How Longlist have you known? Pt1

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Die BBC hat heute ihre jährliche, immer viel beachtete Longlist gepostet. Also ihre Prognose, wer die musikalischen Newcomer des Jahres 2015 werden. Ich kenne viele davon nicht, aber ich höre sie mir jetzt für Euch an und sage zu allen 15 meine Meinung. Danach ein Fazit. Los geht’s!

George The Poet: Näh! Dieser Sesamstraßen-Rapper ist doch nur auf dieser Liste, weil er sich „Poet“ nennt. Dabei lallt er in echt die doofste Lifecoach-Grütze. „Seven Billion people, only one you. If I can do it, you can do it, too“ wiederholt er mantraartig, als wär’s voll die Augen öffnende Weisheit. Ist es nicht, es ist banalstes Lalala. Da achte ich erst gar nicht auf die Sounds drunter. Weg damit!

James Bay: Wenn Euch Ben Howard zu radikal strommastansägermäßig abgefahren ist, dann freut Euch über James Bay. Der trifft den kleinsten gemeinsamen Nenner zwischen Tom Odell und Ed Sheeran. Be. Schis. Sen!!!

Kwabs: Okay, das ist Soulpop, gefällig genug, um auch auf Radio NRJ ein Zuhause zu finden, aber angenehm post-Lorde-ig unberechenbar instrumentiert und hittig. Nicht mein Spezialgebiet, aber dass das ordentlich ist, erkenne auch ich als Außenstehender.

So, um des Seitendesigns willen mache ich hier einen Break. Für zwölf weitere Schnellurteile und mein Fazit…

Låpsley: Oh Gott, die zwei in dieser Kombi verbotenen Worte! „Minimalistic Electronica“! Ich will diese Tanten und Typen, die in Zeitlupe wabern und knistern und dazu irgendwie rumwimmern, alle in einen Sack packen und verdreschen! (Hoffentlich treffe ich Ry X!) Ich versteh’s nicht! Habt ihr alle keinen Puls? Wer sind all die Leute, die diese linden Senseo-Geräusche hören? Und die auch noch glauben, sie hören innovativen Shit?! Mann! Wenn man Euch erzählt, eure Waschmaschine ist der neue Hype, dann setzt ihr Euch auch in den Keller davor und lauscht andächtig und seid stolz auf euren hippen Geschmack! Und ihr stellt ein Selfie auf Instagram, grinsend vor der rotierenden Trommel! FUCK FUCK FUCK!

Novelist: Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass Grime mein Fachgebiet ist. Ist es null. Wer weiß, die furzenden Keyboards und klackernden Drummachines, über die Novelist im Stakkato seine Zeilen abfeuert, sind möglicherweise weit vorne? Ich muss ja sagen: Der Name Novelist macht mich argwöhnisch. Das riecht nach der Wichtigtuertum-Falle von „…the Poet“ oben. Aber gut, der Junge scheint was auf dem Kasten zu haben. Er ist erst 17 und er wurde mal Zweiter bei der Wahl von Lewishams „Young Mayor“, was immer das bedeutet.

Rae Morris: Aha, Florence Welshs kleine Streber-Schwester, die nicht trinkt und nur Einsen nach Hause bringt, kann auch Klavier spielen. Ab und zu kiekst sie beim Singen, weil sie gehört hat, dass das so crazy ist, hui! Naja, verkaufen wird sich’s.

Raury: Och, das ist doch nett. Pfiffige Popmusik sowohl mit Gnarls Barkley- als auch Bill Withers-Vibe. Ja, der wird in der Tat Erfolg haben. Und es ist gut so. Der wird mich nicht nerven, wenn er im Radio läuft (…als würde ich Radio hören! Aber ich meine theoretisch.) Ui, der Junge aus Atlanta ist gerade mal 18. Der hat also richtig Zukunft.

Shamir: Auch das gab’s noch nicht so, oder? Ein Mix aus R’n’B und Indietronica (ich muss an Penguin Prison oder TEED denken). Mir passiert da ein bisschen zu viel. Der Song „Sometimes A Man“ jedenfalls ist mit Effekten etwas überfrachtet. Aber gut, mit 19 darf man noch eine geringe Aufmerksamkeitsspanne haben.

Shura: Wenn ein Zyniker sagen würde: „Es muss da doch noch eine Goldader zwischen Banks und Ellie Goulding geben“, er hätte Shura nicht besser konstruieren können. Einschläfernd.

Slaves: So GAR nicht mein Sound. RAAH RAAH RAAHH Rock. Die wurden offenbar aufgenommen, weil Royal Blood dieses Jahr so durchstarteten und man händeringend was Vergleichbares suchte. Aber außer der Besetzung haben sie nichts mit Brightons Riffmeistern gemein, Slaves sind viel primitiver. Aber gut, wenigstens haben sie Energie.

SOAK: Ihr wollt mich verarschen, oder? Die quadratische Nordirin, die im Vorprogramm der CHVRCHES alle so zu Tode gelangweilt hat mit ihrem ploddernd melodiefreien Anfänger-Folk, soll ein Tipp für 2015 sein? Entweder, jemand glaubt fest: „2015 wollen die Leute keine Songs mehr, an die man sich hinterher erinnert!“ oder es war so: „Verdammt, wir haben 14 Namen, wir brauchen 15! Vorletztes Jahr lagen wir mit CHVRCHES ganz gut… wer ist denn noch auf deren Label?“

Stormzy: Ich hatte Bescheid gegeben, dass Grime nicht meine Sprache ist, ja? Ich kann das Interesse nicht aufbringen, auf Stormzys Texte zu achten. Ein Urteil darf ich mir eigentlich nicht anmaßen. Sagen wir: Novelist ist sperriger.

Sunset Sons: Vorgeschichte: Eine Gruppe Briten spielt mehrere Winter in den Skiresorts der französischen Alpen jeden Abend Coverversionen für die Party machenden Snowboarder und Skifahrer. Mit der Zeit ist sie nicht nur perfekt eingespielt, sie hat durch das dauernde Nachspielen auch Hit um Hit auseinander und wieder zusammen gebaut und dadurch verstanden, wie ein perfekter Popsong konstruiert ist. Peu a peu mixt sie ihre eigenen Lieder ins Set, und niemand fällt es auf. Hey! Das war schon die Story von The Feeling! Jetzt ist es also auch die Story der Sunset Sons, für die angeblich Horden von Plattenfirmenfritzen nach Val d’Isere fuhren. Leider klingen sie, wenn man den Song auf der BBC-Seite als Maßstab nimmt, nicht wie The Feeling. Sondern wie Maroon fucken 5.

Wolf Alice: Auf diese Band keulen NME und Co schon seit längerem ab, und ich versteh’s nicht. Weil ich so alt bin, dass ich The Breeders, Belly und Veruca Salt noch original mitgekriegt habe. Bestenfalls letzteren können Wolf Alice das Wasser reichen. Nun gut, für manche Kids ist dieser noisig-angeschrägte Girl-Grunge-Pop offenbar was richtig Neues. Na, wenigstens ne Band, und wenigstens ein minimales Bisschen kratzbürstig.

Years & Years: Braucht auch kein Mensch. Wer wissen will, wie JEDER Song auf JEDEM Kitsuné-Sampler seit 2008 klingt, kann sich ein Lied von Years & Years anhören. Das Trio, das alles, was Hot Chip so wunderbar schlau und herzlich macht, weglässt, aber deren Synth-Settings zur Sicherheit genau mit Sekundenkleber fixiert hat.

FAZIT:

1. Sieger sind Raury, Kwabs und Shamir. Wolf Alice sind meh, den Rest kannste komplett in die Tonne treten.

2. Mein Stockholmer Buddy David hatte eben doch Recht – es gibt KEINE BANDS mehr!! 11 der Kandidaten sind Solo-Projekte! Nur ein Duo, ein Trio, zwei Quartette. Woran liegt’s? Daran, dass man daheim mit dem Laptop heute alles machen kann, ohne mit nervigen Bandmitgliedern, die die eigene Vision nicht zu 100% mitgehen wollen, Kompromisse eingehen zu müssen. Aber auch, ohne von ihnen Ideen und Inspiration zu bekommen und das gemeinsame „Mehr-als-die-Summe-der-Einzelteile“ zu entwickeln. Live-Konzerte der Zukunft werden fei fucken boring sein, wenn nur noch einzelne Heinis und ihre Laptops auf die Bühne wackeln.

3. Die Briten sind in ihrer Auswahl immer noch extrem auf den UK und die USA fixiert. Nicht einen einzigen Kontinentaleuropäer, nicht mal Australier, die ja wenigstens original englisch singen, haben sie gepickt. Verdammt niedriger Horizont. Traurig.

So. Aber weil ich nicht nur lästern will, verspreche ich als nächsten Post meine eigene Longlist. Vermutlich ausschließlich Indiebands, eh klar. Weil auch mein Horizont klein ist. Aber ich bin nicht die BBC, mein Tellerrand DARF enger sein.

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