrstimmige Americana und 50s-Rock’n’Roll. Nun findet diese Verknüpfung auch noch bei Nacht und Nebel statt, bei leicht spukiger, bedrohlicher Stimmung. Und das Ergebnis ist hinreißend. Vereinfacht gesagt: Man stelle sich vor, die Band of Horses covert Elvis. In einer Twin Peaks-Bar!

Also ich bin hin und weg. Denn abgesehen davon, dass die Stile sich in dieser Atmosphäre prima vertragen, haben Lord Huron ihr Songwriting auf Vordermann gebracht. War „Lonesome Dreams“ noch vielfach schleppend, sprühen diese Songs vor Melodien, die im Ohr bleiben, vor Pep und smarten Referenzen. Man kann sich gar nicht entscheiden, was das Lieblingslied sein soll! „Fool For Love“ zum Beispiel: die Single, bei der man quasi gezwungenermaßen mitschnipst! Oder doch „La Belle Fleur Sauvage“ mit seinen „I Walk The Line“-Sounds? Vielleicht „Until The Night Turns“ mit seinem Clarence-Clemons-esken Saxophonsolo?

Ihr seht schon, Lord Huron wissen sehr genau, was sie tun, sind sehr clever in der Auswahl der Dinge, auf die sie sich berufen. Aber sie basteln aus all diesen klassischen Elementen etwas durchaus Eigenes, Frisches. „Strange Trails“ ist wirklich brillant.

ranking lord huron

P.S. Leider kann ich aufs Video zu „Fool For Love“ nur hiermit verlinken.

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