Review: Kagu

kagu-ep-coverKagu – EP

Es war ein kurzes Vergnügen mit Snakadaktal. Die Teenager aus Melbourne erfreuten uns mit einer EP („Snakadaktal“, 2011), einer Single („Dance Bear“, 2012) und einem Album („Sleep In The Water“, 2013), dann trennten sie sich auch schon wieder. Ihr Sound: Ein sehr bedächtiger, reduzierter Boy/Girl-Indie-Pop, in dem alles zu schweben schien, eine Zauberwelt der pingenden Flageolett-Tönen und der schüchtern stotternden Rhythmen. The xx und Foals zur „Total Life Forever“-Ära standen hörbar Pate, aber die Aussie-Kids fanden ihren eigenen, schlängelnden Weg. Ihren eigenen Klangwald, in dem eine gewisse Holprigkeit auf ihrer zauberhaften ersten EP für einen linkischen Charme sorgte, der dann auf dem dagegen etwas gestreamlineten, keyboardflächigen Album nicht mehr ganz so zur Geltung kam.

Snakadaktal also. Diese lange Vorrede hat natürlich einen Sinn: Sean Heathcliff, Snakadaktals Sänger und GItarrist, meldet sich zurück. Unter dem Namen Kagu veröffentlicht er heute sein erstes Lebenszeichen nach Snakadaktal, eine EP, bestehend aus vier Songs. Eine EP, mit der Sean das Erbe Snakadaktals antritt und ihren Sound quasi 1:1 weiter führt. Er darf das, das ist nun mal sein Sound.

„Shadow Of The Wind“ zeigt uns gleich, dass wir zu Hause sind: Die erste Flageoletts gibt’s nach drei Sekunden, sie schwingen über einem sanften Orgelbett. Nach 50 Minuten setzt ein zaghafter Beat ein, der frühere Vergleiche mit the xx wieder weckt.

„Human“ wurde als Vorab-Track bereits voraus geschickt und ist die offensichtliche Single dieser vier Songs. Eine Nummer, die genau so auf „Sleep In The Water“ hätte stattfinden können (und auch hier eine Single gewesen wäre.)

Auf „The Misunderstood Judgement Of Stones“ wird’s akustisch. Fast ein Song, wie ihn uns ein Folksinger/Songwriter vortragen könnte, doch leise flächige Keys im Hintergrund sorgen für Atmosphäre.

Den Abschluß bietet „Jakob“. In der Strophe zart und akustisch, fährt Sean im Refrain die Flächen und den zuckerigen Bombast auf, der Coldplay-Fans glücklich macht (und mich nicht stört).

Insgesamt sind dies 14 Minuten, die mich sehr happy machen – weil ich Snakadaktal wirklich sehr, sehr liebte und ich über ihre frühe Trennung schon richtig traurig war. Von der Band hatte ich mir noch so viel erwartet! Deswegen freut mich, dass Kagu nun als Soloprojekt den Weg Snakadaktals weiter führt.

Dass Sean sich in der Band den Gesang mit Phoebe Cockburn teilte, gab ihnen natürlich im Vergleich zu Kagu noch eine zusätzliche Variante, die hier nun fehlt. Man merkt schon, dass dies eine konzisere, klarere Ausführung des Snakadaktal-Gedankens ist, in der mehr Anstöße von außen vielleicht gar nicht fehl am Platze wären. Aber noch mal: Ich bin froh, dass es weiterhin Snakadaktal-Musik gibt, auch wenn sie jetzt von Kagu kommt.

15 03 Kagu

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