Meine Alben 2014. Pt 5 (05-01)

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So, jetzt aber. Ich schließe meine Alben des Jahres 2014 ab. Platz 5 bis 1. Bitteschööön!

05. Hello Saferide – The Fox, The Hunter And Hello Saferide

hello saferide coverSeid ihr so drauf, dass ihr auch mal weint wegen Songtexten? Okay, ganz so nah am Wasser bin ich normal nicht gebaut (außer an Katertagen, aber die gelten nicht, denn da können mich sogar die Muppets zum Flennen bringen). Jedenfalls, was Songwriter angeht, gibt es niemand, der mich regelmäßig so nah an die Tränengrenze bringt wie Annika Norlin alias Hello Saferide. Sie gab dieses Jahr ihr Comeback nach mehreren Jahren Abwesenheit (Zuletzt kam 2011 „Säkert! på engelska“ und das war ja nicht richtig neu, weil es sich nur die englische Versionen von schwedischen Songs handelte, die sie unter dem Namen Säkert! veröffentlicht. Verwirrend? Egal!) und sie hat gleich wieder die Lieder ausgepackt, die mich ins Mark trafen. Vor Traurigkeit: Im Lied über den depressiven Vater („Dad Told Me“). Vor Erleichterung und Freude: Im Song über den ewigen Kampf mit dem eigenen Körper, der sich mit der Schwangerschaft in Wohlgefallen auflöst („This Body“). Nicht zum Weinen, aber zum „GENAU so ist es!“-Krakeelen war das Lied über die Nazi-Jungs und Hater, das keinen Hass, sondern Mitleid mitteilte („Last Night Bus“). Dann war da „The Crawler“, erst ein drolliges Plädoyer fürs Miteinander, das plötzlich umschlug und den Hörer mit Fragezeichen überm Kopf zurück ließ.

Ich weiss, Annika sind die Melodien genau so wichtig wie die Songs, und auch in die Lo-Fi-Instrumentierung mit kleinen Beats aus der Dose hat sie sich sicher sehr konkrete Gedanken gemacht. Aber es sind ihre Texte, die das Ganze auf den nächsten Level heben. „I Forgot About Songs“ zum Beispiel. Da singt sie über die unfassbare Power, die in so einem kleinen Lied sitzen kann. Denn es gibt schließlich diese Lieder, die dich halten, aufputschen, trösten, mit dir kichern, mit dir weinen, Lieder, die dich retten. Solche Lieder finden sich auf ihrem dritten Album, zuhauf.

04. Sun Kil Moon – Benji

04 sun kil moonToll auch, wenn ein Künstler, den man lange schon verfolgt, einen noch mal wieder unerwartet umhaut. Mark Kozelek liebe ich seit „Down Colorful Hill“, das war 1992, damals war er noch Frontmann der Red House Painters und ich lebte nicht München. Die ersten Red House Painters Alben waren der Jammertal-Soundtrack zu meiner ersten Trennung – für so etwas kann ich sie nur bestens weiter empfehlen. Aber ins Jahr 2014. Mark veröffentlichte ein neues Album, sein inzwischen genau x-tes (den Überblick hat er bestimmt selbst nicht), dieses Mal wieder als als Sun Kil Moon, und es ist sein Karrierehighlight.

Was ist so besonders? Nun, Marks Texte waren immer schon Nabelschauen, und immer schon nannte er konkrete Namen. Der alte Buddy „Michael“, den er auf „Down Colorful Hill“ um Rückmeldung bat, den gab es wirklich, und er hieß Michael. Trotzdem war Kozelek in seinen Erzählungen noch nie so konkret und doch auch so freeform wie auf „Benji“. „Michael“, das war damals ein editierter, ins Lied-Format gebrachter Song. Die Tracks auf Benji dagegen sind wie lose Gedanken, die Mark durch den Kopf flattern, und die dann aus ihm raussprudeln wie aus einer geplatzten Wasserleitung. Weil er dabei so konkret ist in seinen Erzählungen, weil er Namen nennt und  Referenzpunkte, auf die man sich beziehen kann, und weil die Thematik sehr oft tragisch ist (der Tod seiner Cousine Carissa, der beim Verbrennen von Müll eine Spraydose explodierte, oder die Morde wie Newtown), verfolgt seine Lieder mehr wie Kurzgeschichten, oder Hörspiele, die einen komplett in ihren Bann ziehen. Ach, es ist so herrlich, was Popmusik alles sein kann.

03. Spoon – They Want My Soul

03 spoonIch liebe Indierock / Indiepop. Mit Gitarren. Ist halt so. Schön kratzbürstig, möglichst, aber nachvollziehbar, mit Pop-Appeal also. Und, fuck yeah, keine Band hat das in diesem Jahrtausend so konstant geliefert wie Spoon. Und als man denkt, ui, Britt Daniel hat jetzt mit den Divine Fits eine Zweitband, vielleicht ist sein Herz nicht mehr so voll dabei – da kommen Spoon zurück mit einer so 100% makellosen, perfekten Indierock-Platte, mit Zähnen, mit Krallen, mit aufgestelltem Fell, mit Gitarren, die ins Fleisch schneiden und Drums, die dein Herz synchronisieren, mit elektrisierten, unter Hochspannung stehenden Stimmen… aaaargh! YES! YES! YES! Ich kann’s gar nicht anders beschreiben! Diese Blitze, die einen durchzucken, wenn man „They Want My Soul“ hört! Dabei haben Spoon diesmal durchaus was geändert: Ich habe sie immer beschrieben als die Band, die nur aus Skelett und Sehnen besteht, an der kein Gramm Fett ist. Inzwischen haben Spoon sich aber erweitert, den Divine Fits-Keyboarder Alex Fischel mit an Bord genommen, was klar mehr Volumen in ihren Sound bringt. Aber noch kein Fett. Sondern: Muskeln.

02. The Holidays – Real Feel

02 Holidays Real FeelAls ich etwa 2010 anfing, mich tiefer in die Musikwelt Australiens reinzufuchsen, da wurde eine junge Band aus Sydney als Zukunftshoffnung gehypt. The Holidays machten ein Ding, das a la Friendly Fires die Percussion betonte, siech aber auch auf 80s-Pop a la Hall & Oates zu berufen schien. Ein viel versprechender Mix, fast ein bisschen zu bemüht szenig cool.

Im Februar aber, da erschien das zweite Album der Band mit dem unscheinbaren Namen, und es erfüllte all die Versprechungen des Debüts und viel mehr. Klar, auch „Real Feel“ war Indiepop mit Synthies. Aber,  oh Mann, irgendwie schrieben die Jungs genau die Melodien, die mein Ohr offenbar hören will, denn ich freue mich je-des-mal tierisch, wenn einer dieser Songs läuft. Und hey, ich LIEBE die KLÄNGE auf diesem Album! Ich meine, hört Euch das „SCHHHRRRRMMMMMMNNN“ der Gitarren auf „Tongue Talk“ an! Wer genau diesen Gitarrenklang gefunden und ausgesucht hat, der ist doch ein Ohrengenie! Und die ganze Platte ist voll mit diesen begeisternden Geräuschen!

Vielleicht gibt es an der Platte was zu kritisieren. Die Texte zum Beispiel sind eher vage, ich weiss immer noch nicht, wovon The Holidays auf dem Album singen – und da ich andere Lieblingsalben speziell wegen ihrer Texte in den Himmel lobe, wundere ich mich über mich selbst, dass dies mir hier recht egal ist. Die Platte liebe ich einfach für ihre Sounds, für ihren Pop und für das irre gute, sonnige Gefühl, das mich erfüllt, wenn ich sie höre.

01. Sturgill Simpson – Metamodern Sounds in Country Music

01 Sturgill simpsonSchockiert? Ich hatte euch doch gewarnt! 2014 war das Jahr, in dem Americana/alt.Country bei mir eine neue Stufe zündete! Und der Grund war natürlich dieser eine Typ: Sturgill Simpson. Der Kerl, der einerseits so traditionsgetreu in die Fußstapfen von Legenden wie Johnny Cash und Waylon Jennings tritt, dass selbst Willie Nelson ihn vor wenigen Tagen mit zu sich auf die Bühne bat – und der gleichzeitig innerhalb dieser urigen Tradition regelrecht wütet, alles umschmeisst und Dinge von außen mit einbringt, die man dort nie erwartet hätte.

Sturgill Simpson steckte sich auf seinem zweiten Album einen festen Country-Rahmen, um dann zu probieren, was er sich innerhalb des Rahmens alles erlauben kann. Texte, in denen er ein Weltbild aus LSD, Buddha und Steven Hawking kreiert („Turtles All The Way“) oder Gitarrengefetze, bei dem du denkst, dir fährt ein Formel Eins-Renner durch den Schädel („It Ain’t All Flowers“). Keine Platte hat mich dieses Jahr so geflasht und meine Welt so krass umgeprägt. Ich meine, ich habe einen Indie-Country-Abend im Atomic gestartet! Ich bin nach Stockholm geflogen, um Sturgill live zu sehen! Und zu interviewen – das Transkript gibt’s hier bald zu lesen! War es das beste Konzert des Jahres? War es mein Interview des Jahres? Ja ratet mal!

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