Review: Idlewild

Idlewild-Everything-Ever-WrittenIdlewild – Everything Ever Written

Ach, Idlewild! SO eine Lieblingsband, seit so langer Zeit! Aber: Ich war neulich beinahe geschockt, weil eine Freundin die vielleicht beste Band Schottlands nicht kannte. Wie kann man Idlewild nicht kennen? Nicht lieben?

Dann fiel mir auf: Halt, sie ist Anfang 20. Und Idlewilds letzte Platte „Post Electric Blues“ ist nun mal von 2009 – und es war keine Platte, die die Erde in ihren Grundfesten erschütterte. Es war, wie auch schon „Make Another World“ (2007), das Album einer Band, die vielleicht ein bisschen zu lange dabei war, und der die Bestimmung abhanden gekommen war. Eine Band, die nach dem Verlust des Majorlabel-Deals mehr aus Trotz und aus Routine weiter machte, als weil ihr wirklich Steine auf dem Herzen lagen. Beide Alben waren nicht gleich schlecht, beide hatten ihre definitiven Song-Highlights, aber im Vergleich zu Idlewilds so erstaunlicher Diskographie vom rotzigen „Hope Is Important“ (1998) über das packende „100 Broken Windows“ (2000), das überlegte „The Remote Part“ (2002) bis zum variantenreichen „Warnings/Promises“ (2005) waren die Alben ein bisschen ausgefranst. Nicht zielgerichtet. Idlewild waren also seit acht Jahren nicht mehr so wirklich relevant, also ist es nicht weiter verwunderlich, dass sie jüngeren Indie-Kids nur noch wenig sagen.

Sechs Jahre sind eine lange Zeit zwischen zwei Platten, aber Idlewild haben sie gut getan. Sänger Roddy Woomble lebt heute auf der Isle of Mull mit Frau und Kindern und macht Solo-Folkplatten, Gitarrist Rod Jones hatte zwischendurch mit neuer Band The Birthday Suit drei Alben aufgenommen. Was heißt: Dass die zwei sich zum Schreiben wieder zusammen gefunden haben, entstand nicht aus Routine oder Eingespieltheit heraus, sondern weil es sie wieder in den Fingern juckte, gemeinsam einen Level zu finden und was auf die Beine zu stellen. Nach ersten Schreibe-Sessions kam Idlewild-Drummer Colin Newton an Bord – die drei bilden den Kern der Band seit 1995, während sich die Bassisten und/oder zweiten Gitarristen immer wieder austauschen. Dieses Mal stiegen mit Andrew Mitchell (Bass) und Luciano Rossi (Keyboards) zwei Neumitglieder zu.

In einem Artikel im Guardian hat Roddy „Everything Ever Written“ schon zum besten Album von Idlewilds Karriere erklärt, auch weil die Neuen sich so gut eingebracht hätten. Klar, alles andere würde man über sein neues Album auch nicht sagen, aber der Frontmann hat ein paar Argumente auf seiner Seite. In der Tat zeigen sich Idlewild so abwechslungsreich wie nie: Roddys Folk-Faible kommt auf mehreren Balladen zur vollen Geltung. „Rasant“ können sie trotzdem immer noch: „On Another Planet“ zieht durch wie damals „Roseability“ oder „A Modern Way Of Letting Go“. Die Midtempo-Tracks sind ausgefuchst arrangiert: Beispiele hierfür sind das Zusammenspiel zwischen wuchtig und subtil auf dem Opener „Collect Yourself“, das siebenminütig ausartende „(Use It) If You Can Use It“ oder das schleppende „Come On Ghost“, welches mit einem schrägen Saxophonsolo endet.

Insgesamt hat das Album naturgemäß nicht mehr diesen kratzbürstigen Drang, der z.B. „100 Broken Windows“ so viel Profil gab. Aber dafür fühlt sich „Everything Ever Written“ immerhin endlich wie der legitime Nachfolger von „Warnings/Promises“ an. So ist es schön, Idlewild zurück zu haben.

15 02 Idlewild

 

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