Interview: Twerps

jpg Twerps HeaderSo, endlich widme ich mich meinem Twerps-Interview. Seit ein paar Jahren (okay, dafür hätte man den alten Blog verfolgen müssen) schreibe ich hier Liebesbriefe ans Genre „Dolewave“ bzw „The New Ordinary“ – so nennt man down under all die Bands aus Melbourne, die so unglaublich gemütlich und nonchalant klingen, die zwischen ihren Zeilen traurige und gewitzte Weisheit durchscheinen lassen. Die Könige dieser Musik, das sind die Twerps, die vor einigen Wochen ihr zweites Album veröffentlichten: „Range Anxiety“. Ich sprach mit Sänger Marty Frawley per skype.

Hallo! Mann, ich hab’ mich gefreut auf dieses Interview – ich verfolge euch jetzt schon ein bisschen länger, da ist es schön, dich jetzt vor mir zu haben.

Danke – ich freue mich auch, dass sich Leute aus anderen Ländern für uns interessieren. Das ist echt cool.

Warst du schon mal in Deutschland?

Nein, war ich nicht. Dabei hatte ich in der siebten Klasse sogar mal ein Jahr Deutsch. Aber im Mai werden wir mal nach Deutschland kommen, das kann ich kaum erwarten. Hoffentlich mögen die Leute uns.

Twerps AlbumAch, bestimmt! Aber zur neuen Platte! Die erste Frage, die ich mir beim Hören stellte, war: Was ist das für ein Geräusch auf „I Don’t Mind“ – das klingt wie Kirchenglocken im Hintergrund?

Das ist ein Synthesizer, den wir durch ein Delay-Pedal gejagt haben. Der Gedanke war, dass wir so ein summendes Hintergrundgeräusch haben wollten. Kann schon sein, dass das an Kirchenglocken erinnert.

Ich finde das Geräusch deswegen interessant, weil es mich beim Hören ziemlich verwirrt hat – ich konnte nicht sagen, ob das zum Lied gehört, oder ob das ein Nebengeräusch bei mir zu Hause war. Habt ihr auf diesen Effekt abgezielt?

Ein bisschen. Ich habe viel Yo La Tengo gehört in der Zeit – wir halten unsere Einflüsse nicht hinterm Berg. Yo La Tengo haben oft so Drone-Geräusche im Hintergrund, und ich wollte einfach, dass das Lied einen vollen Klang hat. Ich mochte Ricks Bassline, und die Drums, sie klangen sehr erdig, da wollte ich noch einen Sound mit dabei, der warm und flauschig klang. Freut mich zu hören, dass man es bemerkt.

Ich glaube ja, ein Schlüsselwort für die Twerps ist: Mühelosigkeit.

Ach ja?

Andererseits, auf der neuen Platte, da sind die Songs doch sehr viel ausgefeilter. Da merkt man, ihr habt die Arrangements genau durchdacht, da gibt es Breaks und Tempowechsel. Der Song „Simple Feelings“ zum Beispiel hat mehrere Sektionen. Ist das die Zukunft der Twerps, werdet ihr jetzt komplexer?

Naja, als die Platte draußen war, da dachte ich mir: Warum haben wir nicht mehr solche Songs auf dem Album? Ich denke mal, wir lernen noch. Wir haben angefangen mit der Band, da hatte noch niemand groß Übung auf seinem Instrument. Je mehr wir jetzt zusammen spielen, desto schwierigere Aufgaben stellen wir uns. Manche Leute denken, wir hätten uns nicht groß verändert zwischen den zwei Alben – wir haben aber sehr wohl das Gefühl. Offenbar gelingt es uns zwar, das mühelos wirken zu lassen – aber wir geben uns echt Mühe, weisst du?

Eben – ihr wirkt so laid-back, so unbemüht, so ungestellt. Aber jetzt, da sich das Ganze zu so etwas wie einer Karriere entwickelt, fragte ich mich: Wie leicht ist es da noch, diese Lockerheit beizubehalten?

Tja, das ist die Frage. Nun, es ist so, wir alle haben feste Jobs. Ich arbeite sechs Tage die Woche. Es ist nicht so wie in den letzten Wochen nach der Veröffentlichung -normal spielen wir nicht mal eben eine Woche lang Konzerte, wir alle arbeiten. Es ist uns auch wichtig, dass wir Jobs haben, denn es gibt uns eine gewisse Distanz zu Musik, so dass wir sie wirklich als reines Hobby betrachten. Nein, Hobby war das falsche Wort. Klar ist es uns wichtiger als nur ein Hobby. Und klar, wenn wir davon leben könnten, wäre mir das am liebsten. Aber man darf da auch nicht unrealistisch werden. Es soll uns einfach Spaß machen, dass wir in der Lage sind, Kunst zu schaffen.

Sieh an – ich dachte, da die Platte jetzt weltweit per Merge erscheint, könntet ihr an dem Punkt angekommen sein, wo ihr daraus eine Karriere macht. Aber du hast einen 6-Tage-Job? Was tust du, wenn du keine Musik machst?

Also, ich arbeite in einem Café bzw einer Bar, genauso wie Julie, meine Freundin, sie arbeitet dort auch. Und drei Tage die Woche fahre ich einen Van. Ich liefere erlesene Weine aus, für einen Freund von mir. Alex arbeitet in einer Kanzlei – und klar, gerne hätten wir es so, dass wir komplett nur Musik machen könnten. Aber das hieße auch, dass wir dauernd auf Achse wären. So sind wir geerdet in Melbourne. Australien ist ja auch weitab vom Schuss, und es ist schwerer, von hier viel zu reisen.

jpg Twerps 2Das scheint aber etwas typisch australisches zu sein. Weil für euch klar ist, dass es schwer wird, um die Welt zu reisen, zielt ihr mit der Musik oft gar nicht erst auf den Erfolg ab.

Genau, wir kennen das nur so. Also, mein Vater war Musiker und meine Mutter war Malerin – ich war also von kreativen Leuten umgeben, als ich aufwuchs. Aber mein Vater war auch Schafscherer – wenn er keine Musik machte, arbeitete er auf einer Farm – und meine Mutter war hauptberuflich Lehrerin. Ich glaube, wenn man so aufwächst, dann sieht man seine Kunst nie als Karriere. Das war nie das, was ich anstrebte.

Ist aber eine gute Einstellung. Weil man Kunst dann wirklich nur der Kunst wegen macht.

So sollte es aber ja auch sein. Wir sind auch sehr vorsichtig mit den Sachen, die wir als Band zu mit uns machen lassen, denn ich finde es wichtig, dass die „Reinheit“ der Kunst erhalten bleibt. Aber gut, ich meine, es wird sicher eh nicht passieren, dass… sagen wir… Heineken zu uns kommt und uns sponsern will. Trotzdem, das müssten wir ablehnen, weil es uns nicht entspricht.

Ich stelle mir gerade einen eurer Songs als Soundtrack einer Heineken-Werbung vor. Das würde nicht funktionieren. Andererseits wäre das vielleicht ein Grund, warum sie’s machen sollten. Weil es so wenig passen würde, dass es dadurch schon wieder auffallen könnte.

Ich meine ja nur, wir möchten unsere Integrität behalten und wir sind happy mit den Leuten, mit denen wir arbeiten. Klar, so große Firmen, die ermöglichen manchen Künstlern auch ihre Karriere, das hat schon auch sein Gutes. Aber wenn ich mir das so vorstelle… ich glaube, es würde dafür sorgen, dass wir hinterfragen, was wir tun, und das würde sich vermutlich nicht so gut für uns anfühlen.

Euer Album heisst ja „Range Anxiety“ – und das ist, wie ich rausfand, ein feststehender Ausdruck. Und zwar für die Angst, ein Ziel nicht zu erreichen, weil einem die Reichweite fehlt. Dass man zum Beispiel nicht genug Benzin im Tank haben könnte, und deshalb mitten im Nirgendwo liegen bleiben könnte. Meine Frage daher: Was ist denn das Ziel dieses Albums, das euch die Sorge macht, dass ihr es nicht erreicht? 

Finde ich cool, dass du das fragst. Denn obwohl die Deutung hinhaut, hat die Platte eigentlich den Titel, weil… Also, als wir mit dem Album anfingen, da arbeiteten wir noch mit einem Drummer, der aber nicht mehr mit uns spielt. Wir mussten uns sozusagen neu finden, denn wir sind eigentlich eine Band, die sehr eng zusammen arbeitet – wir mussten alles ummodeln und das hat uns eingeschüchtert. Oder es hat uns Angst gemacht, dass wir zu bemüht sind… wir waren jedenfalls voller Zweifel. Das Lustige ist also, dass unser neuer Drummer den Titel dann vorgeschlagen hat. Er kam als Aussenseiter rein und das war sein erster Eindruck von uns.

Jetzt habt ihr bei der Plattenfirma Merge unterschrieben – ein sehr respektiertes Label mit tollen Bands, und tollen Leuten die dort arbeiten. Mac McCaughan ist ein echter Indie-Held. Tja, was bedeutet es Euch, dort unter Vertrag zu sein?

jpg Twerps 1Also, als wir anfingen, mit ihnen zu sprechen, da hat uns sofort gefallen, wie sie arbeiten, wofür sie stehen. Ich mag ihren Ethos. Ich mag sie als Typen. Ich sehe, dass sie einen guten Job machen und hart arbeiten, dass sie unten angefangen haben wie wir. Deswegen haben wir uns echt gut verstanden – sie haben kapiert, worum es uns ging. Sie waren die „reinsten“ Leute, mit denen wir unsere Kunst machen konnten. Denn man macht sich ja Sorgen – man kreiert etwas und gibt das anderen Leuten in die Hand, die das dann um die Welt verbreiten sollen. Aber da haben wir’s perfekt erwischt, und ein paar der Bands, die sie bisher so entdeckt haben, sind unglaublich. Es ist schön, da jetzt dazu zu gehören.

Ich hatte das Glück, mit Mac zu sprechen als die letzte Superchunk-Platte rauskam. Er ist schon echt ein Held von mir, sowohl als Musiker als auch als Labelmacher, der so viele meiner Lieblingsbands gefördert hat. Eine schöne Kombination.

Ja, vor allem: Er hat so einen Drive. Sie haben schon so viel geschafft, aber er hat immer noch diesen Arbeitseifer, ich mag ihre Einstellung echt total. Ich meine, wie viele tolle Platten haben sie schon zu verantworten?

Lustig, dass du jetzt schon zwei Mal ihren Arbeitseinsatz gelobt hast. Lustig deswegen, weil das Image der Twerps doch ist, dass ihr solche „Slacker“ seid. In echt aber arbeitest du sechs Tage die Woche und hast die Band noch obendrauf. Du lügst uns also was vor, haha!

Ja, Haha! Nein, das ist echt was, das die Leute bei uns völlig falsch verstehen. Ich weiss nicht, woran das liegt – vielleicht ist es der australische Humor, der nicht verstanden wird? Wir werden immer als „Slacker“ abgestempelt, und ich habe nicht mal mehr Lust, dem zu widersprechen. Die Leute können ja denken, was sie wollen. Aber es ist schon fast blöd, wie oft wir das über uns lesen müssen. Denn wir haben echt eine Arbeitsmoral, aber seit ein paar Jahren nennt man uns „Slacker“ und wir werden das nicht mehr los.

Vielleicht erinnert eure Musik die Leute auch nur vom Klang her an bestimmte 90er-Bands, die man damals Slacker nannte. Und zum Anderen: Du meintest, ihr habt angefangen, als ihr eure Instrumente noch gelernt habt. Dann klingt man noch ein bisschen loser – und dann denken alle: Die klingen so, weil sie’s so locker sehen.

Das ist ne Möglichkeit. Naja, wir lernen jedenfalls, besser und besser zu spielen, und wir mögen es auch, wenn unser Sound einen gewissen Raum hat. Aber wir sind definitiv keine verpennte Band. Aber es ist ja auch kein wirkliches Problem, wenn Leute das glauben. Es nervt nur manchmal, das immer zu hören.

A pro pos australischer Humor: Ihr habt zwei echt witzige Clips gedreht im Vorfeld des Albums. Die fand ich echt klasse. In dem einen spielst du den Bandtyrann: „NEEDS MORE CHILLWAVE“

Ha, da bin ich froh, dass du gemerkt hast, dass das eine Parodie sein sollte. Stell dir vor, das haben viele nicht kapiert!

Ist nicht wahr! Wie kann man das nicht merken!? 

War aber so! Und dann haben wir ja noch den zweiten Film gedreht, wo ich den überkanditelten Poser gespielt habe. Ich kann’s auch nicht glauben, dass Leute das ernst genommen haben – ich meine, letztlich werden manche Leute doch quasi dafür bezahlt, dass sie sie Popkultur verstehen und den Leuten erklären – wenn ausgerechnet die sowas dann missverstehen… dann fragt man sich doch echt! Andererseits, auch egal. Es ist ja auch lustig, die Leute zu verwirren.

Wie entsteht bei dir ein Song, was bringt dich dazu, einen zu schreiben?

Weiss nicht genau – also, wenn wir touren, kann ich jedenfalls keine Songs schreiben. Es muss schon so sein, dass ich alleine in einem Zimmer sitze und mir was auf der Seele liegt, das ich ausdrücken will. Oder etwas, das ich versuche zu verstehen. Oder eine Story, die ich erzählen will. Julie fällt das leichter, sie ist die bessere Schreiberin von uns.

Julia: (aus dem Hintergrund): Wie jetzt? Was erzählst du da?

Marty: Hah, Jules ruft aus dem anderen Raum rüber! Ich habe einen Videochat!

Julia: Ah, dann kann ich nicht dazu kommen, ich bin in meinen Undies.

Marty: Sie ist schon in Unterwäsche, ich kann sie nicht ins Interview holen.

jpg Twerps skypeAh alright.

Sorry, wir sind hier ganz offen. Jedenfalls, oft helfen wir uns auch gegenseitig beim Schreiben. Oft schreibe ich über Beziehungen – ich mag Leute einfach, mich interessieren ihre Stories und ich rede gerne mit ihnen. Ich mochte auch Psychologie immer besonders gerne in der Schule – Leute zu verstehen. Ich bin keine sehr visuelle Person, aber ich bin ein guter Zuhörer. Im Großen und Ganzen geht es in den Liedern am Ende immer um eine Person. Das mögen manche Leute langweilig finden – aber deswegen sind wir doch hier, weil wir alle Menschen sind.

Manchmal singst du, manchmal singt Julia. Anhand von was entscheidet ihr?

Wenn Julie mit einem Song in den Proberaum kommt, dann ist der immer schon praktisch fertig. Da ist sie wie ein Dirigent: „Das gehört so, und das muss so sein!“ Ich wiederum spiele auf der Gitarre vor mich hin und warte ab, was passiert. Das scheint mir aber in der Kombination gut zu funktionieren, es hilft uns bei der Zusammenarbeit. Allerdings wäre ich schon gerne konstruktiver mit meinen Songs, ich hätte da gerne mehr Antrieb, eine klarere Richtungsvorgabe. Die habe ich aber nicht. Ich weiss einfach nicht, wie das läuft.

Aber singst du manchmal ihre Lieder und umgekehrt?

Nein, das läuft immer so ab, dass sie singt, was sie geschrieben hat, und dass ich die Lieder singe, die von mir sind. Aber ich habe immer nur drei Akkorde, die ich in den Proberaum bringe, und den Text lasse ich dann entstehen, während wir am Song arbeiten.

Dann kann ich dich gar nicht über „Shoulders“ ausfragen, eins meiner Lieblingslieder von der Platte. 

Freut mich aber, dass dir der Song gefällt, toll!

Dann frage ich dich nach „Simple Feelings“, der Song, den ich schon erwähnt habe. Was fällt dir als erstes ein, wenn du an den Song denkst?

Da geht es irgendwie um unseren alten Drummer. Er konnte in der Band nicht mehr mitspielen, naja, weil das unsere Entscheidung war. Trotzdem ist es irgendwie ein Liebeslied, so nach dem Motto „wir leben in einer kleinen Stadt und du bist hier mein bester Freund“. Wir leben sehr eng beieinander, und ich möchte ja nicht, dass man alte Freunde verliert und dass man den Kontakt abbricht. Er ist einer meiner ältesten Freunde und er war sehr verletzt, als das passierte. Jetzt sind wir wieder Freunde. Ich wollte damals etwas schreiben, das ihm sagte: Du packst das schon.

Jetzt werde ich das verbotene Wort sagen: „Dolewave“.

So? Willst du wissen, was das ist?

Ich denke, ich weiss das, ich bin ja Musiknerd und auf australischen Musikwebseiten unterwegs. Ich kenne die Bands, die man unter diesem Schlagwort zusammen fasst. Dick Diver, Lower Plenty, The Ocean Party, gewisserweise eigentlich auch Courtney Barnett. Ist das eine Szene? Ich meine, ihr Bands seid doch untereinander befreundet.

Befreundet sind wir auf jeden Fall. Aber „Dolewave“ ist halt ein Schlagwort, dass sich ein Typ im Internet ausgedacht hat, nur eil Dick Diver einen Song haben, der über die Arbeitslosenunterstützung („dole“) geht. Mei, es nervt mich nicht wirklich… aber doch ein bisschen. Es ist halt mehr ein momentaner Schnappschuss, ein Zeitpunkt, als eine Szene. Es gibt nun mal zur Zeit in Melbourne einfach einen Haufen guter Gitarren-Powerpop-Bands. Und es fangen viele neue an. Es gab Zeiten, da hat es uns echt geärgert, denn wie ich dir gesagt habe: Wir arbeiten richtig hart. Andererseits, die Leute packen nun mal gerne die Dinge in Schubladen. Ich finde, wir sind ganz anders als Ocean Party, und Dick Diver sind noch mal ganz anders. Aber gut, wenn es letztlich dafür sorgt, dass gute Bands leichter entdeckt werden? Du hast Ahnung über die Melbourner Szene, aber viele haben die nicht, insofern ist es nichts Schlechtes, dass die Leute überhaupt etwas über die Bands hören.

Ich denke mal, aus dem Ausdruck „Dolewave“ spricht schon irgendwie der australische Humor. Denn weniger glamourös geht’s ja gar nicht. So nach dem Motto: Ihr habt Chillwave – wir haben Dolewave!

Ja, stimmt schon.

Und ich muss sagen: Ich als Außenstehender höre halt ganz klare Gemeinsamkeiten zwischen den genannten Bands. Die Gitarrensounds, die Rhythmen, die nachdenklichen, nach innen gerichteten Texte… es gibt also all diese Ähnlichkeiten, und all diese Bands kommen auch noch aus der gleichen Stadt! Also sieht es ganz klar wie eine Szene aus.

Sicher… neulich, da fand ich einen Flying Nun-Sampler im Auto von Gus. Flying Nun kennst du? Dieses neuseeländische Label, das so ein eigenes Ding ins Rollen gebracht hat. Ich will jetzt nicht arrogant rüber kommen, aber da habe ich mich in der Tat gefragt: Wird es wohl eines Tages mal eine Dolewave-Compilation geben? Oder halt eine Compilation, die die Melbourner Bands der letzten fünf Jahre zusammen fasst? Naja, wenn man seine Freunden zuschaut, die mit einem Bands gründen, und wenn man das alles gemeinsam macht, dann ist es wohl eine Szene. Aber alle dieser Leute kenne ich nicht. Courtney Barnett habe ich noch nicht ein mal getroffen.

Zu Melbourne: Was kannst du mir denn über das Leben in der Stadt erzählen? Ich will es unbedingt noch mal nach Melbourne schaffen. Was sind deine Tipps?

Mein erster Tipp ist, dass du mich in meinem Haus besuchst und dich mit mir auf der Veranda setzt und wir hören Musik mit einem Bierchen. Toll an Melbourne ist: Es ist immer etwas los. Irgend ein Konzert ist immer. Das ist irre – ich war jetzt in fast jeder Stadt in den USA, aber ich habe keine gefunden, in der man so viele Möglichkeiten hat wie hier. All die Shows, überhaupt passiert hier sehr viel Kunst.

Gibt es bestimmte Orte, an denen ihr abhängt?

Hmm, das Tote Hotel. Da spielen die meisten Bands am liebsten. Wir könnten zwar vermutlich in einem größeren Laden spielen, aber lieber treten wir zwei mal dort auf. Es ist einfach der beste Ort. Man kommt gut hin, der Sound ist gut – aber es ist jetzt nicht so, dass man dort abhängt. Julie und ich sind eh gerade ans andere Ende der Stadt gezogen, in eine andere Gegend als die, wo Courtney Barnett und Dick Diver und all die anderen wohnen.

Du hast vorhin erzählt, du fährst viel durch die Gegend mit deinem Wein-Laster.

Stimmt, ja.

Siehst du da viel von der Landschaft? Ihr habt ja die verschiedensten Naturparks gleich um die Stadt: Wälder, Steppen, die Küste, Weinbaugebiete, auch die australischen Alpen sind nicht so weit weg…

Also, ich fahre leider nur innerhalb der Stadt umher. Ich sehe nur die Vororte und das Stadtzentrum. Aber meine Familie stammt vom Land, zweieinhalb Stunden im Norden. Viele Schafe, schöner ländlicher Style. Also, als unsere Freunde von der Band Real Estate in Melbourne waren, da haben wir sie mit auf die Farm genommen, und wir waren mit ihnen an der Great Ocean Road. Ansonsten, naja, ich denke mal – wenn man in der Gegend lebt, dann nutzt man nicht immer all das, was einem geboten wird, oder? Weil, naja, man einfach sein Leben führt.

jpg Twerps 3Bei mir ist es ja nicht anders. Die schönsten Seiten von München sehe ich nur, wenn ich Besuch habe und etwas von der Stadt zeigen will. Im Alltag werde ich die Sehenswürdigkeiten oder die Museen nicht besuchen.

Genau! Wir haben hier die National Gallery, und die haben immer tolle Ausstellungen, aber ich war jetzt seit Jahren nicht mehr! Man geht nicht, weil man ja immer ein andermal gehen könnte.

Genauso ist es bei mir.

Aber ich bin schon echt gespannt, Europa zu sehen, mit all seiner Geschichte! Wenn du mal nach Melbourne kommst, dann zeige ich dir die Gegend, versprochen!

Hey, ich warne dich: Da komme ich drauf zurück!

Das höre ich gerne – denn man macht sowas doch selbst nur, wenn jemand in die Stadt kommt. Je früher du vorbei schaust, desto eher kriege ich den Arsch hoch!

Dann komme ich in einem Januar, das is zeitlich ideal, weil es in Melbourne dann Sommer ist! Hier ist es im Winter nämlich bitterkalt, wir haben heute -8 Grad!

Okay, am Schluss frage ich immer nach der Anekdote. Und meine Frage ist: Was war die verrückteste Show, die ihr je gespielt habt? 

Ähm… was war die verrückteste… warst du schon mal bei SXSW?

Bis jetzt noch nicht, nein.

Da finden überall Shows statt – also überall! In Supermärkten genauso wie in Clubs. Einmal spielten wir eine Show vor einem Supermarkt, und das war ziemlich schrecklich. Die Leute haben uns nur verwirrt angeschaut. Einmal hätten wir eine Show in Portland spielen sollen – und das war auf einer Helloween-Party. Wir kamen also in Verkleidung dort an, auch die Mitglieder der zweiten Band waren alle als Zauberer verkleidet. Aber dann waren keine Instrumente für uns da, wir standen also nur dumm rum in unseren Helloween-Kostümen.

Ja, von SXSW höre ich immer sonderbare Geschichten. Man kann Glück haben und eine gute Show erwischen, andererseits sind so viele Konzerte – wenn man Pech hat, spielt man am Nachmittag nur für den Bartender und seinen Hund.

Genauso ist das. Es ist eine Erfahrung, die man gemacht haben sollte als Band, aber wir sagten auch immer: Nie wieder! Jetzt werden wir dieses Jahr aber wohl doch wieder dort landen. Weil wir ohnehin zu der Zeit in den Staaten sein werden und wir jetzt ja auf Merge sind. Das Label wünschte halt, dass wir uns vor Ort zeigen. Ich glaube, diesmal haben wir auch mehr von den guten Shows abbekommen. Diesmal könnte es anders werden als letztes Mal. Dann gibt es auch all die Kurz-Shows, wir haben in einem College eine gespielt, wir haben auf der Party eines Promi-Kochs gespielt, das war witzig, und dann gibt es halt noch die Clubkonzerte, wo dann viel gesoffen wird. Aber da ist es dann nur lärmig und eng und man kommt schier nicht an die frische Luft… aber insgesamt interessant.

Alles klar, damit bin ich so weit! Vielen Dank, ich freue mich auf eure Europatour.

Hoffentlich trifft man sich!

Ich werde auf jeden Fall auf eurer Show sein. Vielen Dank fürs Interview und jetzt wünsche ich dir einen schönen Abend!

Vielen Dank, das war prima. Dir noch einen schönen Tag, und dass es hoffentlich nicht so kalt bleibt!

TWERPS im Mai in Deutschland:
21.05.2015 Köln (DE), King Georg
22.05.2015 Berlin (DE), Kometenmelodien @ Kantine am Berghain
24.05.2015 München (DE), Theatron Festival – FREE SHOW

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