Race For The Prize – Pt 3

Haim_Augustiner_2Letzte Woche war es wieder so weit – im kleinen Kreis traf sich in meiner Küche eine so unbestechliche wie unbedarfte, selbsternannte Expertenrunde. Wir kamen zusammen, um den unbedeutendsten Musik-Award der Industrie zu küren: Den inzwischen jährlichen 1-Kasten-Augustiner Preis für den Song des Jahres. (Was das ist, lest hier und hier – wo ihr auch die erste Kandidatenliste findet.)

Wir immer wurde die Shortlist erweitert, denn wer mitmacht, darf auch nominieren: Julian wählte „Easy Money“ von Johnny Marr, Nat pickte „Ålen“ von Amason. Dani konnte sich nicht entscheiden, aber Elena hatte trotz Abwesenheit aus dem Wiener Exil einen Kandidaten gemeldet: Der Nino aus Wien mit „Am heissesten Tag des Sommers“

Das Prinzip ist nun wie beim Tennisturnier: Es treten immer zwei Songs gegeneinander an, der Sieger kommt weiter in die nächste Runde. Legen wir doch einfach gleich los!

Nat ist zuerst dran. Sie zieht… eine der wenigen Ereigniskarten. Die sollen eigentlich das Spiel auflockern, wenn wir uns zu viel über Musik die Köpfe heiss geredet haben. Aber warum nicht, dann geht’s halt mit einem Ereignis los. Wir müssen uns das beknackte Video von Ice JJ Fish angucken, das letztes Jahr viral ging. Ich hatte das schon wieder völlig vergessen. Aber es ist immer noch herrlich daneben.

So, jetzt aber. Dani zieht die Frage, Nat zieht zwei Kandidaten.

Runde 1/1: „Wie 2014 ist der Song?“

Röyksopp RobynRobyn/Röyksopp – „Monument“ vs

Reptile Youth Rivers
Reptile Youth – „Rivers That Run For A Sea That Has Gone“

Die Diskussion ist kurz. Zwar gibt es digitale Klangtechnologie jetzt auch schon lang genug und sowohl Röyksopp als auch Robyn machen seit länger als einem Jahrzehnt Musik – die Behauptung „vor 2014 hätte ‚Monument‘ nicht so klingen können“ trifft also nicht zu. Trotzdem – der Grooverock von Reptile Youth könnte auch aus den frühen 90s sein. „Monument“ klingt also mehr nach dem Jahr 2014, und setzt sich mit 4:0 Stimmen durch.

Runde 1/2: „Luftfaustfaktor“

teddybears shimmy Teddybears „Shimmy Shimmy Style“ vs

Shakey Graves album

Shakey Graves „Dearly Departed“

Keine Frage: Zum schnittigen Song der Teddybears lässt sich die Faust gut gen Himmel recken. „C’mon! C’mon!“ fordert ja schon die Hookline. Ich finde, auch bei Shakey Graves kann man mitgehen, vor allem, wenn der Refrain zum letzten Mal reinkommt. Aber ich werde 3:1 überstimmt. Schade, eins meiner Top3-Lieblingslieder 2014 ist ausgeschieden.

Runde 1/3: „Mitsingen – bei wem klingen wir weniger fürchterlich?“

Kasabian Eez-eh

Kasabian „eez-eh“ vs

01 Sturgill simpson

Sturgill Simpson „Life Of Sin“

Auch das gehört bei diesem Spiel dazu. Die Hemmschwelle zu überwinden und das Lied am Küchentisch gemeinsam zu „singen“. (Eine Beschreibung, die wir hier sehr großzügig auslegen.) Kasabians „eez-eh“ besteht zum Teil aus einer Art Sprechgesang, und man muss keine großen Melodiebögen meistern. Glaubt uns, wenn wir vier uns da durchquälen müssen, ist das ein Vorteil. Sturgill Simpsons schnittige Countrynummer verlangt mehr ab, auch was das Merken des Textes angeht. So setzen sich Kasabian mit 3:1 Stimmen durch.

Runde 1/4: „Welches Lied ist spannender instrumentiert?“

13 parker millsap

Parker Millsap – „Truck Stop Gospel“ vs

Kent La Belle Epoque

Kent – „La Belle Epoque“

Ich finde das karge Arrangement von Parker Millsap, das aus Drums, Gitarre, Fiddle und Stimme viel Power rausholt, durchaus interessant. Kent machen halt mal wieder ihr Kent-Ding und fahren fett auf. Sie legen Schicht auf Schicht, so richtig mit Streichern (aus dem Rechner oder echt?) und allem. Aber auch wenn das für Kent nicht untypisch ist, heisst es: „La Belle Epoque“ kann man richtig aufmerksam durchhören und auf die Nuancen achten. Dann fallen einem solche Dinge wie der „Möwen-Effekt“ nach dem ersten Refrain auf (bei ca 1:40). Also gewinnen Kent, mit 3,5 zu 0,5. (wir erlauben uns jetzt, bei Unentschiedenheit halbe Punkte zu vergeben)

Ereigniskarte!
Es gilt, eine Frage aus unserem piranha-Fragebogen zu beantworten. Weil’s Spaß macht.
Die Frage lautet: „Du bist Godzilla! Was machst du als erstes kaputt?“
Nat weiss es sofort: „Den Lacoste-Laden!“ (…dem das Atomic Café weichen musste)
Dani ist dabei: „Genau, dann machen wir ein Godzilla-Tänzchen, und dann hören wir ‚Sit Down!‘“
Julian zieht die Pop-Referenz und beschließt, er „macht kaputt, was ihn kaputt macht!“
Ich bin ganz weltverbesserischer Hippie. Ich will als Godzilla die weltweiten Waffenfabriken in Staub treten, eine nach der anderen.
So, geneigter Leser: Jetzt musst du dir die Frage natürlich selbst stellen. So viel zur Ereigniskarte.

Runde 1/5: Welches Lied ist der bessere Rausschmeißer?

liars_Mess on a mission
Liars – „Mess On A Mission“ vs

orwells_who needs you

The Orwells – „Who Needs You

Tja. Das ist das Ding mit diesem Lieder-Turnier – Ein Song kann schon mal die komplett falsche Frage zugeteilt kriegen. Keiner dieser beiden Indie-Dancefloor-Knüller eignet sich auch nur mi Ansatz als Rausschmeißer. Alleine die Vorstellung, ich lege noch im Atomic auf, haue als Letztes „Who Needs You?“ rein und mache nach dem abrupten Schluss einfach das Licht an – da kriege ich ja Angstschweiss! Die Leute zerlegen mir den Laden! Auch „Mess On A Mission“ verlangt eigentlich, dass es weiter geht. Aber die Orwells-Nummer ist als Rausschmeißer so komplett undenkbar, dass die Liars weiter kommen.

Runde 1/6: Welcher Song hat den besseren Anfang? (0-15 sek)

dmas ep

the DMA’s – Delete vs

hello saferide cover

Hello Saferide – „This Body“

Jetzt hör mir auf! Diese zwei wären bei der letzten Frage ideal gewesen! Es sind perfekte Rausschmeisser! Schleicher, die sich leise aufbauen und zum Ende aufblühen! Beide sind von mir letztes Jahr im Atomic als Rausschmeißer eingesetzt worden! Aber! Aber! Ausgerechnet diese Lieder müssen wir nach ihren ersten 15 Sekunden beurteilen – und beide Songs brauchen ewig, um in die Gänge zu kommen: Bei den DMAs passiert in den ersten 15 Sekunden… praktisch NICHTS. NICHTS! Bei Hello Saferide passiert: Superwenig!
Superwenig ist allerdings mehr als Nichts und ermöglicht es Annika Norlin, sich gegen das Trio aus Sydney durchzusetzen… Schade, auch die DMAs waren ein Topfavorit von mir und Nat.

Runde 1/7: Kann jemand den Refrain auswendig?

06 lydia loveless
Lydia Loveless – „To Love Somebody“ vs

02 Holidays Real Feel

The Holidays – „Tongue Talk

„…and I never really wanted that much from you, at least not everything – 
I never really wanted you to be mine, at least not all the time – but I wanna be on your mind“ …mit ein wenig Nachdenken kriegen wir den Refrain von Lydia Loveless hin. Bei The Holidays fällt uns der „Words won’t come“-Hook ein, aber der Refrain dazu will uns nicht in den Sinn kommen. („I wish I had nerves of steel, I wish I knew what was real, I wish I could say what I feel“). Lydia Loveless kommt weiter.

Runde 1/8: Hat der Song was Geheimnisvolles?

johnny marr playland
Johnny Marr – „Easy Money“ vs

july talk guns

July Talk – „Guns And Ammunition“

Tja. Auch hier herrscht Einigkeit. Johnny Marrs Song knallt rein und ist sowas wie die perfekte Indiegitarrennummer. Aber geheimnisvoll? Da geben die schrägen Kanadier July Talk mit ihrer sexy Bad Boy/Bad Girl – Dynamik schon mehr Fragezeichen auf und kriegen 4:0 Stimmen.

Runde 1/9: Welcher Künstler ist sympathischer?

amason alenAmason – „Ålen“ vs

03 spoon

Spoon – „Rent I Pay“ vs

ninoauswienbäume

 Der Nino aus Wien – „Am heissesten Tag des Sommers“

Da wir eine ungerade Zahl an Teilnehmern haben, muss die letzte Frage der ersten Runde unter drei Titeln ausgemacht werden. Tja nun, wer wirkt sympathischer?

Amason sind ein lustiges Konglomerat aus Schweden, dessen Mitglieder schon in zahlreichen anderen Bands unterwegs waren und die nett unverkrampft aussehen (Pontus Winnberg habe ich auch schon in seiner Eigenschaft als Miike Snow-Mitglied gesprochen, angenehmer Typ).

Spoon wirken ein bisschen abgehobener. Ich meine, ich LIEBE Spoon, und diese innere Gespanntheit ist ein wichtiger Part ihres Sounds. Aber würde man lieber mit ihnen an der Bar sitzen oder mit Amason? Zumal, auch Britt Daniel hatte ich schon am Telefon, damals zu „Ga Ga Ga Ga Ga“ – und natürlich war er nicht unfreundlich, aber wir haben nicht so den Level zueinander gefunden.

Zuletzt: Der Nino aus Wien, den wir aufgrund seiner Fotos beurteilen müssen, und er guckt immer etwas verkniffen in die Kamera. Tja, da sind wir uns einig: So oberflächlich das sein mag, finden wir alle, dass Amason am nettesten wirken. Die Schweden kommen weiter.

Puh! So, die erste Hälfte des Turniers ist ausgespielt. Neun Songs haben’s in Runde 2 geschafft. Die weiteren Runden folgen in einem zweiten Post.

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