Interview: Ebbot Lundberg (A Tribute To The Velvet Underground)

ebbot-nina-magnus-headerEine höchst interessante Produktion kommt da im Mai auf Deutschlandtournee: „A Tribute To The Velvet Underground„. Unter diesem Motto wird eine schwedische Supergroup um Nina Persson (The Cardigans), Ebbot Lundberg (The Soundtrack Of Our Lives, Union Carbide Productions) und Magnus Carlson (Weeping Willows, Tandem Sky, Moon Ray Quintet) die Klassiker der 60s-Kultband um Lou Reed, Nico, John Cale & Co interpretieren.

Ein willkommener Anlass, mal bei Ebbot Lundberg nachzuhaken und diesen Longtime-Favorite über die Tournee zu befragen – und um sich ein grundsätzliches Update einzuholen. Es ist ja ziemlich lange her, seit man hierzulande zuletzt etwas von diesem urigen Original der SWE-Szene hörte.

Hallo, spreche ich mit Ebbot?

Ja, das tust du.

Soll ich denn Ebbot zu dir sagen? Oder doch lieber Lou?

Na, sag lieber Ebbot. Wir möchten ja niemanden verwirren. Nicht, dass jemand denkt, ich kam von den Toten zurück, oder so.

Es geht natürlich um eure Velvet Underground Shows – ich ging mal erst davon aus, dass Nina Persson wahrscheinlich die Parts von Nico singt – und dann fragte ich mich, ob ihr die Stimmen entsprechend zugeteilt habt. Du als Lou Reed, Magnus Carlson als John Cale?

… oder Doug Yule… also, ich habe tatsächlich eine ähnlichen Stimmunfang wie Lou Reed, übrigens auch wie Johnny Cash – insofern würde sich das anbieten. Aber vielleicht machen wir’s auch deswegen genau andersrum und ich singe Nicos Songs. Noch ist das nicht entschieden. Naja, wahrscheinlich singe ich die meisten Lou Reed-Parts.

Ich fragte mich das auch, weil Magnus Carlson eine meiner Lieblingsstimmen besitzt – aber er ist ein echter Crooner, er singt komplett anders.

Magnus ist einer der allerbesten! Und gerade, wenn eine Stimme anders ist, bringt es dem Ganzen etwas Neues. Seine Version von „I’m Set Free“ vom dritten Album ist fantastisch! Die ist perfekt.

Ich glaube auch: Ein besseres Tribut an diese Musik ist wahrscheinlich, sie ein bisschen zu verändern, als sie nur abzupausen. Der Versuch muss ja sein, den Spirit der Musik einzufangen.

Genau. Die Seele einer Gruppe besteht ja letztlich aus der Chemie zwischen den Bandmitgliedern. Es geht gar nicht, so etwas zu kopieren. Ich meine, klar versuchen wir, den Songs treu zu bleiben, bzw. dem, was sie ausdrücken – aber eben in unserer Konstellation. Wir werden die Songs zwangsweise verändern, aber natürlich deswegen nicht gleich eine Funk-Version von „Sunday Morning“ hinlegen. Wir versuchen, die Magie von The Velvet Underground widerzugeben, und das in dem Rahmen unserer Interpretation. Wir möchten die Songs hoffentlich nicht kopieren, sondern sie ausdrücken. So weit es uns möglich ist.

Bisher hat das prima geklappt – das erste Mal ist, dass wir diese Show spielten, ist über ein Jahr her. Das war noch bevor Lou Reed verstorben ist. Das hat großen Spaß gemacht, weil diese Songs und diese Texte so wahnsinnig gut sind und es einfach schade ist, dass sie nicht öfter gespielt werden. Wir haben also ein bisschen an den Songs herum gespielt und das Ergebnis klang echt gut.

Eigentlich sollte es eine einmalige Sache sein. Aber kurz danach starb Lou Reed, da kriegten wir neue Anfragen. Und weil es uns so viel Spaß gemacht hatte, Magnus und Nina und mir, sagten wir: „Warum nicht?“

Ja, dass ihr die Show in Schweden schon ein paar mal aufgeführt habt, habe ich gelesen. Was kannst du uns davon erzählen – wie fühlte es sich an, auf der Bühne?

Na – du weisst ja, dass Songs einen manchmal so richtig packen können. Und Velvet Undergrounds Songs sind nun mal sehr stimmungsvolle Songs, die mir sehr nahegehen. Sie erinnern mich an frühere Zeiten! Sie erinnern mich auch an Ravel oder Debussy. Gerade im Hintergrund passiert bei diesen Songs sehr viel, das wird oft überhört – das war auch etwas, das wir versucht haben, hervor zu heben. Wir haben also versucht, diese Vibes zu kreieren, und das hat ganz gut geklappt. Klar, man weiss vorher nie, was passiert. Aber wenn es funktioniert, dass man in diese Stimmung, auf diese Ebene kommt, dann ist es einfach großartig.

Wer kam denn ursprünglich auf die Idee zu dieser Show? Ihr alle drei seid in Schweden riesig bekannt, wir habt ihr euch verknüpft?

Die erste Show fand in einer Kirche statt. Die Idee kam von einer Freundin, sie ist Pfarrerin – dieser Typ moderne Pfarrerin. Sie fand einfach, dass das dritte Velvet Underground-Album toll in eine Kirche passen würde. Wir fanden etwas sehr Spirituelles in dem Gedanken, etwas Magisches. Also haben wir diese Show gespielt, und danach kamen die Anfragen für eine weitere Show und noch eine und noch eine… am Ende waren es fünf Shows. Einen Song wie „Heroine“ zu spielen, ist gar nicht so leicht, dafür muss man wirklich auf diese andere Ebene kommen. Aber ich konnte mich mit den Songs sowohl von Lou Reed als auch John Cale immer schon sehr identifizieren.

Nun ist Magnus extrem beschäftigt als Sänger der Weeping Willows, als DJ, Solo-und Gastsänger. Nina wiederum hatte neben den Cardigans-Liveshows auch letztes Jahr ein Soloalbum draußen und lebt die meiste Zeit in New York. Du hast zuletzt auch an neuer Solo-Musik gearbeitet – war es denn nicht schwer, gemeinsamen Platz im Kalender zu finden? 

Ooh, da war ich selbst überrascht! Ich hätte das nicht für denkbar gehalten. Aber irgendwie hat es hingehauen. Ich bin mitten an der Arbeit an meinem Soloalbum – aber an diesen Tagen war es uns tatsächlich allen möglich. Sechs Tage im Mai, das überstieg meine Erwartungen bei weitem. Ich hätte nie gedacht, dass das klappt. Da dürfen wir uns bei Lars bedanken, der das arrangiert hat, der sehr früh die Planungen übernommen hat.

Ihr drei Sänger werdet ja sicher eine Band dabei haben – sind das auch Leute, die man aus der schwedischen Szene kennen kann?

Och – die Musiker kommen aus verschiedenen Bands bzw sie haben schon in allen möglichen Bands gespielt, von Psychotic Youth bis Leather Nun… Ein Mischmasch aus Bandmitgliedern. Es wird die Band sein, mit der wir auch in der Kirche gespielt haben. Es war ja sogar der Dom! Die Venues in Deutschland kenne ich noch nicht – außer Huxley’s, daran erinnere ich mich von früher mit Soundtrack Of Our Lives. Ich hoffe, wir können eine gute Lightshow machen.

Also die Münchner Halle ist eine sehr schöne. Eine ehemalige Industriehalle, aber keine Fabrik am Rand der Stadt, sondern aus der Zeit der Industrialisierung, und inmitten des Stadtzentrums, direkt an der Isar.

Oh, wundervoll. Das sind gute Nachrichten!

Was bedeuten Dir The Velvet Underground?

Also es gibt zwei Bands, die mit Abstand die einflussreichsten in meinem Leben waren. Das eine waren Love, sie sind für mich die Velvet Underground der West Coast – und das andere waren The Velvet Underground selbst. Sie sind der Grund, warum ich Bands gründete. Ich erinnere mich genau, wie ich mit 17,18 zum Fan wurde. Vorher kannte ich den Namen Lou Reed, aber dann in den frühen 80ern entdeckte ich sie für mich, ihre Musik und ihre Texte – und naja, sie halfen mir durch diese Jahre. Ich denke, sie waren für Union Carbide Productions superwichtig. Da liefen ihre Album immer auf Dauerschleife. Sie bedeuten extrem viel für mich. Lou Reed ist auch mein Lieblingstexter – ich mag seinen Humor! Ich habe das Gefühl, diesen Texten nahe zu stehen. Ich habe ihn schon einmal in einem anderen Interview so genannt, aber für mich ist er der „Johnny Cash von New York“. Er ist die gleiche Art Autor, und er packt mich einfach. Mir bedeuten Velvet Underground mehr als jede andere Band, nicht nur auf musikalischer Ebene, mehr noch auf poetischer Ebene – sie sind einfach zeitlos!

Und was schätzt du besonders an deinen zwei Mitstreitern Magnus Carlson und Nina Persson?

Oh, Magnus ist einfach der beste Crooner, den ich je gehört habe! Er kann singen wie Roy Orbison – und zwar mit der gleichen Grazie! Er singt solche Songs nicht nur nach, sondern er singt sie natürlich. Er beeindruckt mich einfach – und Nina ist auch einzigartig. Sie hat diese wunderbare Stimme und sie ist eine so liebliche Erscheinung, es ist einfach … schön! Nina hat auch so eine coole Persönlichkeit, auch dafür bewundere ich sie – und sie hat einen urkomischen Humor! Ich muss schon lachen, wenn ich nur an sie denke!

Ich freue mich besonders, dass Magnus Carlson endlich mal in München spielt. Ich bin ein riesiger Fan der Weeping Willows und habe nie verstanden, warum die nie außerhalb Schwedens durchstarteten.

Das wundert mich genauso. Zumal ich finde, dass sie jetzt erst ihre beste Arbeit abliefern, dabei gibt es sie ja schon sehr lange. Sie hatten ihre Ups und Downs, aber jetzt sind sie auf ihrem Höhepunkt und sie sollten unbedingt mal eine Deutschlandtour spielen! Sie sind SO eine gute Band! Hoffentlich funktioniert diese Tour als Türöffner für Magnus und seine Band, dass sie endlich auf Europatour gehen können.

Was Dich angeht, habe ich gelesen, dass wir im Herbst mit einer Soloplatte rechnen können?

Ja, das ist korrekt. Ich habe zuletzt mit mehreren Projekten rumgespielt, und jetzt kommt alles zum Abschluss. Ich freue mich schon extrem darauf, dass ich bald mit meiner fantastischen neuen Band touren kann. Aber das ist eine andere andere Story, ich will damit nicht von der The Velvet Underground Sache ablenken. Aber im Sommer oder Herbst planen wir eine Europatour mit der neuen Band.

Was dürfen deine Fans erwarten? Geht es in die Soundtrack Of Our Lives-Richtung oder wird es etwas komplett anderes?

Naja, ich bin jetzt quasi an Stufe 3. Ich hatte Soundtrack, und davor hatte ich Union Carbide Productions. Dies wird sowas wie eine Mischung. Wir haben sogar ein paar Songs von Soundtrack und Union Carbide Productions im Liveset – denn das ist mein Ding, das ist mein Background. Es ist ein neuer Schritt, der vielleicht zu etwas noch besserem führt. Es fühlt sich gerade echt richtig gut an.

Ja, wir warten ungeduldig. Es gab ein paar Singles von dir, die man auch auf itunes und so kriegt, aber da fand keine Promotion und keine Labelarbeit statt.

Richtig, da habe ich ohne weitere Partner gearbeitet, das war nur für mich. Da wollte ich mal ganz ohne Druck vor mich hin werkeln. Aber auch diese Sachen kriegen wohl noch mal einen properen Release. Jetzt bin ich wieder bereit, voll anzugreifen. Die Zeit ist jetzt reif.

Okay, da freue ich mich drauf. Meine 20 Minuten sind jetzt gleich vorbei. Zum Schluss frage ich gerne nach einer Anekdote. Fällt dir etwas Lustiges ein, das bei Euren bisherigen Velvet Underground Shows passiert ist? 

Nicht unbedingt von einem der offiziellen Konzerte – aber es gab diese inoffizielle kleine Show irgendwo im Nichts an der Westküste. Das war so etwas wie eine Bandprobe vor Publikum. Da war echt ein schräger Club, und diese Leute sind komplett ausgeflippt – mehrere Frauen haben sich ausgezogen! Es war wie eine schlechte Version der Sixties. Ich glaube sogar, dass die meisten Leute dort keine Ahnung hatten, wer The Velvet Underground waren, nur ein paar Leute haben die Songs gekannt. Es war es der völlig falsche Ort für diese Art Show, aber deswegen irgendwie auch der genau richtige. Wir mussten mehrere Songs abbrechen! Aber wir haben die komplette Show durchgespielt. Wir fanden, dass es irgendwie gepasst hat. Und mich konnte es nicht schockieren, mich hat es nur erinnert an die Gegend, in der ich groß wurde. Ich habe auch festgestellt: Wo immer ich hingehe, ziehe ich die sonderbaren Leute geradezu magisch an. Das ist kein Problem für mich, ich habe inzwischen meinen Spaß daran. Das war perfekt.

Die anderen Shows waren sehr gemütlich und das Publikum war sehr relaxt.

Na, dann hoffe ich mal, dass du auch auf der Münchner Show wieder ein paar Freaks anziehst! Ich freue mich aufs Konzert und wünsche dir auch viel Erfolg bei der Arbeit am Soloalbum! 

Danke!

Cheers!

Bye!

Die Tour:
DI 19.05.2015 DARMSTADT | CENTRALSTATION
MI 20.05.2015 MÜNCHEN | MUFFATHALLE
DO 21.05.2015 BERLIN | HUXLEY´S NEUE WELT
FR 22.05.2015 HAMBURG | MOJO CLUB

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